Alter Mann arbeitet mit einem Hobel.
Etwa 1,4 Millionen Ruheständler verdienen sich im Alter noch etwas hinzu. Bildrechte: dpa

"Rent a Rentner" Was Rentner mit Job beachten sollten

Arbeiten gehen trotz Rente - immer mehr Deutsche entscheiden sich dafür. Jeder Zwölfte verdient sich heute im Ruhestand etwas hinzu. Damit sich das aber auch rechnet, gibt es einiges zu beachten.

von Constanze Hertel, MDR AKTUELL

Alter Mann arbeitet mit einem Hobel.
Etwa 1,4 Millionen Ruheständler verdienen sich im Alter noch etwas hinzu. Bildrechte: dpa

Pensionär Vincent Rosch arbeitete früher bei der Feuerwehr. Heute gießt der Leipziger gegen Bezahlung Blumen und beschneidet Sträucher. Er hatte sich nach einem Nebenjob umgesehen.

Das geht ganz klassisch über Stellenanzeigen und Jobbörsen. Oft steht in den Angeboten gezielt, dass auch gerne Rentner genommen werden. Speziell auf Senioren ausgelegt ist das Jobportal "Rent a Rentner".

Dort fand auch Rosch seinen Minijob als Gärtner bei einer Hausverwaltung. Die Stelle sei unbefristet, erläutert Rosch, er könne sich die Arbeitszeit relativ frei einteilen. Im Großen und Ganzen sei er damit sehr zufrieden.

Zuverdienstgrenzen für Frühpensionäre und Rentner

Rosch ist 54 Jahre alt. Er wurde aus gesundheitlichen Gründen früher pensioniert als üblich und ist mehr als zehn Jahre von der Regelaltersgrenze entfernt. Das heißt: Er darf im Jahr nur 6.300 Euro hinzuverdienen. Wird dieser Wert überschritten, kann die Pension gekürzt werden. Monatlich wären damit bis zu 525 Euro Zuverdienst möglich - Rosch kriegt nur 450 Euro und macht damit trotzdem alles richtig, erklärt Rentenberater Peter Sack.

Bei einem Minijob kann man ja vereinbaren, dass der versicherungsfrei ist und dann ist der brutto gleich netto 450 Euro. Wenn jetzt 525 Euro vereinbart werden, kommen Sozialabgaben dazu und die Lohnsteuer.

Rentenberater Peter Sack

Immer mehr Rentner mit Minijob

Unter den Menschen mit 450-Euro-Job bilden Rentner laut Bundesagentur für Arbeit inzwischen die größte Gruppe. Auch Rentenberater Peter Sack bemerkt das gestiegene Interesse. Er sagt: Etwa die Hälfte seiner Kunden wolle weiterhin arbeiten, die anderen müssten sich was zuverdienen.

Typische Zuverdiener seien die tausenden kleinen Selbstständigen und Handwerker, die in den 90er-Jahren aus der Rentenversicherung ausgetreten seien und jetzt wenig Rente erhielten - also 500, 600 oder nur 700 Euro. Diese Leute könnten ihren Lebensunterhalt nicht bestreiten und gingen daher noch arbeiten.

Bei hohem Einkommen schlägt der Fiskus zu

Im vergangenen Jahr haben sich in Deutschland mehr als 1,4 Millionen Ruheständler Geld hinzuverdient - so viele wie noch nie. Dabei geht es nicht nur um Minijobs. Wer bereits Altersrente bekommt, darf unbegrenzt zuverdienen.

Es sei denn, derjenige bekommt auch Hinterbliebenenrente, da der Partner verstorben ist. Dann kann ein Teil dieser Hinterbliebenenrente abgezogen werden. Das lohnt sich schnell nicht mehr. Um möglichst viel von seinem Zuverdienst zu haben, rät Peter Sack zudem, unbedingt einen Steuerberater aufzusuchen.

Wer jetzt einen hohen Steuersatz hat und dann kommt noch die Rente dazu, dann ist die steuerliche Belastung doppelt so hoch.

