Hauptsitz des Statistischen Bundesamtes, 2013 in Wiesbaden
Vor allem die gute Lage am Arbeitsmarkt spülte Milliarden in die öffentlichen Kassen. Bildrechte: dpa

58-Milliarden-Euro-Plus Deutscher Staat mit Rekordüberschuss seit der Wiedervereinigung

Der deutsche Staat hat den höchsten Haushaltsüberschuss seit 1990 erzielt. Bund, Länder, Gemeinden und Sozialversicherung nahmen 58 Milliarden Euro mehr ein als sie ausgaben. Dennoch droht ein riesiges Milliarden-Loch.

Hauptsitz des Statistischen Bundesamtes, 2013 in Wiesbaden
Vor allem die gute Lage am Arbeitsmarkt spülte Milliarden in die öffentlichen Kassen. Bildrechte: dpa

Der deutsche Staat hat 2018 das fünfte Jahr in Folge mehr Geld eingenommen als ausgegeben. Wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Freitag mitteilte, erzielten Bund, Länder, Gemeinden und die gesetzliche Sozialversicherung im vergangenen Jahr einen Rekordüberschuss von 58 Milliarden Euro. Demnach nahm der Staat 1,543 Billionen Euro ein, gab aber nur 1,485 Billionen Euro aus. Bezogen auf die Wirtschaftsleistung lag die Überschussquote damit bei 1,7 Prozent.

Höchster Staatsüberschuss seit 1990

In einer ersten Schätzung vom Januar war das Statistische Bundesamt sogar von einem Überschuss von 59,2 Milliarden Euro ausgegangen. Diese vorläufige Berechnung musste nun zwar korrigiert werden, doch sind auch die 58 Milliarden Euro laut der Behörde immer noch der höchste Staatsüberschuss der Bundesrepublik Deutschland seit der Wiedervereinigung 1990.

Den höchsten Überschuss erzielte laut der Statistik der Bund mit 17,9 Milliarden Euro. Die Sozialversicherungen schlossen das Jahr mit einem Plus von 14,9 Milliarden Euro ab. Den Kommunen blieb ein Überschuss von 14 Milliarden Euro, den Ländern von 11,1 Milliarden Euro.

4,7 Prozent höhere Staatseinnahmen

Euroscheine
Die gute Lage am Arbeitsmarkt hat Milliarden zusätzlicher Steuern und Sozialbeiträge in die Kassen gespült. Bildrechte: colourbox.com

Vor allem die Einnahmen des Staates legten 2018 im Vergleich zum Vorjahr 2017 mit 4,7 Prozent deutlich zu. Dieser Einnahmensteigerung standen lediglich gestiegene Ausgaben von 3,2 Prozent gegenüber.

Dank der historisch ausgesprochen guten Lage am Arbeitsmarkt profitierte der Fiskus von sprudelnde Steuern und Sozialbeiträgen. Allein die Einkommens- und Vermögensteuerzahlungen stiegen um 5,7 Prozent. Die gute Lage am Arbeitsmarkt führte auch bei den Sozialbeiträgen zu einem kräftigen Anstieg von 4,3 Prozent.

25-Milliarden-Euro-Loch im Haushalt droht

Ungeachtet des Rekordüberschusses 2018 droht dem Bund bis 2023 ein Haushaltsloch von 25 Milliarden Euro. Grund ist die abflauende Konjunktur, die dem Staat nach Berechnungen des Bundesfinanzministeriums jährlich rund fünf Milliarden Euro geringere Steuereinnahmen bescheren wird.

Die deutsche Volkswirtschaft hatte im zweiten Halbjahr 2018 deutlich an Tempo verloren, was vor allem an der einbrechenden Weltkonjunktur lag. Zwar wuchs Europas größte Volkswirtschaft immer noch um 1,4 Prozent, doch war das bereits deutlich weniger als die jeweils 2,2 Prozent Wachstum 2016 und 2017.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 22. Februar 2019 | 09:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. Februar 2019, 10:20 Uhr