Ein Fischerboot von hinten
Manche Fischarten wie Sprotten oder Dorsche könnten bald aus der Ostsee verschwinden. Bildrechte: IMAGO

Deutsche Fischereiwirtschaft Klimawandel wichtigstes Thema auf Fischereitag

Die deutsche Fischereiwirtschaft bangt um die Zukunft. Und das liegt nicht nur an der Überfischung, sondern auch am Klimawandel. Weil sich Meere, Seen und Flüsse erwärmen, befürchtet die Branche schon lange zurückgehende Fischbestände. Dienstag beginnt nun in Magdeburg der Deutsche Fischereitag. Das ist sowas wie der Bauerntag, nur eben für die Fischereiwirtschaft. Und eines der wichtigsten Themen wird der Klimawandel sein.

von Andre Seifert, MDR AKTUELL

Ein Fischerboot von hinten
Manche Fischarten wie Sprotten oder Dorsche könnten bald aus der Ostsee verschwinden. Bildrechte: IMAGO

Die Rechnung ist eigentlich ganz einfach: In den nächsten 30 Jahren wird nach Meinung fast aller Wissenschaftler die Temperatur in Deutschland durch den Klimawandel um ein bis zwei Grad steigen. Auch das CO2 in der Luft – und damit auch im Wasser – wird zunehmen.

Je schneller der Wandel, desto schwerer die Anpassung

Und das habe Folgen für Seen, Flüsse, Nord- und Ostsee, sagt Dr. Helmut Wedekind, Wissenschaftlicher Beirat des Deutschen Fischereiverbands. Die Hauptfaktoren seien die Erhöhung des CO2-Gehaltes und die Veränderungen von Meeresströmungen.

Aber insgesamt wirken sich derzeit besonders die Erhöhung der Wassertemperatur, aber auch der Wassermangel in einigen Regionen des Binnenlandes aus.

Helmut Wedekind, Deutscher Fischereiverband

Die Frage ist nur, wie groß diese Auswirkungen sein werden, wie stark sich heimische Fische vom Klimawandel, von mehr Algen, weniger Sauerstoff, von anderen einwandernden Fischarten, von sinkenden Pegeln in Flüssen beeindrucken lassen.

Helmut Wedekind sagt, grundsätzlich falle es schwer, eine sichere Prognose in den nächsten Jahren zu geben. Hinweise auf Veränderungen könne man allerdings bereits jetzt zahlreich feststellen: "Je schneller der Wandel der Umweltbedingungen in den Gewässern fortschreitet, desto schwieriger ist es für die Fischpopulationen, sich an die geänderten Bedingungen anzupassen."

Hering, Sprotte und Dorsch produzieren weniger Nachwuchs

Die Fischereiwirtschaft und die Angler in Deutschland sind alarmiert. Wenn Dienstag in Magdeburg der Deutsche Fischereitag beginnt, wird das Thema Klimawandel ganz oben auf der Agenda stehen. Bis zu 300 Gäste aus Politik und Wirtschaft werden bis Donnerstag erwartet.

Wissenschaftler werden Vorträge halten, z.B. über den Rückgang der Fischbestände in der Ostsee, erklärt Claus Ubl vom Deutschen Fischereiverband. Heringe produzieren seit Jahren weniger Nachwuchs, auch Sprotten und Dorsche könnten aus der Ostsee verschwinden.

Und auch in den Seen und Flüssen im Binnenland stünden die Fischer vor Problemen, erklärt Claus Ubl: "Wenn wir über Klimawandel reden, werden wahrscheinlich vor allem die Forellenproduzenten Probleme bekommen - weil Forellen sehr kälteliebende Fische sind - wenn so wie im letzten Jahr die Wasserversorgung nicht mehr gewährleistet wird. Da sind ja ganze Fließgewässer ausgetrocknet."

