Corona-Ausbruch in Schlachtunternehmen Supermarkt-Ketten sehen keine Gefahr bei Tönnies-Fleisch

Der Corona-Ausbruch beim Schlachtunternehmen Tönnies nimmt immer größere Ausmaße an. Aktuell sind mehr als 800 Mitarbeiter des Werks in Rheda-Wiedenbrück infiziert. Die Produktion am Standort wurde eingestellt. Lassen sich Verbraucher davon verunsichern? Kann man Tönnies-Produkte noch bedenkenlos kaufen?

Frisch geschlachtete Schweine hängen in einem Kühlhaus des Fleischunternehmens Tönnies.
Kann man Tönnies-Fleisch noch kaufen? Bildrechte: dpa

Corona-Infektionen, Hygieneverstöße, schlechte Arbeitsbedingungen – das, was zurzeit aus dem Tonnies-Konzern nach außen dringt, verunsichert viele Verbraucher. In unserer Umfrage in der Leipziger Fußgängerzone sagen viele Befragte, dass sie sich Gedanken darüber machen, ob sie das Fleisch noch bedenkenlos essen können.

Der Fleischkonsum der Deutschen ist seit Jahren konstant hoch: Knapp 60 Kilogramm hat jeder Deutsche im vergangenen Jahr im Schnitt gegessen, heißt es in einer Statistik der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung. Das sind nur zwei Kilo weniger als vor 20 Jahren. Könnten nun die Meldungen von schlechten Arbeitsbedingungen in Schlachthöfen zu einem Rückgang führen?

Lebensmittel-Discounter verkaufen weiter Tönnies-Fleisch

Die großen Lebensmittel-Discounter halten jedenfalls an Tönnies fest – und sehen keinen Grund, die Produkte des Billigfleischproduzenten jetzt aus den Regalen zu nehmen. Das ergab eine Abfrage von MDR AKTUELL bei Aldi, Lidl, Rewe sowie beim Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels.

Während Lidl keine Angaben macht, teilt Aldi Nord schriftlich mit, dass Tönnies-Artikel weiter verkauft werden sollen, aber: "Den Unternehmensgruppen Aldi Süd und Aldi Nord ist es ein wichtiges Anliegen, dass die Erzeugung und die Produktion von Waren unter menschenwürdigen und gerechten Arbeitsbedingungen erfolgt. Aufgrund des Corona-Ausbruchs am Standort Rheda-Wiedenbrück stehen wir mit Tönnies und auch weiteren Lieferanten in Verbindung. Wir setzen auf einen fortwährenden Austausch, um die Situation langfristig zu verbessern."

Supermarkt-Ketten sehen keine Ansteckungsgefahr

Eine Gesundheitsgefahr sehen die Supermarkt-Ketten bei Tönnies-Fleisch aktuell nicht. Sie berufen sich dabei auf die Einschätzung des Bundesinstituts für Risikobewertung. Das Fleisch sei selbst dann nicht ansteckend, wenn jemand bei der Herstellung drauf niest oder hustet, sagt auch Sabine Holzäpfel von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

Denn die Coronaviren seien längst abgestorben, wenn das Produkt im Regal landet. "Nach allem, was wir wissen, gibt es derzeit keine Anhaltspunkte, dass man wegen einer Ansteckungsgefahr diese Produkte nicht kaufen sollte. Aber es kann natürlich sein, dass man anderweitig Bedenken gegen diese Produkte hat, gegen die Produktionsbedingungen, unter denen diese Arbeiter dort arbeiten. Und das ist dann halt dort die Entscheidung jedes Einzelnen, welches Fleisch er kauft und worauf er genau achtet."

Nach dem Corona-Ausbruch bei Tönnies ermittelt die Staatsanwaltschaft in Bielefeld. Sie habe ein Verfahren wegen des Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung und Verstoßes gegen das Infektionsschutzgesetz eingeleitet.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 20. Juni 2020 | 05:00 Uhr

5 Kommentare

kleinerfrontkaempfer vor 6 Wochen

Da braucht dem Verbraucher nun wirklich nicht bange sein. Alle makellose und einwandfreie Ware. Da hält sich kein Keim oder Bazillus.
Hat doch die Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft mal auf einer Grünen Woche eine Wurst prämiert die zu 25% aus H2O, 50% gepanschten Proteinen und dem Rest aus Schlachthofabfällen bestand. Einfach lecker.
P.S. Was der Seuchenhernd Tönnis in NRW, das sind diverse Geflügelschlachthöfe und ihre Billigarbeiter in Süddeutschland. Wird bloß nicht so publik gemacht.

Anhaltiner vor 6 Wochen

Osteuropäer schuften in Deutschland für Billigfleisch
Deutsche Fleischfabriken sind effizient und produzieren extrem günstiges Fleisch. Möglich machen das viele Arbeitskräfte aus Osteuropa, die für niedrigen Lohn arbeiten und obendrein von Subunternehmern ausgenutzt werden. Nur Billigfleisch kann exportiert werden wegen starker Konkurrenz auf dem Weltmarkt.Durch höhere Fleischpreise im Binnenmarkt könnte man die Exportpreise noch subventionieren.

Labiles Genie vor 6 Wochen

... und zum Nachtisch eine knusprig gebratene Fledermaus. Sind schließlich auch Säugetiere.

Guten Appetit!