Müllabfuhr und Feuerwehr Elektrofahrzeuge für Kommunen teuer und schwer verfügbar

Viele Städte wollen ihre Fahrzeugflotten auf Elektromotoren umrüsten. Allerdings gibt es die benötigten Fahrzeuge oft gar nicht als E-Variante. Und wenn es sie doch gibt, sind sie extrem teuer. Das stellt Kommunen vor Probleme. Ein Beispiel aus Leipzig.

Lösch- und Einsatzfahrzeug mit Elektromotor
Ein Einsatzfahrzeug der Berliner Feuerwehr mit Elektromotor. Bildrechte: dpa

Ende Oktober 2019 hat die Stadt Leipzig den Klimanotstand ausgerufen. Das heißt: Bei politischen Entscheidungen sollen auch die Klimafolgen eine wichtige Rolle spielen. Außerdem möchte die Stadt bis 2050 klimaneutral werden. Was das für Auswirkungen hat, zeigt das Beispiel der Leipziger Stadtreinigung. Das kommunale Unternehmen will in den kommenden zwei Jahren 83 neue Fahrzeuge kaufen. Möglichst viele von ihnen sollen emissionsfrei unterwegs sein, sagt Elke Franz, kaufmännische Leiterin der Stadtreinigung.

Stadtreinigung: Vieles nicht marktreif

Die Anschaffung solcher Fahrzeuge ist jedoch schwierig. Elke Franz erklärt: "Da ist noch nicht so viel marktreif. Aber die Hersteller sind auf einem guten Weg und wir haben zumindest für zwölf Abfallsammelfahrzeuge und vier Großkehrmaschinen Fördermittel beantragt, um die dann zukünftig mit Elektro- oder Wasserstoffantrieb auszustatten."

Abfallsammelfahrzeuge – so nennt Franz Müllautos. In diesem Segment ist der Preisunterschied deutlich spürbar. Ein Müllfahrzeug mit emissionsfreiem Antrieb kostet etwa drei Mal so viel wie ein Diesel-Müllauto, fast 900.000 Euro. Ohne Förderung sei das nicht zu stemmen. Vom Bund habe es schon eine positive Rückmeldung gegeben, aber fix sei noch nichts. 90 Prozent der zusätzlichen Kosten würde der Bund übernehmen.

Tests zeigen Schwächen

Dennoch geht es auch für die Stadtreinigung um viel Geld und sie möchte deshalb die neuen Antriebe ausgiebig testen. Derzeit ist laut Stadtreinigung ein großes Elektro-Abfallsammelfahrzeug in Leipzig unterwegs. Mancher Bürger habe es auch schon gesehen. "Dort haben mir die Kollegen zurückgespiegelt, dass das Fahrzeug noch nicht auf allen Touren eingesetzt werden kann. Es wird sehr viel Strom verbraucht bei jedem Kippvorgang", erklärt Elke Franz.

Für das Müllkippen und für die Müll-Presse verbrennt ein Müllwagen normalerweise Diesel. Beim Elektrofahrzeug muss das die selbe Batterie richten, die auch den Motor antreibt. Das verringert die Reichweite. Deswegen schafft der Akku nicht jede Tour, ohne dass man nachladen muss.

Alternative Brennstoffzelle

Schon deutlich mehr Erfahrung mit emissionsfreien Antrieben hat die Stadt Duisburg in Nordrhein-Westfalen. Dort ist seit Oktober ein Elektro-Müllfahrzeug unterwegs. Und im Januar soll noch ein Brennstoffzellen-Fahrzeug dazukommen. Ingo Wiele von den Wirtschaftsbetrieben Duisburg verspricht sich viel von dem neuen Fahrzeug: "Für uns, muss man sagen, liegt ein Vorteil des Fahrzeugs mit Brennstoffzelle allein darin, dass es eben in kurzer Zeit und eben ohne Stillstandzeiten betankt werden kann, wie die herkömmlichen Dieselfahrzeuge."

Feuerwehr mit hohen Anforderungen

Während Leipzig und andere Städte bei der Müllabfuhr also kleine Fortschritte machen, sieht es in anderen Bereichen weniger gut aus. Und daran dürfte sich so schnell nichts ändern. Zum Beispiel antwortet die Leipziger Branddirektion – also die Feuerwehr – auf eine Anfrage von MDR Aktuell: "Für Feuerwehrfahrzeuge gelten hohe normative Anforderungen. Zum Beispiel eine Reichweite von mindestens 300 Kilometern und ein Kraftstofftank, der im Betrieb auffüllbar ist etc. Die Einhaltung der Normen ist für die Förderung von Feuerwehrfahrzeugen und teilweise für die Zulassung zwingend erforderlich." Das führe dazu, so heißt es weiter, dass elektrisch angetriebene Fahrzeuge noch nicht frei verfügbar seien und zur Zeit noch erprobt würden.

Dass E-Fahrzeuge dennoch auch von der Feuerwehr eingesetzt werden können, zeigt das Beispiel Berlin. Seit September ist dort ein Löschfahrzeug mit Elektromotor im Einsatz. Sollte der Akku leer sein, ist bei dem Fahrzeug allerdings noch ein Dieselmotor an Bord.

Die Umstellung der städtischen Fahrzeugflotte auf E-Mobilität wird also noch dauern. Wiederholt verweist die Stadt Leipzig auf zwei zentrale Probleme: Die nicht ausreichende Verfügbarkeit von bestimmten Fahrzeugklassen und die erheblichen Mehrkosten, die ohne Förderung nicht zu stemmen seien. Hinzu komme die schlechte Ladeinfrastruktur an vielen Standorten der Verwaltung. Hier allerdings könnte die Stadt Leipzig selbst Abhilfe schaffen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 27. Dezember 2020 | 05:00 Uhr

17 Kommentare

goffman vor 4 Wochen

Hallo Britta.Weber,
soweit ich das sehe, steigt der Anteil an Elektrofahrzeugen in den letzten Jahren - und das weltweit. Und selbst wenn Sie persönlich den menschengemachten Klimawandel ignorieren - diese Entwicklung wird so weiter gehen (schon allein, weil die Ölförderung immer aufwändiger und teurer wird). Im Bereich der neu zugelassenen E-Fahrzeuge haben unsere heimischen Autohersteller aber schon lange nicht mehr die Nase vorn.
Ein bisschen mehr grüne Politik ist schon aus rein wirtschaftlichen Gründen sinnvoll - billiger wirds nicht (gesamtgesellschaftlich betrachtet), wenn wir unsere Fahrzeuge zukünftig bei der Konkurrenz kaufen müssen.

goffman vor 4 Wochen

Teil der "E-Mobilität" ist auch die Brennstoffzelle. Da wo lange Ladezeiten nicht möglich sind oder wo eine höhere Energiedichte benötigt wird, könnte sie eine Alternative zum Akku sein.

goffman vor 4 Wochen

Ich interpretiere den Artikel nicht so, dass E-Mobilität Mist ist (was wäre denn die Alternative? Eselskarren?), sondern dass unsere Politik und die heimische Autoindustrie die Entwicklung verschlafen und die Notwendigkeit nicht rechtzeitig erkannt haben.