Ostsee stärker betroffen als Nordsee

Und das wird in Zukunft vor allem in Sachsen zu spüren sein. Das Land ist nach Bayern der zweitgrößte Karpfenproduzent in Deutschland. Für die Fischerei in der Nordsee sehe die Zukunft allerdings nicht ganz so düster aus, meint Claus Ubl. Der Klimawandel werde den Fischbestand dort aber ordentlich durcheinander wirbeln.

"Die Kabeljaubestände – das sehen wir jetzt schon in der Nordsee – verlagern ihre Verbreitungsgebiete weiter gen Norden. Dafür werden andere Fischarten in der Nordsee erwartet. Wolfsbarsche, Rote Meerbarben und vielleicht auch bald wieder Thunfische", erklärt Ubl.

Insgesamt aber drohten der Fischereiwirtschaft große Einbußen. Damit rechnet auch das Umweltbundesamt in Dessau. Besonders kleine Betriebe seien davon betroffen, teilt die Behörde mit. Der Fischereiverband fordere von der Politik aber nicht unbedingt finanzielle Unterstützung, sagt Claus Ubl. Viel wichtiger sei wissenschaftliche Beratung, um die Herausforderungen des Klimawandels zu meistern.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 20. August 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. August 2019, 05:00 Uhr

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13 Kommentare

21.08.2019 21:33 Eulenspiegel 13

Hallo frank d
„Das ist aber wirklich erstaunlich das die Auswirkungen des "Klimawandels" schon eintreten bevor die angekündigte Erwärmung eingetreten ist,“
Das Polareis schmilzt rasant so das die Eisbären, die auf diese riesigen Eisschollen leben, kapiert haben das sie ihr Lebensraum verschwindet und sie Richtung Süden ziehen. Die Gletscher lösen sich in nichts auf. Dort wo vor ein paar Jahren sich noch viele Meter tiefe Gletscher befanden sieht man Heute nur noch Geröll und Stein. Die Förster wissen schon nicht mehr was sie machen sollen damit wir auch in nächsten Generationen noch Wald haben. Wir sind schon mitten im Klimawandel und sie merken das nicht. Wachen sie mal auf.

21.08.2019 12:57 Eulenspiegel 12

Bernd L. 9
Ich denk es genügt wenn sie nur einen einzigen Wissenschaftler nennen können der sagt:
„Hier sind die Beweise die ganz klar belegen das alles was die „Wissenschaftler der Klimalobby behaupten nicht richtig sein kann“
Und so lange nicht ein mal diesen einen Wissenschaftler mit Namen nennen können ist doch alles was sie schreiben Blödsinn.

21.08.2019 12:06 frank d 11

Das ist aber wirklich erstaunlich das die Auswirkungen des "Klimawandels" schon eintreten bevor die angekündigte Erwärmung eingetreten ist, dass werte Berichterstatter ist wahrlich bemerkenswert. Das Chaotische durch unzählige Faktoren beeinflusste Wetter aus dem Sich das Klima zusammensetzt, kann niemand präzise vorhersagen, weil wir Menschen Zuwenig wissen, aber die MDR Redakteure sind da schon intellektuell weiter. in einer Redaktionsséance haben sie das Klima ausgependelt? fragen sie doch einfach mal einen der Priester vom Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung nach dem nächsten Sommer? Oder wissen die das gar nicht? aber den in 50 Jahren haben sie in ihren Glaskugeln gesehen? schon klar dann sind die Herren und Damen in Rente ich bin auch Hellseher im Dunkeln sehe ich nicht so gut. Sapere Aude

20.08.2019 21:54 Fakt 10

>>Bernd L., #9:
"Nein, nicht "fast aller", sondern der Wissenschaftler der Klimalobby."<<
--------
Doch, das Gros der mit dem Thema befassten Wissenschaftler ist dieser Auffassung und sieht den teils menschengemachten Klimawandel als erwiesen an.
Da hilft auch das Leugnen irgendwelcher Laien, die sich offenbar für schlauer halten nichts - auch nicht das Leugnen der afd-Kompetenzsimulanten, deren kruden Behauptungen ja offenbar so mancher auf den Leim geht.

