Dieselskandal Zulassungsverbot und Rückruf bei Porsche-Cayenne

Erst Volkswagen, dann Audi, nun auch Porsche: Tests haben beim Geländewagen Cayenne mit Dieselmotor eine illegale Abgassoftware ermittelt. Verkehrsminister Dobrindt ordnete ein Zulassungsverbot für nicht verkaufte und einen Pflicht-Rückruf für bereits verkaufte Autos an. Vom Rückruf sind europaweit 22.000 Porsche-Cayenne mit Drei-Liter TDI-Motor und Euro-6-Norm betroffen. Die betreffenden Motoren kommen von Audi.

Alexander Dobrindt
Alexander Dobrindt Bildrechte: IMAGO

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt hat im Zuge des Dieselskandals ein Zulassungsverbot für noch nicht verkaufte Fahrzeuge des Modells Porsche Cayenne verfügt. Der CSU-Politiker begründete diesen Schritt am Donnerstag mit einer illegalen Software für die Abgassteuerung, die in den Motoren der betreffenden Fahrzeuge verbaut ist. Das Zulassungsverbot gelte solange, bis eine neue Steuersoftware zur Verfügung stehe, die vom Kraftfahrtbundesamt genehmigt werden müsse, so der Verkehrsminister.

Rückruf für 22.000 Cayenne

Außerdem ordnete Dobrindt einen Pflicht-Rückruf für europaweit 22.000 bereits verkaufte Porsche-Cayenne mit Drei-Liter TDI-Motor und Euro-6-Norm an. 7.500 dieser Fahrzeuge seien in Deutschland zugelassen. Die Kosten trage zu 100 Prozent der Hersteller. Die Fahrzeughalter müssten alle angeschrieben werden, wie dies bei anderen Rückrufaktionen auch der Fall sei. Die Fahrzeughalter seien aufgerufen, ihr Fahrzeug zur Umrüstung zu bringen.

Laut Dobrindt springt bei den betroffenen Porsche Cayenne auf dem Rollenprüfstand "eine sogenannte Aufwärmstrategie an, die im Realverkehr nicht aktiviert wird. Wir stufen das als unzulässige Abschalteinrichtung ein."

Porsche entdeckte Unregelmäßigkeiten selbst

Porsche teilte mit, man habe die Unregelmäßigkeiten in der Motorsteuerung der betroffenen Cayenne-Fahrzeuge bei eigenen Untersuchungen festgestellt. Dies sei dem Kraftfahrt-Bundesamt auch so dargelegt worden. Mit der Flensburger Zulassungsbehörde sei eine Korrektur durch ein Software-Update im Rahmen eines Rückrufes vereinbart worden, teilte die Volkswagen-Tochter mit.

Diesel-Motoren von Audi

Porsche verwendet für die Diesel-Variante des Geländewagens Cayenne Motoren der anderen VW-Tochter Audi. Dort hatten Tests ebenfalls eine unzulässige Abgas-Einrichtung bei einigen Modellen offengelegt. Audi muss deshalb 24.000 Fahrzeuge zurückrufen. Das Unternehmen bestätigte, dass die betroffenen Porsche Cayenne von Audi zugelieferte Motoren besitzen. Volkswagen kündigte an, den von Dobrindt geäußerten Verdacht auch mit Blick auf sein Geländewagen-Modell Touareg zu prüfen.

Staatsanwaltschaft ermittelt

Der Autobauer Porsche war im Zuge der Abgas-Affäre zuletzt auch stärker ins Visier der Stuttgarter Staatsanwaltschaft geraten. Die Behörde nahm vor rund zweieinhalb Wochen Ermittlungen wegen einer möglichen Manipulation der Abgasnachbehandlung an Diesel-Fahrzeugen auf. Sie richten sich gegen unbekannte Mitarbeiter des Autobauers und eines amerikanischen Tochterunternehmens. Es werde der Vorwurf des Betrugs und der strafbaren Werbung geprüft. Nähere Angaben machte die Staatsanwaltschaft zunächst nicht. Sie hatte im April 2016 Vorermittlungen aufgenommen.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Fernsehen | 27.07.2017 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. Juli 2017, 19:52 Uhr

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9 Kommentare

28.07.2017 09:32 Michael Möller 9

frage und was ist mit den anderen Autobauern, mir kann doch niemand sagen das die anderen angeblich besser sein sollten als die deutschen Autobauern. wieso wird immer noch der Überprüfungsbericht unterverschluss gehalten. denn das hat nicht mit Nationaler Sicherheit zutun .oder haben unsere Politiker Abgst das raus kommt wie weit Sie selber mit drin stecken.

28.07.2017 08:27 Ullrich 8

Diesel sind mindestens in Ballungsräumen Körperverletzung! Es wird mehr und mehr Fahrverbote in diesen geben und das ist völlig richtig. Hier war Dobrindt lange untätig. Gleichzeitig muss der Steuervorteil beim Diesel so schnell wie möglich abgeschafft werden.
Der Entzug der (temporär) Zulassung für eines Porsche ist nur der Auftakt. Wenn gleichzeitig eine km abhängige Maut eingeführt wird, hört endlich die Zersiedelung der Ballungsräume auf und damit reduziert sich das Verkehrsaufkommen. Oder kann mir mal jemand erklären, warum das Haus im Umland einer Stadt mehrfach gefördert (km Pauschale, Eigenheim Zulage, Steuervorteil Diesel) wird? Gleichzeitig würde dadurch der ÖPNV gestärkt werden. Individuelle Mobilität muss und wird sich verändern.

