Gastronomie Betriebsausfall wegen Corona: Versicherung vieler Gastwirte greift nicht

In der Corona-Krise sind viele Gastronomen trotz Versicherung gegen Betriebsausfall nicht abgesichert. Der Gesamtsverband der Versicherer teilte MDR AKTUELL mit, die Versicherung greife nicht, wenn Behörden ein Restaurant nur präventiv schließen. Viele Versicherer seien aber kompromissbereit.

Ordner mit der Aufschrift "Versicherungen"
In ihren Versicherungsordnern haben einige Gastwirte sogenannte Betriebsschließungsversicherungen gefunden. Die wollen sie in der Covid-19-Pandemie geltend machen. Bildrechte: dpa

Seit dreißig Jahren betreibt Jörg Naumann mit seinem Bruder ein kleines Hotel mit Restaurant in Burgstädt. Ein historischer Altbau am Markt. Auf der Karte stehen Rostbrätl, Sauerbraten und Beefsteak. Nur Gäste kommen keine mehr, seit die Behörden Corona eindämmen wollen.

Naumann dachte, er habe vorgesorgt: "Wir haben eine Betriebsschließungs-Versicherung abgeschlossen, die uns vor solchen Geschichten, wie sie jetzt passiert ist, eigentlich bewahren soll. Und da gibt es jetzt einigen Ärger: Die Versicherer weigern sich, die ganze Versicherungssumme zu bezahlen."

Viele Versicherer wollen Schäden nicht ersetzen

Bundesweit besitzt geschätzt jeder fünfte Gastwirt eine solche Versicherung. Die Verträge sind höchst unterschiedlich. Allgemein lässt sich sagen: Schließen die Behörden einen Betrieb, wird ein vereinbarter Tagessatz fällig.

Doch kaum ein Versicherer ist bereit, in der Corona-Pandemie diese Summen zu bezahlen. Auch Naumanns Versicherer, die Signal Iduna, argumentiert, es läge ein Missverständnis vor. Ihr Pressesprecher Edzard Bennmann sagt dazu: "Die Betriebsschließungs-Versicherung ist ein Baustein der Gewerbeversicherung und versichert das Risiko, dass ein Betrieb beispielsweise wegen eines Norovirus oder wegen eines Salmonellen-Befalls für zwei bis drei Wochen geschlossen werden muss. Dann wird der Betrieb gereinigt und wieder eröffnet." Wenn alle Betriebe rein präventiv schließen, greife die Versicherung nicht, sagt Bennmann. So argumentiert auch der Gesamtverband der Versicherer.

Kompromiss-Angebot für teilweisen Schadenersatz

Doch so eindeutig ist die Sache offenbar nicht. Denn auf Anraten des bayerischen Wirtschaftsministeriums haben viele Versicherungen einen Kompromiss angeboten: Sie würden ihren versicherten Wirten 15 Prozent der Schadenssumme begleichen.

Das klingt wenig. Doch es sei ein faires Angebot, schreibt der Gesamtverband der Versicherer an MDR AKTUELL: "Wirtschaftliche Einbußen werden teilweise bereits durch staatliche Leistungen aufgefangen bzw. bestimmte betriebswirtschaftliche Aufwendungen fallen derzeit nicht an. Offiziellen Berechnungen zufolge haben sich Betriebsaufwände im Gaststätten- und Hotelgewerbe durch Maßnahmen wie Kurzarbeit und Soforthilfen im Durchschnitt bereits um rund 70 Prozent reduziert."

Damit blieben nur rund 30 Prozent Schaden, heißt es vom Gesamtverband der Versicherer, die Hälfte würden die Versicherer übernehmen.

Zwei Optionen für Gastwirte

Tausende Wirte erhalten in diesen Tagen solche Angebote. Nehmen sie an, verzichten sie auf weitere Ansprüche gegen ihre Versicherung. Axel Klein, Geschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) Sachsen, mahnt zur Vorsicht:

Wir würden auf alle Fälle jedem Wirt raten, seine Versicherung durch einen Anwalt prüfen zu lassen.

