Eine Familie (Mutter, Vater, Kind) sitzt traurig auf einem Sofa.
Verdienen Ehepartner sehr unterschiedlich, lässt sich durch das Ehegattensplitting Geld sparen. Bildrechte: IMAGO

Steuern und Finanzen Hält Ehegattensplitting Frauen von Vollzeitjobs ab?

Um das sogenannte Ehegattensplitting streiten Finanzpolitiker seit Jahren, es sollte immer wieder abgeschafft werden. Ein Gutachten des Finanzministeriums soll nun belegen, dass das Ehegattensplitting negative Auswirkungen auf die Gleichberechtigung von Männern und Frauen am Arbeitsmarkt habe. Es sei eine Ursache dafür, dass sich viele Frauen gegen einen Vollzeit-Job entscheiden und gehöre deshalb abgeschafft. Ist das Ehegattensplitting eine Bremse der Gleichberechtigung?

von Marc Zimmer, MDR AKTUELL

Eine Familie (Mutter, Vater, Kind) sitzt traurig auf einem Sofa.
Verdienen Ehepartner sehr unterschiedlich, lässt sich durch das Ehegattensplitting Geld sparen. Bildrechte: IMAGO

Ehegattensplitting bedeutet: Verheiratete Paare und eingetragene Lebenspartner können ihr Einkommen auf der Steuererklärung "splitten", also aufteilen. Das Finanzamt rechnet dann die Einkommen zusammen und berechnet die Steuer so, als würden beide exakt dasselbe verdienen.

Das kann ordentlich Geld sparen, sagt die Leipziger Steuerberaterin Constanze Kirsche-Bauerfeind. "Klassischer Fall: Der Ehemann geht Vollzeit arbeiten, hat eine sehr gute Stelle mit 60.000 bis 70.000 Euro Jahresgehalt. Die Frau geht noch 20 Stunden arbeiten, weil sie auch zwei Kinder zu Hause haben." Je höher der Einkommenssteuerunterschied sei, desto höher sei die Ersparnis im sogenannten Ehegattensplitting.

Kein Anreiz für Vollzeitarbeit des höher besteuerten Ehepartners

Der Partner mit dem geringeren Einkommen – in Deutschland ist das in der Regel immer noch die Frau – zahlt dann zwar etwas mehr Steuern, als normalerweise, insgesamt aber spart das Paar. Das sei ein Grund dafür, dass sich viele Frauen gegen einen Vollzeit-Job entscheiden, heißt es nun aus dem Finanzministerium. Stimmt, sagt Enzo Weber. Er forscht am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit. Wenn derjenige – oder eher diejenige – dann die Arbeitszeit erhöhen möchte, dann sehe sie sich sofort einer ziemlich hohen zusätzlichen Besteuerung ausgesetzt.

Sie wird also zusätzlich deutlich höher besteuert, als wenn beide Ehepartner getrennt besteuert würden. Genau das setzt den Fehlanreiz, dass Frauen auf ihrer geringen Arbeitszeit und ihren geringen Einkommen bleiben.

Enzo Weber Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung

"Bremse der Gleichberechtigung" schwer zu belegen

Das sieht Steuerberaterin Kirsche-Bauerfeind anders. Der Splitting-Tarif sei ihrer Ansicht nach überhaupt keine Bremse für Arbeitsmarkt oder Arbeitszeiten. Sie gehe von ihrer Erfahrung aus, dass die meisten Frauen aus ihrer eigenen Motivation heraus verkürzt arbeiten würden – nicht finanziell motiviert, sondern meistens familiensituationsbedingt, unabhängig vom Splitting-Tarif. Zum Beispiel, wenn die Frau mehr Zeit für die Kindererziehung haben möchte.

Die These vom Ehegatten-Splitting als Bremse der Gleichberechtigung sei schwer zu belegen, sagt auch Susanna Kochskämper vom arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft. Untersuchungen aus den USA würden das zwar nahelegen, allerdings sei es immer sehr schwer, in diesem Fall Kausalitäten herzustellen. Es liege tatsächlich daran, dass die Frau vorher nicht arbeiten wollte wegen der Besteuerung – oder sei umgekehrt so, dass die Besteuerung dazu führe, dass jemand plötzlich mehr arbeite, aber das eigentlich gar nicht dem eigenen Wunsch entspreche.

