Coronavirus Kaum Lieferengpässe - außer bei Apotheken

Der Blick in die Regale im Supermarkt um die Ecke ist zurzeit eher ernüchternd. Vom Zahnbürstenaufsatz bis hin zur Kokosmilch – viele Artikel sind oftmals nicht zu haben. Corona hat unser Einkaufsverhalten verändert. Manche hamstern. Manche kaufen nur noch Dosennahrung. Immer mehr bestellen im Internet. Kommt es dadurch zu Lieferengpässen?

Eine Frau trägt vor einer Apotheke eine Mund- und Nasenmaske.
In Einzel- und Onlinehandel sorgt man sich kaum, aber Apotheken haben Lieferengpässe. Bildrechte: dpa

Manon Struck-Pacyna ist gelassen. Lieferengpässe, Lebensmittelknappheit – darüber macht sich die Sprecherin des Lebensmittelverbands keine Sorgen.

Doch sie räumt ein: Das neue Coronavirus habe die Branche durcheinander gewirbelt. "Wenn man Feiertage hat, z.B. Weihnachten oder Ostern, dann spricht man immer vom Feiertagsmodus, wo die Menschen mehr einkaufen", erklärt Struck-Pacyna. "Und das ist jetzt ungefähr das Dreifache vom Feiertagsmodus, was wir haben."

Pasta, Reis, Linsen, Tiefkühlpizza, Tütensuppen – gefragt seien jetzt vor allem Lebensmittel, die sich lang halten und einfach zuzubereiten sind, sagt Manon Struck-Pacyna.

Die Versorgung sei sicher, nur die Logistik müsse sich darauf einstellen. Denn bestimmte Produkte, die normalerweise einmal in der Woche geliefert worden seien, müssen jetzt drei Mal in der Woche geliefert werden. "Die Nachlieferung ist problemlos möglich, aber es wird immer so sein, dass Sie in den kommenden Tagen oder Wochen stellenweise die leeren Regale sehen werden", sagt Struck-Pacyna.

Onlinehandel stärker genutzt als zur Weihnachtszeit

Aus diesem Grund boomt der Onlinehandel mit Lebensmitteln, aber auch mit Baumarkt- und Hygieneartikeln, erklärt Wolfgang Wentzel vom Bundesverband Onlinehandel.

Gefragt sind Zahnpasta, die berühmte Packung Klopapier, Haus- und Gartenartikel, aber auch Nahrungsergänzungsmittel. Wentzel sagt: "Wir haben noch keine Statistik, aber ich weiß es aus telefonischen persönlichen Gesprächen mit unseren Mitgliedern, dass dort partiell ein hoher Anstieg an Nachfrage zu verzeichnen ist." Der Anstieg sei vergleichbar mit dem Weihnachtsgeschäft und eigentlich noch darüber hinaus.

Lieferengpässe im Onlinehandel seien ihm nicht bekannt, sagt Wolfgang Wentzel weiter. Kleinere Unternehmen der Branche hätten kleinere Probleme. Doch große – wie der Versandhändler Amazon – müssen sich umstellen: Man habe Lieferketten angepasst, um die Menschen mit essentiellen Artikeln beliefern zu können, schrieb Amazon-CEO Jeff Bezos vor drei Tagen an seine Mitarbeiter.

Desinfektionsmittel in Apotheken knapp

Anders sieht es dagegen in den Apotheken aus. Hier gebe es durchaus Lieferengpässe, berichtet Mathias Arnold von der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände. Die Nachfrage z.B. an Medikamenten wie Paracetamol oder Vitamin-C-Präparaten sei sehr groß. Das größte Problem habe man aber mit Desinfektionsmittel.

Schild an Apotheke Eisenach: Desinfektionsmittel und Mundschutz ausverkauft
Engpass bei einer thüringischen Apotheke. Bildrechte: MDR THÜRINGEN/Isabelle Fleck

Natürlich müsse man zusehen, dass man zuallererst die Arztpraxen beliefere: "Denn die sind ja wirklich in einem Risikobereich und es macht wenig Sinn, wenn die Arztpraxis nicht mehr arbeiten kann, weil sie kein Desinfektionsmittel mehr hat oder weil Mundtücher fehlen", sagt Arnold. Das sei das primäre Ziel.

Die Apotheken fordern daher von der Politik, Vorschriften vorübergehend aufzuweichen. Z.B. für Packungsgrößen oder für den Personalbestand. Außerdem sollten Botendienste und die Bedienung an der Nachtklappe möglich sein.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 24. März 2020 | 05:00 Uhr

5 Kommentare

MDR-Team vor 14 Wochen

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ElBuffo vor 14 Wochen

Als was arbeiten Sie in dieser Branche? Also Jena und Bernburg gibt es durchaus noch. Dem Serumwerk war schon in der Planwirtschaft der DDR das seltene Kunststück gelungen pleite zu gehen. Ok, nannte sich damals anders. Produkte aus Bernburg sieht man gefühlt in jeder Krankenhausreportage rumbaumeln. Und zumindest letzte Woche stand es noch und es sah auch nicht nach übermäßigem Leerstand aus.
Die gesetzlichen Krankenkassen sind mitnichten gewinnorientiert. Die versuchen verzweifelt die Kosten niedrig zu halten.
Meine Erinnerung an das staatliche Gesundheitswesen der DDR sind auch überhaupt kein Beleg dafür, dass es in staatliche Hand gehört. Achja, von Bernburg hörte mal ja zuletzt, dass die Klinikmitarbeiter streiken. Nachdem der Landkreises die eigenen Kliniken grandios in die Pleite gefahren hatte und selbst die nun in dieser Hinsicht über jeden Verdacht erhabene Dienstleistungsgewerkschaft einen Überhang von mehr als 300 Mitarbeitern festgestellt hatte. Soviel nur dazu.

Kutusow vor 14 Wochen

Man musste weder Experte oder Hellseher sein, um diese Ausbreitung in Deutschland nach den Erfahrungen aus China oder Italien vorherzusehen! Die Infektionsherde hätten wie in China bzw. in Russland sofort rigoros abgeriegelt werden müssen, um die Ausbreitung mit den entsprechenden Folgen zu verhindern! Eine solche Abriegelung wäre für die betreffenden Kommunen sicher sehr hart geworden, aber jetzt kommt es doch ohnehin und kostet viel mehr Opfer und verursacht unabsehbare wirtschaftliche Schäden! Ebenso indiskutabel ist das Testen oder besser nicht Testen von Kontaktpersonen! Da MUSS sich das Virus weiter ausbreiten! Bisher habe ich mir die Kritik verkniffen, aber was ich in den letzten Tagen erlebt habe, das spottet z.T. jeder Beschreibung! Vor allem wird auch noch Hilfe aus China abgelehnt!