28.07.2017 01:21 AufmerksamerBeobachter 7

LOL, der drittletzte Absatz ist der Brūller schlechthin!! "Porsche endeckte Unregelmàßigleit SELBST" R0FL ... und wenn, dann haben sie nicht etwa bei Audi nachgefragt, ob 'das wirklich so bleiben soll?' und 'warum?' - nein, sie haben gestaunt und ihren konzerninternen Motorenlieferanten beim KBA angezeigt. 8-)) Mehr Unglaubwûrdigkeit geht nicht. Die grossen Vier kaufen anonym Konkurrenzfahrzeuge und reverse-engineer'en _jedes_ Detail (im Enwicklungszentrum eines großen bayerischen Herstllers wurden z.B. sogar die Fußmatten der Fremdhersteller gewogen (wegen Resonazdàmpfung der Bodengruppe)) und hier, beim _eigenen_ Auto 'staunt' Porsche, weil ein zulassungskritischer Parameter im Abgasstrang auffällig ist??? Solche Vorschläge zur 'Optimierung' kommen von den Enwicklern, aber abgesegnet werden sie von den Entscheidern im Management - und selbstverständlich haben die es gewusst - und die haben überhaupt erst danach gefragt!!

27.07.2017 22:02 Holger H. 6

So haben wir jetzt bald die deutsche Autoindustrie klein gekriegt oder müssen wir uns da noch mehr einfallen lassen um diesen Wirtschaftszweig zu zerstören? Nachdem man mit großem Enthusiasmus die weltweit beste Automobilbranche in den Dreck gezogen hat, hat man den Verkauf von Dieselautos durch Verbotsgerüchte torpediert und jetzt lässt man komplette Serien einstellen. Ja was glauben unsere Politikerdeppen denn wie lange das braucht bis die alle aus purer Selbstverteidigung Ihre Firmensitze ins Ausland verlagern? Es gab vermutlich noch nie in der Geschichte der Menschheit eine Regierung die so hart an der Beschädigung des eigenen Landes gearbeitet hat wie unsere. Als "Deutschland schafft sich ab" geschrieben wurde gab es einen riesen Aufschrei. Sarrazin lag falsch. Es hat nur wenige Jahre gebraucht bis es dutzendfach schlimmer als in seinen schlimmsten Befürchtungen war.

27.07.2017 20:25 NRW-Wessi 5

Ginge es wirklich um Umwelschutz, so hätten wir wie alle anderen Länder auf dieser Erde endlich ein generelles Tempolimit auf der BAB, Güter würden zumindest für Ferntransporte vom LKW auf die Bahn verlagert und Kurzreisen per Flugzeug eingeschränkt oder über höhere Preise reguliert.
Nichts von dem passiert. Deshalb glaube ich, dass es hier um eine gewaltsame Vermarktung der Elektrokarren geht, woraus vermutlich deutlich höhere Strompreise resultieren werden, selbstverständlich dann auch für den Haushaltsstrom.
Warum hat man wohl einen hochpreisigen SUV als Exempel statuiert? Weil der Normalverdiener dann nicht aufmucken wird und vielleicht sogar noch Schadenfreude bei diesem Autotyp entwickeln wird.

27.07.2017 20:18 Peter Riesler 4

Man kann nur hoffen, dass die Bestimmung der Politik durch die Wirtschaftsbosse an das Tageslicht kommt.

Erschreckend ist für mich, dass ein Herr Dobrindt (CSU) wie gerade in der "Tagesschau" gehört, nicht in der Lage ist, einen einzigen Satz fehlerfrei zu sprechen. Und dies als Minister!

Bin ich über- oder unterqualifiziert? Oder bin ich etwa nur nicht Mitglied einer christlichen Partei? Habe also kein bestimmtes Parteibuch.

Es bleibt abzuwarten, wo dieser Minister wieder auftaucht. So wie Matthias Wissmann, der seit 2007 Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) ist und ehemaliger CDU-Politiker war!

Oder Gerhard Schröder (SPD), zu dessem kometenhaften Aufstieg ja nichts mehr geschrieben werden muss!

27.07.2017 20:14 ein schon länger in Deutschland lebender 3

"Mit der Flensburger Zulassungsbehörde sei eine Korrektur durch ein Software-Update im Rahmen eines Rückrufes vereinbart worden, teilte die Volkswagen-Tochter mit. "

hat jetzt die Flensburger Zulassungsbehörde nichts mehr zu sagen, oder will sich Herr Dobrindt in den Vordergrund rücken?

mir ist das egal, ich werde auch weiterhin Diesel fahren. Was rauskommt wenn sich Politiker einmischen sieht man ja am neuen Berliner Flughafen. ;-)

Da wiederum ermittelt keine Staatsanwaltschaft, warum wohl nicht?

27.07.2017 20:10 Fragender Rentner 2

Warum macht er so etwas nicht mit dem BMW, ach ja der wird ja in Bayern gebaut.

Der Porsche wird in Ba.-Wü. hergestellt.

Jetzt fehlt nur noch ein Verbot für Daimler?

27.07.2017 20:06 Fragender Rentner 1

He, was soll das?

Unsere so sauberen Autos so in den Dieseldreck zu ziehen.