Axel Klein Geschäftsführer des Dehoga Sachsen

Für Alexander Klein gibt es dann zwei Wege: "Ein Weg ist es, zu klagen. Und den werden wir in Zukunft auch unterstützen. Das heißt, [jeder Gastwirt] kann jetzt seine Versicherung einreichen und die wird von uns kostenfrei geprüft." Auch auf eine mögliche Klage vor Gericht. Der andere Weg wäre, den Kompromiss anzunehmen, sagt Klein weiter.

Gastwirt Naumann bekam von der Signal Iduna sogar 25 Prozent der Schadenssumme angeboten. Und doch hadert er. Denn in seinem Vertrag steht eindeutig, dass der Versicherungsschutz greift, wenn die zuständige Behörde den Betrieb schließt, um die Verbreitung einer meldepflichtigen Krankheit zu verhindern. "Mehr steht da nicht drin. Und der Fall ist eingetreten. Corona ist eine meldepflichtige Krankheit. Der Beitrag ist bezahlt – zu 100 Prozent und nicht zu 25 Prozent. Und so bilden wir uns ein, Anspruch auf die volle Summe zu haben." Andererseits, sagt Naumann, benötige er das Geld jetzt. An einer langwierigen Klage habe er kein Interesse. Bis Mitte Mai muss er sich entscheiden.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 30. April 2020 | 07:10 Uhr

5 Kommentare

Querdenker vor 44 Wochen

siehe „lto Brechen die Versicherer in der Krise ihre Leistungsversprechen?“

„… So kommt ein Gutachten des früheren Vorsitzende Richter am Münchener Oberlandesgericht und Honorarprofessors der Uni München, Walter Seitz, auf Basis einiger Allgemeiner Versicherungsbedingungen zu dem Schluss, "dass der Anspruch auf Zahlung der Versicherungssumme bei Betriebsschließungsversicherungen wegen der Untersagung der Öffnung von Gaststätten grundsätzlich uneingeschränkt besteht". ...“

Wundert mich überhaupt nicht. Der Einzelfall ist aber zu prüfen.

Gibt übrigens auch schon einzelne Versicherer die leisten.

Querdenker vor 44 Wochen

Zitat: „Wenn alle Betriebe rein präventiv schließen, greife die Versicherung nicht, sagt Bennmann.“

Das ist einfach nur eine Meinung von einem Versicherer. Wenn er das nicht konkret mit den Versicherungsbedingungen untermauern kann, sodass es der - durchschnittliche Kunde – versteht, dann ist das bedeutungslos. Da müsste dann also z.B. was von „Krankheitsausbruch“ in dem versicherten Betrieb als Versicherungsfall drin stehen. Das scheint aber bei vielen Versicherern so nicht zu sein. Wenn der Versicherer sein Risiko an der Stelle begrenzen will, dann muss er es denke rein schreiben.

Zu aufgeführten Krankheiten: Wenn da auch auf das Infektionsschutzgesetz verwiesen wird, dann ist es so, dass sich dieses ändern kann. Da können dann halt neue Krankheiten dazukommen. Wenn der Versicherer das nicht möchte, dann müsste er das rein schreiben (z.B. IfSG Fassung 2010).

Es kommt auf jedes Wort an.

Für mich als Laie sieht es so aus, als wenn viele Versicherer die schlechteren Karten haben.

Critica vor 44 Wochen

Es ist aber nicht neu, dass sich Versicherungen meist wegducken, wenn Sie einmal für einen Schaden aufkommen sollen - in allen Bereichen des Lebens, nicht nur in Corona-Krisen-Zeiten.
Schaut genau, wenn Euch mal wieder ein Versicherungsfritze oder -fritzin einen Besuch abstatten will. Nicht alles, was Sie anpreisen, ist auch wirklich sinnvoll.