Denn um wirklich beurteilen zu können, wie die weniger verdienenden Partnerinnen sich ohne Ehegattensplitting verhalten würden, müsse man es ja erst mal abschaffen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 08. Oktober 2018 | 06:54 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. Oktober 2018, 07:12 Uhr

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25 Kommentare

09.10.2018 22:55 Steffen Häuser 25

Wenn man sagt, Ehegattensplitting würde meine Frau in Sinne der Gleichstellung von Mann und Frau benachteiligen, dann bitte auch eine Erklärung, wie meine Frau (die Zahnmedizinische Fachangestellte ist) jemals so viel wie ich, der ich ein erfahrener Ingenieur bin, verdienen soll. Das hat nichts mit Gleichstellung zu tun, sondern damit dass ein Ingenieur einfach mehr als eine ZFA verdient!

Ich bin gegen eine Abschaffung des Ehegattensplittings!

09.10.2018 18:31 Querdenker 24

@Die kleine Meerjungfrau 23

Zitat: „Sind Sie wichtig?“

So wichtig wie Sie.

Zitat: „Was meinen Sie, wieviele junge studierte Frauen ich kenne, die Medizin, Architektur, Jura, etc studiert haben und heute als treusorgendes Eheweib Beruf und Karriere an den Nagel gehängt haben, nur damit der karriegeile Liebste nicht mit der Kindererziehung 'behelligt' wird.“

Da sage ich nur: „Augen auf bei der Partnerwahl.“ Gibt nun wirklich genug Männer die für Gleichberechtigung sind. Die gleichen Chancen sind in der Partnerschaft längst Realität, wenn man es als Frau möchte. Die Auswahl von solchen Männern ist im Osten noch größer, das stimmt. Aber wir sind ja nun nicht mehr 1970. Jede Frau hat es selbst in der Hand. Die müssen in der Regel nicht „gerettet“ werden.

Vereinbarkeit von Beruf und Familie sollte natürlich ausgebaut werden. Da gibt es deutliche Defizite. Hatte ich schon mit aufgeführt (siehe mein Beitrag 11).

09.10.2018 14:42 Die kleine Meerjungfrau an Querdenker (22) 23

"Nicht mit mir!"?
Wer sind Sie?
Sind Sie wichtig?

Es geht überhaupt nicht um Geschlechterrassismus.
Es geht darum, das sich viele Frauen überhaupt bewusst werden müssen, dass sie grundgesetzlich geschützt die GLEICHEN CHANCEN haben wie ihre angeheirateten Männer und nicht zu Hause sitzen und die Kinder allein bespaßen müssen!
Schauen Sie sich mal die westdeutsche Realität an: Was meinen Sie, wieviele junge studierte Frauen ich kenne, die Medizin, Architektur, Jura, etc studiert haben und heute als treusorgendes Eheweib Beruf und Karriere an den Nagel gehängt haben, nur damit der karriegeile Liebste nicht mit der Kindererziehung 'behelligt' wird.
Das sind aber die gleichen Frauen, die dann meinen 'benachteiligt' zu sein und zu werden. Das sie sich selbst mit ihrer Haltung 'im Weg stehen' und selbst in ihre prekäre Situation gebracht haben, merken sie gar nicht.
Da hilft nur: Von Anfang an - GLEICHE CHANCEN

09.10.2018 13:03 Querdenker 22

@ Die kleine Meerjungfrau 21

Zitat: „... sondern durch steuerliche Anreize für Frauen ...“

Geschlechterrassismus in der Steuerpolitik? Nicht mit mir!

Mir schwebt so eine Art Dreistufenmodell vor, bei dem die steuerliche Begünstigung wie folgt (stark vereinfacht dargestellt) ansteigt:

Ehe > 1. Kind > 2. Kind

Wobei die Stufe „Ehe“ die kleinste steuerliche Begünstigung sein sollte. Auch um den Nachteil von Alleinerziehenden gering zu halten. Siehe hierzu auch mein Beitrag 11 bzgl. das Modell in Frankreich.

