Billig-Airline Easyjet will ab sofort klimaneutral fliegen

Was für ein Versprechen: Klimaneutral fliegen – und das auch noch mit einer Billig-Airline. Easyjet will ab sofort den CO2-Ausstoß seiner Flüge ausgleichen. Das klingt nach Flugreisen ohne schlechtes Gewissen. Doch Forscher sehen die Ankündigung skeptisch.

von Marc Zimmer, MDR AKTUELL

Drei Flugzeuge der Airline Easyjet stehen auf dem Rollfeld eines Flughafens
Easyjet verspricht seinen Kunden klimaneutral zu fliegen. Bildrechte: dpa

Für jeden Flug gibt es Geld für Klimaschutzprojekte in aller Welt: So will Easyjet als erste große Airline den CO2-Ausstoß ihrer Flüge komplett ausgleichen. Rund 29 Millionen Euro seien im neuen Geschäftsjahr dafür eingeplant, heißt es von Easyjet.

Schön und gut, sagt Felix Creutzig, Wissenschaftler des Berliner Klimaforschungsinstituts MCC und erklärt:

Aber es gibt noch einen Großteil der Klimawirksamkeit des Fliegens, der über CO2 hinausgeht, zum Beispiel Wasserdampf und Stickoxide, die auch ausgestoßen werden und die gleichermaßen zur Erderwärmung beitragen und die in dem Ansatz von Easyjet nicht mit erfasst werden.

Felix Creutzig, Wissenschaftler des Berliner Klimaforschungsinstituts MCC

CO2-neutral heißt nicht klimaneutral

Creutzig sagt: "Die Flüge sind mit den geplanten Ausgleichszahlungen vielleicht CO2-neutral, aber eben noch lange nicht klimaneutral." Eine Easyjet-Sprecherin räumte das gegenüber dem Magazin "Spiegel" inzwischen auch ein. Greenpeace spricht von Augenwischerei. Auch das Umweltbundesamt betont, dass CO2 nicht alles sei. Der Gesamteffekt von Luftverkehr auf das Klima sei etwa dreimal höher.

Und selbst bei der von Easyjet beanspruchten CO2-Neutralität ist sich Forscher Creutzig nicht so sicher: Denn der Preis, den Easyjet ansetzt, um eine Tonne Kohlenstoffdioxid zu kompensieren, sei sehr niedrig, erklärt Creutzig. Nur ungefähr 3,50 Euro. Easyjet begründet seine extrem kleinen Preise mit den großen Zertifikatsmengen, die man einkaufe. "Easyjet mag das möglicherweise hinkriegen, durch die Skaleneffekte, also dass sie gleich eine ganze Baumplantage kaufen oder so, aber man muss halt auch sehen, dass der Marktpreis von CO2 um den Faktor 8 höher ist. Das heißt, da waren wir eher bei einem CO2-Preis pro Passagier von fünf bis sechs Euro."

EasyJet Airbus fliegt mit Kondensstreifen vor Vollmond
Um eine Tonne Kohlenstoffdioxid zu kompensieren, setzt Easyjet circa 3,50 Euro an. Bildrechte: imago/blickwinkel

Bei Easyjet seien es dagegen um die 30 Cent, sagt Creutzig. Es sei zwar ein Schritt in die richtige Richtung, aber auch kein Schritt zur wirklichen Klimaeffektivität im Fliegen. Wichtig wäre eine verbindliche Abgabe auf Flüge, die in der Größenordnung von 50 Euro pro Flug liege - oder zum Beispiel 33 Cent pro Liter Kerosin auf alle innereuropäischen Flüge, wie es auch in der EU-Kommission diskutiert werde.

Mehr Marketing als Umweltschutz

Auch beim Umweltbundesamt hält sich der Jubel über den Easyjet-Vorstoß in Grenzen. Martin Schmied ist dort Leiter der Abteilung Verkehr: "Man wiegt natürlich auch jeden, der da fliegt in Sicherheit, dass alles ausgeglichen ist und jetzt kein Klimaschaden mehr entsteht. Und das finde ich tatsächlich etwas gefährlich an dem Angebot."

Weiter sagt er:

Man muss froh sein, dass mal eine Airline sowas tut, aber es ist eben auch eine Gefahr, dass die Leute denken, man kann ruhig weiter fliegen wie bisher.

Martin Schmied, Leiter der Abteilung Verkehr im Umweltbundesamt

Wer auf Nummer sicher gehen will, dass er möglichst klimaneutral fliegt, der muss seine Emissionen weiterhin selbst ausgleichen. Das geht zum Beispiel bei Anbietern wie Atmosfair, myclimate oder Arktik. Oder aber gleich weniger Fliegen, rät Schmied. Denn besser als seine Emissionen auszugleichen, sei es, einfach weniger davon zu produzieren.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 24. November 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. November 2019, 05:00 Uhr