Rentenberater Peter Sack

Spätere Rente zahlt sich aus

Um das zu vermeiden, entscheiden sich einige, nach der Regelaltersgrenze ein, zwei Jahre weiterzuarbeiten und in dieser Zeit noch nicht die Rente in Anspruch zu nehmen. Das hat einen doppelten Vorteil: Zum einen werden hohe steuerliche Abgaben vermieden. Zum anderen wird für jeden Monat ein halber Prozentpunkt Rentenerhöhung angerechnet. Ein Jahr bringt also eine Rentenerhöhung von sechs Prozent.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 20. August 2019 | 07:09 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. August 2019, 08:28 Uhr

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6 Kommentare

20.08.2019 20:05 frank d 6

Vor allem das sie nicht von der Zeit überholt werden.
Die Welt meldet Italien beschlagnahmt die Open Arms ihr Rentner was nun Italien den Krieg erklären werte MDR schaffende

20.08.2019 15:44 Arbeitende Rentnerin 5

Was glaubt man, ist der Grund, dass immer mehr Rentner arbeiten? Sicher bringt Arbeit auch eine gewisse Zufriedenheit, die ich nicht missen möchte. Wenn aber flächendeckend alles an Betrieben weggerissen wurde, konnte man in jungen Jahren nicht so verdienen und auch keine Rücklagen bilden, wie es notwendig gewesen wäre, es werden immer mehr dazukommen, für die das zutrifft, das einzige Gute ist, dass es jetzt immer mehr Jobs gibt, die sonst keiner machen will und als Rentner hat man ja Zeit und ist flexibel, Reisen geht sowieso nicht, also jederzeit abrufbereit. Ich habe mich damit abgefunden, gedacht hatte ich mir das früher mal anders. Und wie lange die Gesundheit mitmacht......

20.08.2019 12:55 Sylter 4

@20.08.2019 09:32 007
Ihre Aufregung in allen Ehren. Aber das sind lediglich 8,3 % der Rentner. Und nicht alle verdienen sich etwas hinzu, weil sie es nötig haben.
91,7 % der Rentner verdienen also nichts hinzu. Aber das klingt Ihnen wahrscheinlich erst Recht zu sehr geschönt, obwohl dieselbe Aussage.

20.08.2019 12:41 REXt 3

@1 007, gut formuliert, fehlt vielleicht noch die Nullzinspolitik/Enteignung-u. Entwertungspolitik der EZB, die die ständig klammen aufgeblähten Staaten überleben lassen. Sonst wäre schön das Ende erreicht, so haben wir es noch vor uns. Was hat man uns versprochen, einen harten € ,wie die D Mark, was haben wir bekommen, Inflationsgeld. Deshalb sind 1000€ Rente, nur noch 800DM wert.

20.08.2019 09:54 rentner 2

rentner arbeiten auf 450 € basis,ist doch i.o.
man freut sich auf die rente.
dann kommt das finanzamt mit dem steuerbescheid für 2018----hurra 403 € zurückzahlen.
wie man noch in arbeit war gabs ja eine rentenversicherung die versteuert wurde und nun nochmal steuern zahlen-----wo ist das GERECHT.

20.08.2019 09:32 007 1

Jeder zwölfte Rentner verdient sich etwas dazu!

Wie niedlich u einfältig formuliert. Soll damit gezeigt werden wie fit unsere Rentner sind, dass sie auch noch bis 70 wackeln könnten? Oder das unsere Rentner aus purem Vergnügen arbeiten gehn? Oder sagt es nicht etwas ganz anderes aus, wie schlecht es unseren Rentnern geht? Das durch die EU Geldschwemme Politik die Ersparnisse wie Eis in der Sonne dahin schmelzen ist das nicht vielleicht ein Grund? Für mich ist es nur ein Einlullen der Bürger u von Problemen ablenken. Fakt ist, wir steuern "A"- auf eine Rezession zu die unser Land massiv erschüttern wird- u "B", der EU Währungsraum wird in Bälde implodieren u zusammen brechen. Da kann der Rentner nur noch malochen um sich davor, mit seiner mickrigen Rente, etwas abzusichern u für schlechte Zeiten an Wertgegenständen zu überkaufen.

Die arbeitenden Rentner zeigen hier geradezu ein klassisches negativ Bild unseres asozialen Staates auf ...