Corona-Krisenhilfen Woher sollen die Milliarden für die Soforthilfe kommen?

"Die Bundesregierung hat ein Corona-Hilfsprojekt aufgelegt in Höhen, wo einem ganz schwindlig werden kann", bemerkt unser Hörer Sebastian Götz und fragt: "Kann man Geld in unbegrenzter Höhe ausgeben und wie viel Geld es gibt absolut?"

Verschiedene Euroscheine
Führt die jetzt wieder wachsende Staatsverschuldung zur Inflation? Bildrechte: imago images / Schöning

Es sind nicht nur Milliarden, sondern sage und schreibe 1,2 Billionen Euro, die Deutschland im Kampf gegen Corona einsetzen will. Es ist das größte Hilfspaket gegen den mutmaßlich größten Wirtschaftseinbruch seit dem Zweiten Weltkrieg.

Bürgschaften und Garantien

Oliver Holtemöller vom Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung (IWH) stellt auf einer Pressekonferenz das gemeinsamen Frühjahrsgutachten der Wirtschaftsforschungsinstitute vor.
Oliver Holtemöller erklärt, dass nur ein Teil des Hilfspakets tatsächlich ausgezahlt wird. Bildrechte: dpa

Doch so gigantisch das klingt, real fließe weit weniger Geld, sagt Oliver Holtemöller vom Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung in Halle (IWH). "Man muss unterscheiden zwischen direkten Hilfen, wo der Staat unmittelbar eine Überweisung tätigt, und Garantien oder Bürgschaften." Der größte Teil des Geldes würde nämlich nicht direkt ausgezahlt, sondern als Garantie oder Bürgschaft zurückgehalten. Bezahlen müsste der Staat sie erst dann, wenn etwa ein Unternehmen, für das er gebürgt hat, Pleite geht.

Direkte Hilfszahlungen machen am Gesamtpaket nur rund 15 Prozent aus. Trotzdem muss sich Deutschland dafür neu verschulden.

Erhebliche Schuldenaufnahme

Claus Michelsen vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin erklärt, der Bund nehme für mehr als 150 Milliarden Euro neue Kredite auf und habe die Schuldenbremse außer Kraft gesetzt. "Noch bezahlen wir negative Zinsen. Es gibt genug Anleger, die uns Geld leihen. Das Spannende wird sein, wie der Markt reagiert, wenn wir noch mehr ins Minus gehen und viel höhere Schulden aufnehmen. Dann wird es irgendwann teurer." Und da wäre irgendwann ein Limit erreicht.

Die Anleger müssen vor allem Vertrauen haben, dass Deutschland die Kredite zurückzahlen kann. Wächst die Wirtschaft wieder, fällt das leichter. Trotzdem könnte es nach der Krise zu höheren Steuern für die Schuldentilgung kommen.

Debatte um Reichensteuer

Zur Debatte um eine "Reichensteuer" sagt etwa Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD): "Das kann ein Instrument sein. Ich denke, wir müssen solidarisch miteinander sein. Und Solidarität heißt, dass diejenigen, die mehr leisten können, dann auch mehr beitragen müssen. Denn es kann nicht sein, dass das auf den Rücken der Beschäftigten ausgetragen wird oder wir wieder Stellen kürzen in Bereichen, die dringend für uns notwendig sind – wie bei Lehrerinnen und Lehrern im öffentlichen Dienst, in Krankenhäusern, bei der Polizei."

Führen die Staatsschulden zu stärkerer Inflation?

Mancher Bürger befürchtet aber noch etwas anderes. Wenn jetzt die Staaten europaweit wegen Corona immer höhere Kredite aufnehmen: Kommt es dann zur Inflation?

Im Moment spricht nichts für eine Inflation. Wir haben in den vergangenen Jahren eine relativ starke Ausweitung der umlaufenden Geldmenge gesehen, ohne dass wir großartige Inflation beobachten würden.

Oliver Holtemöller, IWH

Beobachtungen, die man in den 70er- und 80er-Jahren gemacht hatte, könne man "nicht mehr so ohne Weiteres auf heute übertragen", sagt Holtemöller. Ein kleines Inflationsrisiko sieht er dann aber doch: Einige Produkte seien ja gerade knapp, würden aber trotzdem nachgefragt – Medizinprodukte zum Beispiel. Das fließe in die Berechnungen mit ein. Preissteigerungen gäbe es dann aber nicht, weil die Zentralbank Geld drucke, sondern weil knappe Güter einfach teurer würden.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 27. April 2020 | 06:26 Uhr

37 Kommentare

Klarheit vor 31 Wochen

....und einer der Grillgäste tot umgefallen und alle anderen auf der Intensivstation ?
in der Zeit sind wahrscheinlich schon tausend an Grippe gestorben , an Corona wahrscheinlich kein einziger - ich hatte den MDR mal gebeten zu recherchieren ob es in Sachsen auch nur einen gibt der wirklich "nur" an Corona gestorben ist ..... da kommt nix !
Ich hatte in einen Kommi auch darauf hingewiesen das alte Kranke aus den Pflegeheimen die palliativmedizinisch in Ihren letzten Wochen / Monaten begleitet wurden wären nun auf die Intensivstationen verfrachtet wurden um dort mit einen Schlauch im Mund einsam zu sterben .... dazu gibt es interessante Artikel von Palliativmedizinern die das kritisieren !

Peter vor 31 Wochen

Nö Kritiker, "Abwarten und Teetrinken" ist doch eher die Devise von Denen, welche hier die Maßnahmen der Bundesregierung kritisieren.
Das Kontrastprogramm: Die GroKo handelt. Sie bewahrt zum Beispiel über 2 Millionen Arbeitnehmer, welche Kurzarbeitergeld bekommen, vor der Arbeitslosigkeit.

Peter vor 31 Wochen

Ach Klarheit, "überzogene Schikanen"? Schauen Sie bitte über die Grenzen. Schauen Sie sich die Zahl der Toten in unseren Nachbarländern an.
Sie werden ganz schnell die Unterschiede zu Deutschland erkennen. Die "überzogenen Schikanen" haben wohl tausende Menschenleben gerettet.
Hier zum Thema eine aktuelle Meldung: "Nach einer Grillparty im Kreis Nordfriesland haben sich mehrere Menschen mit dem Coronavirus angesteckt. Drei der sieben Gäste wurden bereits positiv getestet, wie die Kreispressestelle in Husum am Montag auf Anfrage mitteilte." Dass die Gaststätten noch zu sind, hat Gründe. Manch Einer nennt das "Schikane".