Coronavirus Folgen für die Wirtschaft: Des einen Leid ist des anderen ...

Die Auswirkungen des Coronavirus werden immer größer: Bundesliga-Geisterspiele, Quarantäne, Reiseverbote und Probleme für die Wirtschaft. Aber in jeder Krise gibt es auch Profiteure. In der Corona-Krise könnten das Klopapier-, Konserven- und Nudel-Produzenten sein. Das liegt zumindest nahe, wenn man sich die gähnende Leere in manchen Regalreihen der Supermärkte ansieht.

Lücken im Regal mit Konservendosen
Vor allem Konserven und länger haltbare Lebensmittel sind bei Hamsterkäufen beliebt. Bildrechte: dpa

Krisengewinner möchte sich niemand nennen lassen, weder in der Lebensmittelbranche noch bei den Herstellern von Toilettenpapier. Die Produktionsfirmen lehnen Interviews reihenweise ab. So etwa die WEPA-Papierfabrik in Leuna oder Teigwaren Riesa.

Bei der Fripa-Papierfabrik im bayrischen Miltenberg spricht man von einer "unguten Situation". Denn der Druck steige, bestätigt auch Gregor Andreas Geiger, Sprecher des Verbands Deutscher Papierfabriken:

Die Hersteller von Toilettenpapier verzeichnen natürlich eine erhöhte Nachfrage.

Gregor Andreas Geiger Sprecher des Verbands Deutscher Papierfabriken

Der Nachfrage würde man versuchen, so gut wie möglich gerecht zu werden, sagt Geiger weiter, dazu würden in Betrieben auch Sonderschichten eingelegt: "Grundsätzlich lassen sich Papiermaschinen aber nicht schneller oder langsamer einstellen, sodass es zu einem Lagerabbau bei den Herstellern kommt."

Hohe Nachfrage bei haltbarer Ware

Klar ist: Wer jetzt auf Vorrat kauft, bleibt als Käufer später aus. Keiner der Klopapier-Hersteller kann absehen, ob das in einigen Wochen oder Monaten zu Kurzarbeit oder gar Entlassungen führen könnte.

In der Lebensmittelindustrie stopfe die erhöhte Nachfrage nach haltbarer Ware, wie zum Beispiel Nudeln, dagegen gerade das Loch, das durch das neuartige Corona-Virus anderswo aufgerissen worden sei, sagt Stefanie Sabet, Geschäftsführerin der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie: "Wir nehmen in einigen Bereichen eine höhere Nachfrage wahr. Es gibt aber auch Bereiche, wo wir eine sinkende Nachfrage haben."

So ginge die Nachfrage im gesamten "Außer-Haus-Markt" zurück, sagt Sabet weiter, also der Markt, der die Gastronomie beliefere. Es sei ausgewogen: "Was an einigen Stellen wegbricht, erhöht sich an anderen Stellen."

Corona-Sorge größer als Absatzjubel

Einige Betriebe würden ihre Produktion hochfahren, erklärt Sabet, aber die Produktionskapazitäten seien endlich. Und die Ernährungsbranche sei eher von Corona-Sorgen als von Absatzjubel betroffen, betont Sabet: "Auch wir sind auf Lieferketten angewiesen, die mitunter aus anderen Ländern und Krisenregionen kommen. Das wird eher eine Problematik werden."

Sabet fragt sich indes, wie lange die Lieferwege und Produktionen da aufrecht erhalten werden könnten, wenn bestimmte Produkte und Zulieferprodukte fehlten: "Das ist, glaube ich, viel eher ein Thema."

Dass durch jetzige Hamsterkäufe später die Nachfrage nach Nudeln und Co. extrem einbrechen könnte, glaubt Stefanie Sabet nicht. Schließlich hätten nicht alle Bürger gehamstert. Und früher oder später, das gilt auch für Toilettenpapier, sind auch die Hamstervorräte wieder aufgebraucht.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 12. März 2020 | 07:38 Uhr

7 Kommentare

MDR-Team vor 21 Wochen

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Jan vor 21 Wochen

@jochen1 - bei so viel Kompetenz und Wissen - Warum werden Sie nicht Bundeskanzler und zeigen es uns allen. Oder geht es Ihnen nur darum einen Schuldigen zu finden auf dem man "einschlagen" kann. Fragen Sie in ihrer Gemeinde, wo sie sich angagieren können. Bringe Sie sich ein. Es wird jede Fachkraft gebraucht. Zeigen Sie uns, wie es besser geht!

Front vor 21 Wochen

@jochen1
Frau Merkel ist keine Staatratsvorsitzende sondern Bundeskanzler.
Desweiteren zeigte Italien was man alles falsch machen könnte und hier in Deutschland konnten man angemessen reagieren.
Bei allem Respekt, jochen1 - aus ihrer Position heraus ist es einfach zu schreiben was hätte wer warum und überhaupt usw - aber gerade solche Kommentare wie ihrer machen am Ende den von ihnen angeblichen vorgeführten Irrsinn nicht besser und verführt nur zu weiteren Unstimmigkeiten der Meinung des einzelnen über dieses Thema.