Zwei Hände halten mehrere Euro-Banknoten.
Wie steht es um Löhne von Fachkräften und Helfern sowie den Lebenshaltungskosten in Ost und West? Bildrechte: Unsplash/Christian Dubovan

Lohnunterschiede Ost-Fachkräfte vs. West-Helfer: Diskussion um ungleiche Löhne

Zwischen den Löhnen in Ost- und Westdeutschland klafft eine große Lücke. Die Partei die Linke hat einen Plan vorgelegt, wie die Wirtschafts- und Lebensverhältnisse im Osten an den Westen angeglichen werden können. Dass es immer noch große Unterschiede gibt, zeigt auch eine Anfrage der AfD-Fraktion im Bundestag. Sie wollte wissen: Stimmt es, dass Hilfskräfte im Westen teilweise mehr Geld verdienen, als die besser qualifizierten Fachkräfte im Osten?

von Linda Schildbach, MDR AKTUELL

Zwei Hände halten mehrere Euro-Banknoten.
Wie steht es um Löhne von Fachkräften und Helfern sowie den Lebenshaltungskosten in Ost und West? Bildrechte: Unsplash/Christian Dubovan

Eines vorweg: Insgesamt verdienen ostdeutsche Fachkräfte im Schnitt nicht weniger als westdeutsche Helfer, also Arbeiter ohne Bildungsabschluss oder mit nur einjähriger Berufsausbildung. Dennoch ist der Unterschied zwischen den beiden Gruppen nur gering. Gerade einmal 113 Euro mehr beträgt das mittlere Bruttomonatsentgelt für sozialversicherungspflichtige vollzeitbeschäftigte Fachkräfte im Osten.

Unterschiede können mehrere hundert Euro betragen

Das ist der Mittelwert. Sieht man sich die einzelnen Berufsfelder an, stehen die ostdeutschen Fachkräfte in 68 Prozent der Tätigkeitsfelder schlechter da. Steffen Müller vom Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle sagte dazu MDR AKTUELL:

Die Berufsgruppen, bei denen ostdeutsche Fachkräfte weniger verdienen als westdeutsche Helfer, ziehen sich quer über alle Branchen. Es betrifft in erster Linie technische Berufe, aber auch Maschinen und Fahrzeugführer.

Steffen Müller, Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH)

Der Unterschied kann sogar mehrere hundert Euro betragen. Am stärksten betrifft es die sogenannten "gebäude- und versorgungstechnischen Berufe". Hier verdient ein Helfer im Westen ganze 569 Euro mehr als eine Fachkraft im Osten – wobei hier nicht Spezialisten gemeint sind, sondern Personen mit Berufsausbildung ohne Leitungsfunktion. 

Wirtschaftsforscher Müller zufolge muss man bei den Zahlen allerdings bedenken, dass die Lebenserhaltungskosten im Osten natürlich deutlich geringer seien als in Westdeutschland. Und dadurch sei die Kaufkraft der ostdeutschen Fachkräfte am Ende des Tages auch deutlich höher als die Kaufkraft der westdeutschen Helfer, erklärt er.

"Ungleiche Löhne spalten die Gesellschaft"

Für den Thüringer AfD-Bundestagsabgeordneten Jürgen Pohl sind die Ergebnisse dramatisch. Er sagte MDR AKTUELL:

Letztendlich werden die ostdeutschen Arbeitnehmer um ihren gerechten Lohn betrogen. 30 Jahre nach der Wende sind wir immer noch so weit, dass die Ostdeutschen Arbeitnehmer massiv weniger verdienen als die westdeutschen Arbeitnehmer. Und ich sage Ihnen, sowas spaltet die Gesellschaft.

Jürgen Pohl, Thüringer AfD-Bundestagsabgeordneter

Er sieht als Ursache für die Ungleichheit die Treuhandanstalt. Sie habe damals die Betriebe zerschlagen und Billiglöhne ermöglicht. Die AfD fordert deshalb einen Untersuchungsausschuss. Pohl appelliert zudem an die Beschäftigten im Osten, für einen anständigen Lohn zu kämpfen: "Wir brauchen eine stärkere gewerkschaftliche Organisation der Arbeitnehmer. Nur ein starker gewerkschaftlicher Gegenpart zum Arbeitgeber kann einen Wohlstandslohn produzieren, den wir hier in Mitteldeutschland brauchen."

Signal aus der Politik gefordert

Auch der Wirtschaftsforscher Müller findet, dass es für eine spürbare Anhebung der Löhne der Osten mehr Tarifverträge, mehr betriebliche Mitbestimmung und auch eine Erhöhung der Produktivität bräuchte.

Und AfD-Abgeordneter Pohl sagt, ebenso müsse die Politik ein Signal setzen. Sie könne zum Beispiel das Vergaberecht ändern und mehr Anreize für die Wirtschaft durch Steuern sowie Investitionen setzen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 24. Mai 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. Mai 2019, 05:00 Uhr

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26 Kommentare

26.05.2019 21:44 Radibor 26

Eine typische Nonsensanfrage der AfD um Geschäftigkeit vorzutäuschen und Stimmung zu machen. Wir armen Ossis werden schlechter bezahlt wie die geringer qualifizierten Wessis lautet die Story, die leider hinten und vorne nicht stimmt.

