Warenverkehr Coronavirus: Auswirkungen auf die Logistik-Branche

Grenzen werden geschlossen, aus China kommt wegen der Corona-Epidemie kein Waren-Nachschub mehr, in Deutschland fehlen in vielen Firmen Mitarbeiter, weil diese ihre Kinder zu Hause betreuen – und doch sind die Supermarktregale noch weitgehend gefüllt, noch können Firmen produzieren. Möglich machen das Logistik-Unternehmen, die in der Krise viel intensiver als sonst neue Lieferwege erschließen, Sonderschichten schieben und Waren transportieren. Wie lange halten sie das noch durch?

Lastwagen stehen an der Autobahn.
Trotz Corona kam es bisher zu keinen größeren Lieferengpässen. Bildrechte: dpa

Mit Logistikern ist es wie mit IT-Experten: Wie wichtig sie sind, merkt man erst, wenn es mal nicht rund läuft. In der Corona-Krise kommt es auf die Logistikfirmen nun besonders an. Schaffen sie es, die Supermärkte weiter zu beliefern? Können sie für fehlende Waren Ersatz beschaffen? Halten die Lieferketten?

Klaus-Dieter Bugiel leitet die Firma Fox Courier in Schkeuditz. Sein Versprechen: Transporte europaweit, schnell, pünktlich. Doch das einzulösen, wird schwieriger. "Wir haben viel mehr Telefonate zu absolvieren, wir haben viel mehr Absprachen zu treffen, um Verzögerungen zu minimieren", erzählt Bugiel und ergänzt:

"Da sich stündlich auch immer wieder etwas ändern kann. Besonders interessant wird für uns aber nun der grenzüberschreitende Verkehr, da wir noch nicht genau wissen, welche Auswirkungen die geschlossenen Grenzen auf unsere Abläufe haben werden."

Verzögerungen durch Grenzschließungen

In der Nacht zu gestern hat Deutschland seine Grenzen geschlossen. Der Warenverkehr darf zwar passieren, doch wegen der Kontrollen kommt es derzeit zu kilometerlangen Staus. Lieferungen verzögern sich. Wenn man das vorher weiß, lässt sich das einplanen. Doch vieles ist auch unkalkulierbar, sagt Frank Huster, Geschäftsführer im Bundesverband Spedition und Logistik.

Niemand wisse, wie viele Mitarbeiter sich anstecken und dann ausfallen. "Luftfrachtkapazitäten sind zudem durch zahlreiche Flugstreichungen dezimiert. Es gibt sozusagen kaum noch Frachtraum in Flugzeugen. Und schließlich gibt es auch firmeneigene, teilweise irrationale Restriktionen: Lkw-Fahrer werden beispielsweise als externe Bedrohung gesehen, sodass die Warenablieferung schwierig wird", sagt er.

Sonntagsfahrverbot für Lkw gelockert

Immerhin: Die Bundesregierung lockert in der Krise das Sonntagsfahrverbot für Lkw. Das allein helfe aber nicht viel, sagt Huster: "Die Aufhebung des Sonntagsfahrverbots hilft nur dann, wenn Fahrer sonntags auch arbeiten dürfen, die Lenk- und Ruhezeiten flexibler gehandhabt werden und der Handel Waren auch am Sonntag annimmt."

Bleiben die Supermärkte gefüllt?

Noch halten die meisten Lieferketten. Das Beispiel Italien zeigt, dass selbst im landesweiten Ausnahmezustand Supermärkte gefüllt werden können. Und trotzdem wird Corona viele Firmen zum Umdenken bewegen, sagt Carsten Knauer vom Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik:

"Meiner Hoffnung nach, und nach ersten Gesprächen, die ich geführt habe, wird sich auf jeden Fall ändern, dass Unternehmen Lager aufbauen. Wenn man einen ausreichend großen Lagerbestand hat, kann man sich daraus bedienen und fällt nicht sofort in das Produktionsloch, weil zugesicherte Mengen nicht regelmäßig und wie vereinbart kommen."

Große Warenlager, vielleicht auch ein vertraglich gebundener Ersatzlieferant – so etwas galt lange nur als unnötiger Kostenfaktor. Doch mit Corona wird vieles neu bewertet. Nach der Krise werden viele Lieferwege womöglich generell verkürzt.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 17. März 2020 | 05:00 Uhr

13 Kommentare

Critica vor 15 Wochen

Crizzle, Sie machen sich schon wieder Gedanken um Dinge, die Sie nichts angehen und die Sie nicht ändern können. Wenn Sie etwas Gutes tun wollen, dann schauen Sie, wie es Ihren alten Nachbarn geht, ob sie etwas brauchen und ob sie mit der neuen Situation gut zurecht kommen.
Alles, was ansonsten mit Corona zu tun hat, ist Aufgabe der gewählten Volksvertreter.

Critica vor 15 Wochen

Ja Crizzle, aber ist es nicht auch Aufgabe von Journalisten, den Menschen mal etwas Schönes zu vermitteln. Es passiert auch in schlechten Zeiten Schönes... Falls Sie sich noch an Zeiten erinnern, in denen es nicht so viele unterschiedliche Medien gab, da gab es am Abend eine Tagesschau und gut war's. "Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß..." sagt ein Sprichwort. Und wir müssen nicht gleichen jeden Pups mitgeteilt bekommen, den gerade ein Eisbär am Nordpol lässt... Ganz sicher nicht.

CrizzleMyNizzle vor 15 Wochen

"Problematisch dabei ist ,die Bahn ist zu teuer."
auch ist es zu unflexibel. Bei gleichartigen Ladungen passt das sicher auch (Stahlrollen zum Bsp). Da ist Zug einfach sehr gut.

Nur wie soll ein Netto LKW, welcher ja sehr gemischt ist, über einen Zug abgewickelt werden?