09.10.2018 08:35 Die kleine Meerjungfrau an Querdenker (18) + vtw (16) 21

Deshalb muss man das Ehehgattensplitting nicht nur abschaffen, sondern durch steuerliche Anreize für Frauen und Kinder ERSETZEN

s. Familiensplitting

08.10.2018 22:42 Arbeitende Rentnerin 20

Nr. 14, es gab in der DDR keine Rechtspflicht, voll zu arbeiten, habe es mit drei Kindern zwar auch getan, weil mein Betrieb die Möglichkeit, verkürzt zu arbeiten, nicht eingeräumt hat, andere Betriebe schon. Es gab vereinzelt auch Hausfrauen. Bin trotzdem froh, dass ich es gemacht habe, war anstrengend aber immer noch besser als das Durcheinander nach der Wende, Lehrgänge, ABM und Minijobs zu Armutslöhnen. Welches System für Frauen besser war/ist, sei dahingestellt, eine Wahl hatte man so und so nicht, eine Mutter ist immer Mensch zweiter Klasse, wird wohl nie anders werden Splitting hin oder her.

08.10.2018 16:55 Gaihadres 19

@Nr.17: Es ist gut und richtig, dass beide Partner arbeiten gehen, denn es sind auch beide an der Erziehung beteiligt - bzw. sollten es sein. Im ersten Jahr braucht das Kind zwar - biologisch bedingt - vornehmlich die Mutter, aber Erziehung ist trotzdem eine Aufgabe für zwei oder mehr Personen. Männer werden oftmals zur monetären Melkkuh degradiert, vor allem bei einer Trennung (auch hier werden Männer viel zu oft als Zahlungsunwillig dargestellt). Frauen sind finanziell abgesichert - siehe Mutterschutz, Elternzeiten, Kindergeld etc. - über die Höhe mag man streiten, aber auch hier ist es gut und richtig, dass der Staat damit einen gewissen Druck aufbaut, dass Frauen wieder in das Erwerbsleben zurückkehren. Die von Ihnen angesprochene Einkommensteilung existiert seit Jahrzehnten, es gibt schließlich mehrere Möglichkeiten eine Ehe steuerlich / rechtlich zu gestalten (bis hin zu einem Ehevertrag). Eine Ehe hat auch Einfluss auf die Höhe des Elterngeldes oder die Steuerfreibeträge.

08.10.2018 15:31 Querdenker 18

@Die kleine Meerjungfrau 15

Zitat: „NEIN! ALLE (Parteien) haben die Karre in den Dreck gefahren, da sich ALLE seit fast 70 Jahren ...“

Ich gebe zu, es kam nicht so ganz eindeutig rüber. Diese Politik, von der ich sprach, geht ja schon über Jahrzehnte und während dieser Zeit gab es so einige Regierungsparteien.

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Bezüglich Abschaffung vom Ehegattensplitting sollten die Bürger genau aufpassen, dass der Staat nicht nur Geld sparen will (siehe auch mein Beitrag 10) und es am Ende der Geburtenrate zuträglich ist.

08.10.2018 15:31 Sabrina 17

Was ist denn erreicht worden?:
dass
- heute für dasselbe Familieneinkommen beide Sexualpartner arbeiten müssen !
- ein Arbeitskräfteüberschuss herrscht, der für Lohndrückerei genutzt wird.
- Frauen heute ehemalige "Männer"-Krankheiten bekommen, also Überlastungsbedingte Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
- Frauen gezwungen sind, arbeiten zu gehen und in eine Überforderungssituation geraten, wenn sie nebenbei noch Kinder großziehen müssen.
- die Geburtenrate deshalb drastisch in den Keller gegangen ist.
.
Das Ehegattensplitting mindert die Probleme geringfügig.
.
Wichtig wäre aber, dass gesetzlich das Einkommen beider Ehe-Sexualpartner zusammengenommen wird und beiden rechtlich jeweils die Hälfte zusteht. Wer dem anderen den Rücken freihält hat ebenfalls zu dessen Einkommen beigetragen.
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Wichtig wäre, dass die Frauen im Falle des Kinderkriegens finanziell abgesichert werden. Wenn Kinderbetreuung Arbeit ist, dann muss die Gesellschaft das auch als Arbeit vergüten.

08.10.2018 14:50 vtw 16

noch ein kleiner Hinweis - siehe Wiki "Ehegattensplitting" - Bsp-Variante A+B.
Die Abschaffung desselben spült dem Staat tatsächlich mehr Steuern in die Kasse.