Jahresbericht Ernte etwas besser - Waldschäden dramatisch

Nach dem extremen Dürrejahr 2018 ist die Ernte in diesem Jahr etwas besser ausgefallen. Doch dem Wald geht es schlecht: Agrarministerin Klöckner zufolge sind mehr als 100.000 Hektar geschädigt, die Lage sei "dramatisch".

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) zeigt neben Andreas Bolte, Leiter des Thünen-Instituts, den amtlichen Erntebericht 2019 auf einer Pressekonferenz zur Vorstellung des Berichts im Bundeslandwirtschaftsministerium.
Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) stellt den neuen Erntebericht vor. Bildrechte: dpa

Die diesjährige Ernte ist etwas besser ausgefallen als im extremen Dürrejahr 2018. Das Bundesagrarministerium rechnet in seinem Bericht für 2019 mit einer Getreide-Erntemenge von rund 44,7 Millionen Tonnen. Das sind 18 Prozent mehr als im Vorjahr, aber weniger als im Durchschnitt der Jahre 2013 bis 2018.

Die Erträge bei Getreide und Raps liegen demnach um rund drei Prozent unter dem Mittel der Jahre 2013 bis 2018. Diese Einschätzung deckt sich weitgehend mit den jüngsten Zahlen des  Bauernverbandes. Bestätigt werden auch große regionale Unterschiede.

Sorgenkind Raps

Besonders der Rapsanbau leidet unter der Trockenheit, viele Bauern verzichteten auf die Rapssaat. Mit rund 857.500 Hektar wurde demnach in diesem Jahr die  kleinste deutsche Rapsanbaufläche seit 1996 registriert. Die erwartete Rapsernte von knapp 2,9 Millionen Tonnen liegt mehr als 40 Prozent unter dem sechsjährigen Durchschnitt.

Bundesagrarministerin  Klöckner zufolge müssen sich die Landwirte verstärkt auf den Klimawandel einstellen. Dürrehilfen wie im vergangenen Jahr werde es angesichts der Zahlen und Daten diesmal "nicht geben können".

Klöckner: "Dramatische" Waldschäden

Bundesagrarministerin Julia Klöckner wertete die aktuell großflächigen Waldschäden in Deutschland als "dramatisch" und sprach von einer "Zäsur". Nach zwei Dürrejahren seien bereits mehr als 110.000 Hektar geschädigt.

Klöckner sprach am Donnerstag mit Vertretern verschiedener Branchen- und Fachverbände, um über das Ausmaß der Schäden sowie Maßnahmen zur Wiederaufforstung und zum Waldumbau zu sprechen. Dabei waren unter anderem Waldbesitzer, Naturschützer sowie Organisationen der Holzwirtschaft und der Jägerschaft.

Keine Dürrehilfen für Waldbesitzer

Klöckner zufolge haben die Branchenvertreter "viele verschiedene Wünsche geäußert", die nun "wissenschaftlich bewertet" würden. Klöckner sagte: "Es geht hier nicht um Dürrehilfen für Waldbesitzer." Der Umbau des Waldes werde sich über Jahrzehnte ziehen. Sie selbst stehe für "standort- und klimaangepasste Mischwälder". Das Ministerium werde dazu bis zum nationalen Waldgipfel im September Leitlinien erarbeiten.

Ich bin optimistischer nach diesem Treffen, dass sich tatsächlich was für naturnahen Wald in Deutschland bewegt, denn das war Konsens: Unsere Wälder müssen naturnäher werden.

BUND-Chef Hubert Weiger nach dem Treffen mit Klöckner

Eine Milliarde Setzlinge - aber zu wenig Forstpersonal

Klöckner zufolge ergab das Treffen, dass die Baumschulen rund eine Milliarde Setzlinge zur Wiederaufforstung der zerstörten Waldflächen bereitstellen könnten. Jedoch bereite ein "Engpass" beim Forstpersonal Schwierigkeiten. Einige Bundesländer hätten einen Einstellungsstopp verhängt.

Mögliche Hilfsgelder sollen Klöckner zufolge "unbürokratisch fließen". Der Deutsche Forstwirtschaftsrat hatte zuvor von der Bundesregierung zwei Milliarden Euro an Finanzhilfe gefordert.  

Die Grünen erneuerten ihre Forderung nach einem "Waldzukunftsfonds" des Bundes über eine Milliarde Euro und eine Vergabe der Gelder nach ökologischen Kriterien. Die Linke im Bundestag sprach sich gegen staatliche Hilfen für adelige Waldbesitzer aus.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 29. August 2019 | 17:00 Uhr

5 Kommentare

vtw vor 40 Wochen

Ich liebe diese Berichterstattung des MDR
Wald: 110000 Hektar geschädigt - Waldfläche in D 11,4 Mio Hektar,
ca 1 % Wald geschädigt und 99 % nicht geschädigter Wald !!!
Raps: Zwischenüberschrift : "Sorgenkind Raps" , Anbaufläche deutlich geringer,
jedoch kein Hinweis zu den Hektarerträgen in dem Zeitraum
Was ist die Absicht des mdr ?
Mein Resümee: Mit Halbwahrheiten den Menschen ein schlechtes Gewissen einreden oder ?

MaP vor 40 Wochen

Diese Monokultur Raps in den letzten Jahren war sowieso ein Unding und nur dem totgeborenen Kind "E10" geschuldet (Wer tankt das eigentlich noch, da doch selbst die Autowerkstätten davor warnen?).
Dafür sollte besser Tierfutter angebaut werden, um auf sojahaltiges Futter verzichten zu können. Das wäre besser als vom Verbraucher Fleischverzicht zu fordern.

pkeszler vor 40 Wochen

Schon vor über 50 Jahren war die Umwandlung von Monokulturen bei den Wäldern in Mischwälder ein Thema. Das war schon zu meiner Studienzeit in der DDR ein aktuelles Thema. Geschehen ist aber wahrscheinlich nicht viel. Wenn man bedenkt, dass Buchen und Eichen langsam wachsen, dann muss jetzt etwas geschehen.