20.08.2019 21:34 Bernd L. 9

Zweiter Versuch, durch die Zensur zu kommen (die jetzt auch beim Klimathema durchschlägt):
Jetzt wird versucht, über den Klimawandel an Geldtöpfe zu kommen.
"In den nächsten 30 Jahren wird nach Meinung fast aller Wissenschaftler die Temperatur in Deutschland durch den Klimawandel um ein bis zwei Grad steigen. "
Nein, nicht "fast aller", sondern der Wissenschaftler der Klimalobby. Deren Voraussagen waren schon oft falsch.
Vielleicht bringt der MDR mal einen ausgewogenen
Artikel zum Thema Klimawandel, nicht nur vom Potsdamer Imstitut.

20.08.2019 19:26 frank d 8

@7 Eulenspiegel: Früher, zu Dinosauriezeiten, als die Tiere noch in Ruhe Aussterben konnten, ohne das Geschrei der Apokalyptiker. Da änderte sich das Klima schon obwohl es die Großstädter mit ihrer Großen Haltung und Diametralem Verhalten noch nicht gab. Da änderte sich das Klima auch schon, Die Auslöser Vulkanismus und Plattentektonik waren damals entgegen ihren Behauptungen sehr plötzlich kamen überraschend, Sie können es nennen wie sie wollen, Krise, Katastrophe, eine mögliche Steigerung wäre Apokalypse.Die Menschheit hat bisher überlebt, weil sie sich anpasste. nicht weil sie aus angst vor der Zukunft selber entleibten. Gefährdet waren geschichtlich immer jene die wenig wussten Herr Eulenspiegel die gläubigen woran sie in den verschiedenen Zeiten glaubten, unterschied sich. Der Ablasshandel blieb konstant. Wenn sie eine solche Gefahr sehen, leben sie denn persönlich korrekt? auf dem Land vom ertrag der eigenen Scholle? vegan auch im Winter aus Lokaler Erzeugung? Sapere aude

20.08.2019 14:04 Eulenspiegel 7

Das ist nun mal so der Klimawandel wirkt sich auf allen Bereichen aus. Die Frage ist nur:
Ab wann kann man nicht mehr von „Klimawandel“ reden sondern muss man von „Klimakatastrophe“ reden?

20.08.2019 12:11 falko 6

Ja liebe Leute, das war's dann wohl . Mutter Natur schlägt zurück. Erbarmungslos. Und das wird weh tun. Richtig weh. Ich gehe mal davon aus, das alles ist nicht mehr aufzuhalten. Umzukehren schon lange nicht mehr. Und wir Menschen sind selber schuld. Also, Prinzip Titanik; Eisberg in Sicht - volle Kraft voraus. Die Realität tut ebenfalls manchmal weh.

20.08.2019 11:47 frank d 5

Wenn alles so ernst ist, werte MDR Berichterstatter, dann sofort Fussball Sponsoring einstellen. Die Frage ob für MDR Sommerpartys noch CO ² Kontingente geopfert werden können oder für Krimis, stellt sich gar nicht mehr oder? Fangt doch schon mal an und geht mit gutem Beispiel voran. Schön wäre ein Bericht wo all die MDR angestellten im Urlaub waren wer wohin flog? wie viele ihre Urlaubsdestination mit dem Drahtesel oder per pedes erreichten. Oder meinen sie Ihre Klimapanik ganz anders. Sapere aude. PS: Ich merke schon an einem Diskurs ist ihnen nicht gelegen. Das stört die Reiter der Apokalypse.

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20.08.2019 11:28 Anja 4

@ 1 das ist eine sagenhafte Propaganda / Hysterie grauenvoll nunmehr und keiner macht damit Schluß , Fisch guter ist sehr teuer , kann sich nicht jeder leisten,