Keine staatlichen Hilfen gefordert Bilanz: Hohe Ernteausfälle in Mitteldeutschland

Bei der Ernte gibt es in Deutschland große regionale Schwankungen. Besonders schlecht waren die Erträge in Mitteldeutschland. In Sachsen-Anhalt hat der regionale Bauernverband schon Zahlen vorgelegt, die Verbände in Sachsen und Thüringen wollen in den kommenden Tagen nachziehen. Zudem forern die Bauern keine Ad-hoc-Hilfen, sondern langfristige Krisenhilfen.

Dürre, Starkregen, Hitze: Die deutschen Bauern klagen wegen schwieriger Witterungsverhältnisse über Ernteausfälle. Wie der Bauernverband am Freitag bilanzerte, lag die Menge bei der Getreideernte sechs Prozent unter dem Durchschnitt der Jahre vor 2018. In diesem Jahr wurden 45 Millionen Tonnen Getreide eingefahren.

Der Deutsche Bauernverband verwies auf sehr große regionale Unterschiede. Bauernpräsident Jochaim Rukwied sagte in Berlin, besonders Mittel- und Ostdeutschland sowie Teile Norddeutschlands seien von den Ernteeinbußen stärker betroffen als andere. Dort seien teils geringere Erträge eingefahren worden als noch 2018. Grund dafür seien Hitze und Trockenheit aber auch die fehlende Winterfeuchte im Boden, von der man 2018 noch habe profitieren können. Bayern und Baden-Württemberg hätten dagegen gute Durchschnittsernten gehabt.

Bis zu 70 Prozent weniger geerntet

Der Präsident des Sächsischen Landesbauernverbandes, Wolfgang Vogel, sagte MDR AKTUELL, die größten Verluste in Mitteldeutschland hätten der Raum Delitzsch und Eilenburg als auch Teile von Sachsen-Anhalt zu verzeichnen. Die Bauern dort hätten so ein trockenes Jahr erlebt, wie noch nie und teils bis zu 70 Prozent weniger geerntet als im Vorjahr.

So ein trockenes Jahr, wie dieses Jahr, haben die Bauern in diesen Regionen noch nicht erlebt. Dort sind die Erträge mehr als unterdurchschnittlich. Die Bauern haben teilweise 60 bis 70 Prozent weniger geerntet und das tut richtig weh.

Wolfgang Vogel Präsident des Sächsischen Bauernverbandes

Vogel sagte weiter, ein Teil der Bauern überlege, ihren Job an den Nagel zu hängen, sollten sie noch einmal ein solch trockenes Jahr erleben. Ein anderer Teil der Bauern habe Land verkauft, um mit den Erlösen die eigene Produktion zu stabilisieren.

Wie sieht die Lage in Mitteldeutschland aus?

Der Bauernverband in Sachsen-Anhalt sprach von einer "unbefriedigenden Getreideernte". Nur punktuell sei genug Regen gefallen. Dagegen seien die Regionen Anhalt, Halle sowie die Querfurter Platte bis in den Burgenlandkreis außerordentlich stark von der Trockenheit betroffen gewesen. Die Erträge bei der Getreide- und Rapsernte seien teils noch hinter denen aus dem Vorjahr zurückgeblieben. Auch die Qualität habe gelitten: So sei der Ölgehalt im Winterraps nicht so hoch wie gewünscht, im Getreide sei der Nährstoffgehalt geringer.

Ein Landwirt steht auf einem vertrockneten Feld, auf dem nur wenige Maispflanzen wachsen
Ein Landwirt steht auf einem vertrockneten Feld, auf dem nur wenige Maispflanzen wachsen Bildrechte: dpa

Die Ernte von Mais, Zuckerrüben und Kartoffeln steht in den betroffenen Regionen noch aus. Das Bauernverband Sachsen-Anhalt hat allerdings nur wenig Hoffnung. Der Mais sei durch die Trockenheit sehr geschädigt, so dass sich die Kolben nicht richtig ausbilden konnten. Der Mais ist für die Tierfutterreserven wichtig.

