Urlaub in der Pandemie Deutsche buchen überwiegend kurzfristig

Je mehr Regionen und Länder coronabedingt von der Bundesregierung mit einer Reisewarnung versehen werden, desto größer werden die Sorgen der ohnehin schon schwer gebeutelten Tourismusbranche – gerade mit Blick auf die anstehende Herbstsaison. Wie steht es um die Reiselust der Deutschen?

ARCHIV - 21.04.2020, Berlin: Eine Passantin mit Mund-Nasenschutz geht an einem Reisebüro vorbei.
Die Tourismusbranche kann Verluste nicht mit Inlandsreisen ausgleichen. Bildrechte: dpa

Die Lust zu Reisen dürfte bei vielen Menschen im Land ungebrochen sein. Aber auch in der derzeitigen Situation? Eine kurze Umfrage in Leipzig zeigt, dass viele das Risiko als hoch einschätzen, sich selbst oder andere anzustecken. Zumindest müsse man sich vor einer Auslandsreise informieren.

Bundesweiter Trend zu kurzfristigen Buchungen

Insgesamt halten sich die Bewohner der Messestadt bei ihren Urlaubsplänen sehr zurück. Das berichtet Sabine Hornig, die ein Reisebüro in der Leipziger Südvorstadt führt. Viele hätten ihre gebuchten Reisen storniert, sagt sie. Wenn gebucht werde, dann sehr kurzfristig. Aber auch da sei die Unsicherheit groß. Das Problem an neuen Buchungen sei vor allem die Unsicherheit der Kunden bezüglich der Quarantäne nach der Reise: "Die Arbeitgeber machen natürlich auch Druck. Alle sind verunsichert. Muss ich in Quarantäne für 14 Tage? Bekomme ich Geld in dieser Zeit? Wie geht’s weiter? Und das ist die totale Verunsicherung unter den Kunden", sagt Hornig.

Den Trend hin zu kurzfristigen Buchungen gibt es dem Deutschen Reiseverband zufolge bundesweit. Die deutschen Reisebüros und Reiseveranstalter sind also mehr oder weniger im Blindflug in Richtung Herbst unterwegs. Verbandssprecher Torsten Schäfer stellt fest, dass die Lage sehr volatil ist: "Sehr spontan werden Risikogebiete ernannt, so dass man eine Planungssicherheit sowohl auf Seiten der Kunden als auf Seiten der Reisewirtschaft überhaupt nicht hat."

Kein Plus für deutsche Tourismusbranche

Die hiesige Reisewirtschaft habe in diesem Jahr bislang schon 20 Milliarden Euro Verlust gemacht, Tendenz steigend, sagt Schäfer. Gemessen am Vorjahr fehlten rund zwei Drittel an Umsatz.

Die wachsende Zahl der Risikogebiete im Ausland könnte viele Deutsche wieder dazu bewegen, Urlaub vor der Haustür, im eigenen Land, zu machen. Der Deutsche Tourismusverband, DTV, macht sich aber keine Hoffnungen, dass man die bisherigen Verluste mit einheimischen Urlaubern auch nur annähernd ausgleichen könne. Denn auch wenn es vielleicht einen anderen Anschein gehabt habe, sei der Sommer für die deutsche Tourismusbranche kein Plusgeschäft gewesen. DTV-Geschäftsführer Norbert Kunz zufolge gab es allein zwischen Januar und Juni 2020 105 Millionen weniger Gästeübernachtungen als im Vorjahreszeitraum. "Und das zeigt schon, wie dramatisch die Situation auch bei vielen Akteuren im Deutschlandtourismus ist", betont Kunz.

Immerhin: Die Kunden der Leipziger Reisebürobetreiberin Sabine Hornig buchen inzwischen vorwiegend Inlandsreisen. Aber auch da, sagt Hornig, seien wegen des Infektionsgeschehens in Deutschland viele unsicher, wohin man überhaupt noch ohne Bedenken reisen könne.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 25. September 2020 | 05:53 Uhr

10 Kommentare

Kritische vor 4 Wochen

Genau. Die Leute, die sich daneben benehmen oder ständig mit anderen Leuten treffen, auf Parties gehen etc. machen das auch zu Hause. Wir leben sehr zurückgezogen mit Kind, treffen uns eigentlich mit gar keinem in der Wohnung und das Kind trifft sich nur mit ihren zwei, maximal 3 Freundinnen, aber auch hier nicht mit allen auf einmal. Busreisen würden wir auch nicht machen, Familienfeiern in solchem Ausmaß gibt es bei uns nicht. Wir waren zur Schuleinführung eingeladen, sind aber nicht hingegangen, da wir etwas erkältet waren. Bei der Feier war dann nur eine Oma und ein Opa und sie waren im Wald bzw. auf dem Spielplatz und nicht in geschlossenen Räumen. Sobald sich einer kränklich fühlt, bleibt er zu Hause. Mit ein wenig Augenmaß kann man sich zu Hause gut bewegen und im Urlaub auch. Sollte allerdings eine offizielle Reisewarnung ausgesprochen werden, stornieren wir selbstverständlich, notfalls über einen Anwalt, auch wenn das anstrengend und nervig wird.

wer auch immer vor 4 Wochen

So ist es ja nun mit Corona auch nicht, das man keinen Urlaub machen kann.
Es kommt natürlich darauf an was man als Urlaub benötigt. Strand, Wasser AI usw. oder nur Bewegung in der Natur, Ruhe genießen.
Wir waren im Urlaub, in D, wandern. Als Beispiel: über 8 Tage mit 7 Etappen auf dem Rennsteig.
Keine Leute, kein Corona und dafür Ruhe, Natur. Wichtig: nach der Tagestour keine Nachrichten schauen. Anstrengend und doch entspannend.


pkeszler vor 4 Wochen

"Man muss jeden Einzelfall sehen." Wer schon um die 80 Jahre ist, wird nicht mehr in ein Risikogebiet reisen, denn da weiß man nicht, ob die gesundheitliche Betreuung wie in Deutschland ist.