Gelbe Fässer für Atommüll stehen am 26.10.2011 in rund 500 Metern Tiefe im Endlager für schwach und mittelradioaktiven Atommüll in Morsleben.
Die Suche, der Bau und die Befüllung eines Endlagers wird Jahrzehnte in Anspruch nehmen. Bildrechte: dpa

Aufgabe für Generationen Endlagersuche: Wohin mit den radioaktiven Abfällen?

Ende 2022 gehen die letzten Atommeiler in Deutschland vom Netz. Doch das Kapitel Atomenergie ist damit bei Weitem noch nicht abgeschlossen. Die strahlenden Überreste der Kernspaltung werden uns noch eine Weile begleiten. Wohin also mit den radioaktiven Abfällen aus den Kraftwerken, aber auch aus medizinischen und wissenschaftlichen Anlagen?

von Max Heeke, MDR AKTUELL

Gelbe Fässer für Atommüll stehen am 26.10.2011 in rund 500 Metern Tiefe im Endlager für schwach und mittelradioaktiven Atommüll in Morsleben.
Die Suche, der Bau und die Befüllung eines Endlagers wird Jahrzehnte in Anspruch nehmen. Bildrechte: dpa

Kay Großmann steht in einer Lagerhalle inmitten von mehr als eintausend gelben Stahlfässern. Er arbeitet bei der Landessammelstelle Sachsen in Dresden-Rossendorf. Hier landen die schwach radioaktiven Abfälle aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.

Endlager in Salzgitter in zehn Jahren fertig

"Da sind einfach mal wirklich Abfallfässer, da ist der radioaktive Abfall drin. Der wird quasi von verschiedenen Ablieferern an uns abgegeben. Und dann kommt der in diese verschiedenen Behälter hinein. Das sind die 200-Liter-Fässer", erklärt Großmann. In den Fässern findet man Spritzen und Apparaturen aus der Strahlenmedizin, Laborkittel und Handschuhe aus der Forschung, und Alltagsgegenstände.

Das sind Gläser, dieser grüne Farbstoff, der hier benutzt wurde. Zu DDR-Zeiten sehr beliebt, ist mit Uran versetzt, die zeigen ihre Effekte.

Kay Großmann, Landessammelstelle Sachsen

Auch wenn die radioaktive Strahlung des Abfalls gering ist, soll dieser Müll zukünftig unter der Erde gelagert werden. Das zentrale Endlager für die schwachen radioaktiven Abfälle heißt Konrad, ist ein altes Eisenerz-Bergwerk und liegt im niedersächsischen Salzgitter. Wenn alles nach Plan läuft, soll es in etwa zehn Jahren in Betrieb genommen werden. Daran arbeitet die Bundesgesellschaft für Endlagerung.

Sichere Lagerung für eine Million Jahre

Weitaus aufwendiger ist die Suche nach einem Endlager für die stark radioaktiven Abfälle, die Brennstäbe aus Uran und Plutonium, die in Atomkraftwerken benutzt werden.

Dagmar Dehmer, Sprecherin der Bundesgesellschaft für Endlagerung, beschreibt die Anforderungen: "Das Endlager muss die hoch radioaktiven Abfälle sicher abschirmen für einen Zeitraum von einer Million Jahre, es muss in einem Gestein gebaut werden, in dem man tatsächlich auch ein Endlager errichten kann. Und wir müssen in der Lage sein, es auch sicher zu betreiben, in der Zeit, in der tatsächlich mit den Abfällen umgegangen werden muss, in der es befüllt wird."

Kristallin-, Salz- oder Tonlager

Wie man im Endlager gewährleisten kann, dass die Strahlung nicht nach außen dringt, daran forscht der Chemiker Thorsten Stumpf vom Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf.

Wenn das Endlager trocken bleibt, über eine Million Jahre, dann passiert gar nichts.

Thorsten Stumpf, Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf

Stumpf weiter: "Und das war ja auch durchaus die Idee, auf Formationen zurückzugreifen, die über lange Zeiträume trocken sind: Kristallin, Salz oder Ton. Es wird unterhalb von 400 und oberhalb von 850 Meter sein, damit es nicht zu warm wird unten. Dass es auch weit genug vom Grundwasserleiter entfernt ist."

Bis 2031 soll Standort gefunden sein

Die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) hat vor etwa einem Jahr mit einer weißen Landkarte begonnen. Nun füllt sie die Karte mit geologischen Daten aus den Regionen, in denen Salz-, Kristall- oder Tonschichten in ausreichender Mächtigkeit vorhanden sind.

Auch Daten aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen werden systematisch unter die Lupe genommen. Dann sollen Teilgebiete erkundet werden, und alle relevanten Akteure – also Politiker, Wissenschaftler und die Öffentlichkeit – in den Prozess mit einbezogen werden: 2031 soll es einen Standort geben.

Endlagersuche ist Aufgabe für Generationen

Sehr ambitioniert sei das, sagt Wissenschaftler Thorsten Stumpf: "Wir haben bisher noch nicht mal eine Eingrenzung auf ein Wirtsgestein, geschweige denn auf eine Region. Aus der Erfahrung heraus sind zehn bis zwölf Jahre nichts."

Und selbst wenn in einem guten Jahrzehnt ein Standort gefunden wird, muss das Endlager noch gebaut werden. Mindestens 80 Jahre lang. Die Endlagersuche ist eine Aufgabe für Generationen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 27. Oktober 2018 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 31. Oktober 2018, 05:00 Uhr

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1 Kommentar

31.10.2018 15:45 Fragender Rentner 1

Wieso kann diese angeblich so umweltfreundliche Technologie so etwas hinterlassen?

Na die Verursacher sind ja diese "guten Hinterlassenschaften" los !!! :-(((

Wo ist der riesen Aufschrei der Grünen ???