Covid-19 Energieversorgung in Zeiten von Corona

Die Wirtschaft schlittert womöglich in eine Rezession. Schulen und Kitas sind geschlossen, Kontakte auf die Kernfamilie reduziert. Undenkbar, was passieren würde, wenn jetzt auch noch der Strom ausfällt, die Heizung kalt bleibt. Wie gut sind die Energieversorger auf die Coronakrise vorbereitet?

von Britta Veltzke, MDR AKTUELL

Eine Windenergieanlage ist hinter Hochspannungsleitungen einer 380 Kilovolt Freileitung zu sehen.
Könnte es wegen der Coronakrise bald zu Engpässen in der Energie- und Stromversorgung kommen? Bildrechte: dpa

Könnten Sie sich vorstellen, Tage – oder gar Wochen – mit ihren Arbeitskollegen zusammenzuleben? Isolation mit der Chefin und dem Schreibtischnachbarn? Das weckt Erinnerungen an Big Brother, nur ohne Kameras und Fernsehpublikum. Ein Szenario, das für viele nach einer schlimmen Vorstellung klingen dürfte. Es ist aber eine Situation, mit der sich Angestellte von Energieversorgern gerade vertraut machen müssen.

Arbeitsplatzquarantäne für Energieversorger?

Auch hier in Mitteldeutschland, erklärt Evelyn Zaruba. Sie spricht für enviaM. Das Unternehmen versorgt rund 1,3 Millionen Kunden in Ostdeutschland mit Energie. "Eine Arbeitsplatzquarantäne unserer Mitarbeiter würde bedeuten, dass diese für eine bestimmte Zeit von der Familie und von der Außenwelt persönlich getrennt wären. Das heißt, die verleben dann ihren Alltag ohne weitere Einflüsse."

Auch die Leag setzt sich mit diesem Szenario auseinander. Der Energieversorger betreibt Braunkohletagebaue und Kraftwerke, darunter Lippendorf bei Leipzig und Boxberg in der Oberlausitz.

Vorbereitungen für den Ernstfall

Was passiert, wenn sich die Coronakrise zuspitzt? Leag-Sprecher Thoralf Schirmer erklärt: "Sollte tatsächlich der Fall eintreten, dass wir zwei Schichten zusammenziehen müssen in einem Kraftwerk, und die Kollegen dann auch in einem Kraftwerk bleiben müssen, weil wir den Außenkontakt vermeiden müssen, dann ist dort auch für Notunterkünfte gesorgt. Es stehen im Fall von Boxberg 80 Betten zur Verfügung. Wir haben auch Pakete gepackt, in denen sich das Nötigste wie Duschzeug oder Essen befindet."

Alternative Maßnahmen

Auch die Stadtwerke Leipzig haben über Arbeitsplatzquarantäne nachgedacht – und sich dann dagegen entschieden. Sprecher Frank Viereckl erläutert, warum: "Dafür wäre Grundvoraussetzung, dass wir wissen – zu 100 Prozent wissen – dass die Mitarbeiter, die sich dann freiwillig wegschließen lassen, nicht infiziert sind. Und wie will man das sicherstellen?" Es dauere zu lange, bis man durch Tests eine Infektion sicher ausschließen könne.

Wie auch die anderen Energieversorger achten die Stadtwerke Leipzig darauf, Teams nicht zu vermischen: "Schichtwechsel finden so statt, dass die sich nicht treffen. Dass die Räume zwischendurch desinfiziert werden. Dass da keine Übertragung stattfinden kann."

Stromausfall droht nicht

Doch in Einem sind sich alle einig. Vor einem Stromausfall muss sich niemand fürchten. Alles unter Kontrolle. So schätzt das auch die Bundesnetzagentur ein und teilt schriftlich mit: "Die Bundesnetzagentur nimmt die Situation ernst. Wir stehen in Kontakt zu den Netzbetreibern und lassen uns über die Lage und über Vorsorgemaßnahmen informieren. Nach unserer Einschätzung sind die Netzbetreiber bestmöglich vorbereitet, die sichere Versorgung zu gewährleisten. Eine besondere Gefährdung der Strom- und Gasversorgung ist nicht erkennbar."

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 27. März 2020 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. März 2020, 05:00 Uhr