Corona-Krise Flaute bei Messebau, Gastgewerbe und in der Auto-Industrie

Eigentlich müsste Leipzig in den kommenden Tagen eine rappelvolle Stadt sein. Denn offiziell sollte am Donnerstag die Leipziger Buchmesse beginnen. Doch die Messe wurde, wie viele andere Veranstaltungen auch, wegen der Corona-Epidemie abgesagt. Der Schaden für die Wirtschaft ist groß. Auch in Mitteldeutschland sind mehrere Branchen von der Corona-Krise betroffen.

Die leere  Glashalle der Leipziger Messe.
Das Leipziger Messemännchen bleibt in diesem Jahr der einzige "Besucher" auf der Leipziger Buchmesse. Bildrechte: dpa

Es gibt gerade nicht viel zu tun in der Werkstatt von Michael Jakubek. Ein Mitarbeiter sägt Holzleisten zu. Der Firmenchef steht derweil zwischen Paletten fertiger Ware, die keiner mehr haben will. Jakubeks Unternehmen LÜCO baut Messestände. Er hat für die Internationale Tourismus-Börse Berlin gebaut und für die Buchmesse Leipzig. Da beide Messen ausfallen, fehlen ihm nun die Einnahmen.

Als erste Maßnahme habe man Kündigungen aussprechen müssen, sagt Jakubek. Dann, dass Bezahlungen an Lieferanten gestoppt worden seien. "Die Corona-Krise, wenn sie nicht in kürzester Zeit politisch abgefedert wird, wird dazu führen, dass über kurz oder lang eine Insolvenz ins Haus steht", sagt der Unternehmer. Seine acht verbliebenen Mitarbeiter schickt Jakubek erst einmal in Kurzarbeit.

Flaute bei Dienstreisen sorgt für Einbußen im Gastgewerbe

Auch im Tourismus stehen bereits Jobs auf der Kippe. Nach einer Umfrage des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes verzeichnen schon jetzt 77 Prozent der Mitgliedsunternehmen in Sachsen Umsatzeinbußen wegen abgesagter Messen und Großveranstaltungen. Und die kommenden Monate werden schwierig, sagt Axel Ehrhardt, Sprecher der Leipziger Hotel Alliance.

Im Moment sei in den Unternehmen Vorsicht angesagt, beobachtet Ehrhardt. Es würden kaum noch Dienstreisen und Tagungen durchgeführt. Meetings würden entweder verschoben oder "über Video" veranstaltet. "Wenn jetzt Veranstaltungen mit 5.000 oder 10.000 Teilnehmern abgesagt werden, das kannst du nicht kompensieren. Dieser Umsatz ist unwiederbringlich verloren", sagt Ehrhardt.

Auto-Industrie erhält weniger Bauteile aus China

Auch Sachsens Auto-Industrie beginnt, die Auswirkungen der Corona-Krise zu spüren. Grund sei die Erkrankungswelle in China, erklärt Jens Katzek, Geschäftsführer des Automobilclusters Ostdeutschland. Man habe eine globalisierte Wirtschaft. Das heiße, viele Teile kommen von Zulieferern aus China nach Deutschland.

Und wenn die nicht mehr produzieren würden, dann gebe es ein Problem, sagt Katzek. "Wir haben derzeit einen Puffer von etwa sechs Wochen, weil ganz viele Teile mit dem Schiff transportiert werden. Aber wenn sie dort nicht mehr produzieren, dann fehlen hier die Teile." Selbst ein Auto, bei dem nur der Tankdeckel fehle, könne nicht ausgeliefert werden.

Zulieferer fahren Produktion nur langsam wieder hoch

Im Januar und Februar standen im chinesischen Wuhan die Autofabriken still. Dieser Produktionsstopp macht sich nun langsam bemerkbar. Das Netzwerk der Automobilzulieferer Sachsen (AMZ) macht derzeit eine Umfrage. Ein Teilergebnis liegt MDR Aktuell schon vor. Demnach sagen 14 von 61 Zulieferern, sie würden bereits Lieferengpässe spüren, 18 erwarten Lieferengpässe für die Zukunft.

Es gebe aber auch einen Lichtblick, sagt AMZ-Netzwerkmanager Dirk Vogel. In China gehe die Zahl der Neuinfizierten drastisch zurück: "Wir kennen Zulieferer, die jetzt in diesen Tagen ihre Produktion wieder hochfahren, erstmals in diesem Jahr. Die berichten aber, dass sie nicht das vollständige Personal vor Ort haben". Aufgrund von Schutzmaßnahmen wie Quarantäne fahre die Produktion nur langsam wieder hoch. Das betreffe im Wesentlichen die Region Wuhan, wo diverse Automobilhersteller und Zulieferer sitzen, erklärt Vogel.

Vogel hofft, dass die Autobranche mit einem blauen Auge davonkommt. Voraussetzung: Das Virus breitet sich in Europa nicht noch stärker aus. Messebauer Jakubek will versuchen die Zeit abgesagter Messen durch andere Aufträge zu überbrücken. Er will vermehrt Möbel für private Kunden bauen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 11. März 2020 | 05:00 Uhr

15 Kommentare

Norbert 56 NRW vor 28 Wochen

Zum Teil wurde es kompensiert aber 2 Insolvenzen innerhalb von 5 Jahren hatten Ihr übriges dazu beigetragen das viele nie mehr Fuß gefangen haben. Betriebsrente weg, 3 Monate kein Gehalt bis Banken einsprangen, keine Abfindung etc.etc. da ist mein Glaube an vielem flöten gegangen. Natürlich haben viele neue Jobs, aber die Verbitterung war schon gross. Im Westen brauchte es keine Treuhand das haben andere Aasgeier so hinbekommen. Und der
Autoindustrie insbesonders VW war es völlig egal, Hauptsache billig deshalb hält sich mein Mitleid mit der Großindustrie in Grenzen. Hier in D betreibt man einen Ausverkauf an Fertig und Fähigkeiten die nie mehr gut zu machen ist. Das war Jahrzehnte unsere Stärke und wird mit der Generation der 70/80er irgendwann einfach verschwinden.

CrizzleMyNizzle vor 28 Wochen

Einer meiner Freunde betreibt auch einen Messebau, der hat extrem zu schlucken. Alle seine Aufträge für die kommenden Monate sind mehr oder weniger storniert und er kuckt nun in die Röhre ... da will man nicht mit ihm tauschen, auch Rücklagen halten ja nicht ewig.
Man kann nur hoffen wenn es dann wieder losgeht, dass einiges nachgeholt wird und somit doch noch Gelder im Umlauf sind die gerade zurückgehalten werden (müssen).

CrizzleMyNizzle vor 28 Wochen

"unendlich viel Geduld", klang aber gestern bei Ihnen anders in Bezug auf Altenheime. Da war ja mein Standpunkt dass man die Verwandten am besten für eine Zeit x nicht besucht (also alle Seiten Geduld haben sollen).

Generell stimme ich Ihrem heutigen Kommentar zu.