Frachtverkehr Corona-Folgen: Lkw-Fahrer in der Krise

Auch sie gehörten während des Shutdowns zu den Helden der Corona-Krise: die Lkw-Fahrer. Denn, als sich Grenzen schlossen, Flüge ausfielen, sorgten sie dafür, dass die Supermärkte trotzdem gut gefüllt waren, dass Unternehmen weiterhin ihrer Rohstoffe erhalten haben. Doch binnen weniger Wochen sind aus den Helden Verlierer geworden. Im Frachtverkehr wird derzeit mit Dumpingpreisen um jede Fuhre gekämpft.

Auf der Moseltalbrücke der A61 herrscht reger LKW-Verkehr.
Vom Held zum Verlierer – die Lkw-Fahrer befinden sich in der Krise. Bildrechte: dpa

Als das Coronavirus nach Deutschland kam, begann Lars Franke zu telefonieren: Er suchte neue Kunden. Normalerweise transportiert seine Firma Helo Logistik aus Weißenfels Eisenguss, Baumaterial, Maschinenteile. Doch dem Spediteur war klar: Wenn ganze Volkswirtschaften herunterfahren, wird das kaum jemand brauchen.

Alternativen mussten her. Und die gab es auch, weil die Deutschen hamsterten: "Durch diese Klopapiergeschichte, durch diese Lebensmittelgeschichte, hatten auf jeden Fall die ganzen Lebensmittelhersteller mal richtig viel zu tun. Das hat irgendwo geholfen. Das waren mal zehn Tage lang richtig Stress. Und da sind auch alle gefahren. Es wurde viel gemacht. Aber nach den zehn Tagen waren die Läden voll."

Spediteure in der Krise

Seitdem, sagt Franke, sei seine Branche in der Krise. Die Industrieproduktion lahmt vielerorts noch immer. Es gibt weniger zu fahren als früher. Und das drückt auf die Preise. Manche Fuhre bringe derzeit nur die Hälfte dessen, was vor der Krise gezahlt wurde, sagt Dirk Engelhardt, Geschäftsführer vom Bundesverband Güterverkehr, Logistik und Entsorgung.

Die Stimmung sei schlecht: "Es kann in unseren Augen nicht sein, dass die Leute, die in der Krise gefeiert worden sind und dafür gesorgt haben, dass die Supermarktregale voll bleiben, dass sprichwörtlich das Toilettenpapier verfügbar ist, jetzt die Leidtragenden der Krise sind, weil die Frachtpreise dermaßen in den Keller gegangen sind, dass man stellenweise unter den Produktionskosten operieren soll."

Appell an Auftraggeber

Der Verbandschef appelliert an die Solidarität der Auftraggeber. Sie sollen den Speditionen faire Angebote machen. Tatsächlich stehen viele Lkw auch Wochen nach dem Lockdown noch herum, bestätigt Frank Huster, Geschäftsführer des Deutschen Speditions- und Logistikverbandes.

Und als die Firmen die Fahrzeuge abmelden wollten, um Geld zu sparen, habe der Staat es ihnen nicht leicht gemacht. "Da waren die Versicherungen sehr flexibel. Man hat der Versicherung gesagt, wir melden jetzt 20 Fahrzeuge ab. Und dann wurde keine Prämie mehr erhoben, ohne dass es darüber einen Nachweis gab. Die KfZ-Steuer musste weiter gezahlt werden, weil es technisch nicht möglich war, die Fahrzeuge abzumelden. Die Kfz-Zulassungsstellen waren geschlossen aus Corona-Gründen und digital war es nicht möglich."

Pharmaprodukte gehen wieder, Autos nicht

Auf Achse sind nun vor allem Spediteure, die Pharmaprodukte liefern, Getränke, Lebensmittel. Auch Bauteile gehen wieder. Schwierig ist es nach wie vor für all jene, die für Autozulieferer oder die Schwerindustrie fahren.

Auch der Weißenfelser Unternehmer Lars Franke will seine Firma deshalb breiter aufstellen. "Das Planengeschäft, also da, wo sich die meisten Fahrzeuge tummeln in Deutschland, das werden wir nicht weiter vorantreiben, wie wir das bisher getan haben. Weil dort einfach die Konkurrenz viel, viel zu groß ist. Wir werden versuchen, mit Spezial-Equipment unser Geschäft zukünftig zu machen, weil wir dort nicht so vergleichbar sind wie mit einem Spediteur aus Budapest zum Beispiel."

Eine Idee, sagt Franke, habe seiner Firma in der Krise besonders geholfen. Er und seine 34 Mitarbeiter transportieren jetzt Klärschlämme – also das, was nach der Abwasserreinigung übrig bleibt. Dieses Geschäft, ist Franke überzeugt, geht immer.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 19. Juni 2020 | 06:05 Uhr

3 Kommentare

ElBuffo vor 13 Wochen

Naja, wenn schon weniger unterwegs sind, dann könnten doch wenigstens Polizei und BAG mal ein bißchen den Kontrolldruck erhöhen und dann auch gleich Strafen verhängen, die wehtun. Dürfte dann auch etwas entlastend auf jene wirken, die sich an die Regeln halten.

Zeitgeist vor 13 Wochen

Ich könnte schreiben, was geht mich fremdes Elend an. So denken in der Regel viele Politiker.
Bevor hier wieder ein paar Leute schlau reden.
Mein Umsatz im März 100,00 €, im April knapp 900,00 €, im Mai NULL!
Bis heute noch keine Antwort vom Freistaat Sachsen, ob dieser wenigstens meine
Krankenkasse- Beiträge übernimmt.

H.E. vor 13 Wochen

Das glaube ich sofort, daß LKW-Fahrer wie auch Busfahrer von privaten Busunternehmern in der Krise sind.
Aber ist dies nicht der Wunschtraum vom GRÜNEN-DREAMTEAM Baerbock und Habeck und vielen anderen Grünen, so gut wie keine Busse und LKW's auf den Straßen?