Die Bauernverbände in Sachsen und in Thüringen wollen ihre konkreten Ernteergebnisse erst in den nächsten Tagen präsentieren.

Steuerfreiheit für Risikorücklagen gefordert

Verbandschef Rukwied betonte, dass sein Verband keine staatlichen Hilfen für die Ausfälle fordere. Er plädierte jedoch für eine steuerfreie Risikoausgleichsrücklage, mit der Bauern in guten Jahren Reserven für schlechte Jahre bilden könnten. Außerdem forderte er eine Anschubfinanzierung durch Bund und Länder, um eine Versicherung für dürrebedingte Ernteausfälle auf die Beine zu stellen. Sachsens Bauernpräsident Vogel sagte MDR AKTUELL, man müsse so schnell wie möglich Versicherungen für Bauern schaffen, um die Verluste abzufedern. Hier sei es bereits "fünf Minuten nach 12".

Obsternte: Sächsische Bauern zufrieden

Besser lief es in diesem Jahr für die Obstbauern. Trotz der Wetterschwierigkeiten sind die sächsischen Bauern zufrieden, teilte der Landesverband Sächsisches Obst mit. Der Verband rechnet mit rund 700 Tonnen Süßkirschen, das sei ein "recht vernünftiges Ergebnis". Auch mit den erzielten Preisen der Kirschen sind die Bauern zufrieden - trotz der Konkurrenz aus Griechenland und der Türkei.

Erdbeerpreis vom Einzelhandel zu niedrig

Frisch geerntete Erdbeeren in den Händen einer Erntehelferin
Frisch geerntete Erdbeeren in den Händen einer Erntehelferin. Bildrechte: IMAGO

Beim Erdbeerpreis, den der Einzelhandel den Bauern dieses Jahr zahlte, hätte sich der Verband dagegen etwas mehr gewünscht. Für das Kilo seien teilweise nur etwa zwei Euro gezahlt worden. Besser waren die Hofverkäufe. Hier hielt sich der Preis stabil bei vier bis sechs Euro. Selbstpflücker hätten drei bis vier Euro gezahlt. Deswegen geht der Verkauf an den Einzelhandel nach Angaben von Verbandschef Udo Jetzsch zurück. Die produzierte Menge – in diesem Jahr rund 1.900 Tonnen Erdbeeren – bliebe aber insgesamt konstant.

Die Pflaume hat dagegen dieses Jahr unter der Trockenheit gelitten. Laut Verband ist die Ernte zwar nicht abgeschlossen, doch schon jetzt sei klar, dass die Früchte deutlich kleiner als üblich ausfielen. Dafür seien sie aber auch süßer. Am 30. August startet außerdem die Apfelernte.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL FERNSEHEN | 23. August 2019 | 10:55 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. August 2019, 14:11 Uhr

3 Kommentare

ElBuffo vor 4 Wochen

Hm, komisch, das ausgerechnet Obst so gut gediehen ist. Gerade Erdbeeren oder Kirschen kommen ja prima ohne Wasser aus. Oder bauen diese Obstbauern nur das richtige für ihren Acker und ihre Region an?

kennemich vor 4 Wochen

Bei der mittlerweile vorherrschenden Monokultur, bleibt leider so etwas nicht aus.

Da redet man von Fruchtfolge, wenn auf Raps dann Mais folgt.

Zuckerrüben lohnen sich auch nicht mehr und die Kartoffeln kommen aus Ägypten.

Keine Bereicherung mehr vor 4 Wochen

Wer kann mir ein Jahr sagen, wo die Bauern nicht gejammert haben? Da, wo ich wohne, da steht der Mais über 2m hoch!
Die Ernte von Weizen war auch normal und das ist in Mitteldeutschland, wo bzw. in welchen Gemeinden soll der Ernteausfall so gravierend sein?
Ich kenne 2 Bauern, wo ich Kartoffeln kaufe, die mir sagten, das die Kartoffelernte sogar gut ist. Das Gejammer hat nur ein Ziel, höhere Preise und mehr Subventionen, das ist alles.

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