Wirtschaft in der Corona-Krise Coronakrise sorgt für negative Preise an der Strombörse

Das Coronavirus lähmt die deutsche Wirtschaft: die Industrieproduktion ist stark gedrosselt, Restaurants und Geschäfte sind geschlossen und in Bürogebäuden herrscht gähnende Leere. Das wirkt sich auch deutlich auf den Stromverbrauch in Deutschland aus: Der ist gesunken und die Preise an der Strombörse gleich mit. Und dort verstärkt Corona offenbar einen Trend aus dem vergangenen Jahr: Minuspreise. Aber haben wir als Verbraucher auch etwas von dem billigen Strom?

Stromzähler
Im Homeoffice steigt der Stromverbrauch. Die stillgelegte Industrie kann das aber nicht ersetzen. Bildrechte: imago images/Winfried Rothermel

Seit Beginn der Corona-Krise ist der Stromverbrauch in Deutschland moderat gesunken, mit Einführung der Kontaktverbote dann deutlich: In der vergangenen Woche ist fast zehn Prozent weniger Strom verbraucht worden als noch Anfang März. Das hat Auswirkungen auf den Strompreis an der Strombörse – die Preise im Großhandel sinken. Und zwar so stark, dass sich einem Bericht der taz zufolge ein Trend aus dem vergangenen Jahr verstärkt: Minuspreise.

Solche negativen Preise ergeben sich, wenn ein hohes Angebot aus Wind- und Solarstrom auf einen geringeren Verbrauch trifft, aber gleichzeitig die konventionellen Kraftwerke ihre Leistung nicht reduzieren.

So hätten die deutschen Atomkraftwerke bei den jüngsten Minuspreisen am Sonntag noch immer 60 Prozent ihrer Höchstleistung gefahren. Bis Ende März habe es 130 Stunden mit negativen Preisen gegeben. Im vergangenen Jahr seien das noch 90 Stunden gewesen.

Homeoffice ersetzt nicht Industrie

Dabei ist der Stromverbrauch dem Branchenverband BDEW zufolge weniger stark eingebrochen als in anderen europäischen Ländern. Demnach lag der Verbrauch in Italien 30 Prozent unter dem des Vormonats und in Frankreich, Spanien sowie den Niederlanden rund 20 Prozent. Der erhöhte Stromverbrauch der privaten Haushalte etwa durch die Arbeit im Homeoffice und an Internetknoten und Rechenzentren kann den Stromverbrauch der Industrie nicht kompensieren, heißt es vom BDEW.

Dem Endverbraucher nützt der Preisverfall an der Strombörse wenig: Die meisten Anbieter haben feste Preise in ihren Verträgen vereinbart. Bei einigen günstigen Anbietern sei der Tarif aber um durchschnittlich drei Prozent gesunken. In anderen Ländern sind die Tarife flexibler – wie etwa in Großbritannien: Dort bekamen Kunden eines Stromanbieters dem Guardian zufolge sogar Geld dafür, dass sie Strom verbrauchten – umgerechnet bis zu vier Cent pro verbrauchter Kilowattstunde.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 07. April 2020 | 10:18 Uhr

3 Kommentare

Gerd Mueller vor 7 Wochen

"Gelingt uns das Prinzip 'weniger', wenn wir dadurch das Klima lebensfähig erhalten? Das klingt gut, aber eher wird das Gegenteil der Fall sein. Viele Menschen spüren jetzt am eigenen Leibe, wie sehr sie ihr Verhalten verändern müssen, um auch nur ein bisschen zu bewirken. Und viele werden [wenn es später um den Klimaschutz geht] entscheiden, dass sie nicht bereit sind, dieses Opfer zu bringen. ... Eine Strategie, die Lösung des Klimawandel-Problems nur von einer Verhaltensänderung der Menschen zu erwarten, ist zum Scheitern verurteilt."

kleinerfrontkaempfer vor 7 Wochen

Strompreis = Staatliche Abgaben u. Steuern u. Steuern auf Steuern bis zum geht nicht mehr, dann noch etwas Herstellungs- u. Vertriebskosten.
Da wird der Kunde gemolken und abkassiert. Auf Ewig.

Gebrauchtmodell vor 7 Wochen

Logisch steigt der Energieverbrauch in den Haushalten, wenn jetzt viele zuhause bleiben. Da wird öfter was gekocht. Herd, Mikrowelle, Toaster, Kaffeemaschine und der Wasserkocher sind neben Computer fast ständig am Laufen. Warmwasser verbrauchen wir auch mehr und würden uns über sinkende Energiepreise freuen.