Näher an der Wahrheit ist wohl, dass das Lohnniveau in vielen Regionen im Westen höher liegt, weil dort eine andere Wirtschafts- und Tarifstruktur vorliegt. Für die marode Ostwirtschaft nach der Wende und die fehlende Bereitschaft im Osten Gewerkschaften beizutreten kann der Westen wohl kaum etwas. Trotzdem findet man immer wieder einen gewissen Prozentsatz Menschen im Osten, die sich einreden lassen, dass der böse Westen oder alternativ die Ausänder schuld an allem sind, was nicht rund läuft. Was machen nur die eigenen Landesregierungen und Politiker die man selbst seit 3 Jahrzehnten wählt? Was haben die wohl mit den Billionen an Transferleistungen angestellt?

26.05.2019 17:03 Atze 25

@Mediator:
" Entsprechend hat man die Ursachen analysiert und entsprechende Schlussfolgerungen gezogen. "
(Das bezog sich bei Ihnen auf Bayern.)

Ja, solange in Bayern u.a. die Waffen vom Band laufen und exportiert werden, ist Bayern ein reiches Bundesland.
Das wird D. trotzdem nichts nützen, denn die Ressourcen der Erde sind endlich und Kriege bringen uns nicht nur in Europa schnell an den Kollaps. Das haben schon die Kinder kapiert und gehen jeden Freitag demonstrieren und tausende Wissenschaftler sehen es kommen.Trotzdem einen schönen Wahlsonntag von mir an Sie. MfG

26.05.2019 15:32 Mediator an Atze (22) 24

Lieber Atze, ich kann sie nicht daran hindern, wenn sie in dem bildlichen Ausdruck "am Arsch der Welt" einen passenden Vergleich für den Osten unseres Landes erkennen. Wenn sie meinen Beitrag Nr. 20 jedoch genau lesen, dann erwähne ich darin weder den Osten noch den Westen bei diesem Vergleich.

Ich rede von strukturschwachen Regionen in der Peripherie, in denen es keine starke Industrie gibt. Es ist einfach immer andere für eigene Probleme verantwortlich zu machen, aber das bringt einem leider keinen mm weiter. Auch in Bayern gingen ganze Industriezweige den Bach runter, nur konnte da keiner aus der Porzellan, Glas und Textilindustrie einer Treuhand die Schuld geben. Entsprechend hat man die Ursachen analysiert und entsprechende Schlussfolgerungen gezogen.

Das sollte man im Osten auch einmal tun, denn sonst jammert man im Jahr 2050 immer noch, dass man eigentlich toll wäre, hätte der Russe nicht alles mitgenommen und die Treuhand den Rest zerstört.

26.05.2019 14:13 Jana 23

Herr Pohl von der AfD tut dies was seine Partei am besten kann - Hass, Neid und Mißgunst schüren - und gleichzeiti outet er sich als ein populistischer Schwätzer, der sich völlig von der Realpolitik abgekoppelt hat. Was soll bitte ein gerechter Lohn sein? Selbst in der gleichen Stadt verdient man bei gleicher gleicher Ausbildung äußert unterschiedlich, je nachdem ob man bei, Staat, der Industrie, einem sozialen Arbeitgeber oder einem Handwerksbetrieb angestellt ist. Unterschiedliche Lebenshaltungskosten scheinen für Herr Pohl auch ein Fremdwort zu sein, genauso wie die Mechanismen der Marktwirtschaft. Wenn wie in Ingolstadt, wo die Menschen in D im Schnitt am meisten verdienen, ein Konzern wie Audi Spitzenlöhne zahlt, dann muss da auch der Handwerker nachziehen, wenn er eine Chance haben will.

Niemand hindert die ostdeutschen Länder Unternehmen im Bereich der Spitzentechnologie zu fördern um die Arbeitsplätze der Zukunft zu schaffen, statt weiter an der Braunkohle zu kleben.

26.05.2019 13:46 Atze 22

@Mediator: "Am Arsch der Welt.... ", so haben Sie direkt oder zu mindestens indirekt den Osten bezeichnet.
Ist alles nicht zielführend. Auch wenn ihr bisheriges Gesellschaftssystem länger überlebt hat,so stehen Die und quasi praktisch auch ich, auf der Verliererseite. Denn so geht es nicht mehr lange weiter und ohne Wendung in eine andere Richtung brauchen wir im Osten auch nicht mehr zu verdienen und Sie im Westen auch nicht. Was macht es schon angesichts von Klimawandel, ob ich etwas mehr in der Lohntüte habe? Das ist jetzt noch ein Thema, aber wenn Sie der Hitzschlag trifft oder durch die Dürren nichts mehr auf den Teller kommt....Sie und Viele denken einfach zu kurz...MfG

26.05.2019 11:50 Simone 21

Mal ein paar Fakten für die Diskussion:

1. Im Osten verdient man im Schnitt tatsächlich weniger!

2. Im Osten kostet das Leben im Schnitt ca. 10-15% weniger als im Westen.

3. Punkt 1. und 2. gleichen sich nicht ganz aus, so dass man im Osten im Schnitt weniger Kaufkraft existiert.

4. Gründe für niedrigere Löhne sind:
a. wenige Industriebetriebe die gut zahlen
b. viele Dienstleister
c. fehlender Lohndruck aus der Industrie auf andere Wirtschaftsbereiche in der Region
d. geringe Tarifbindung

Also keine fiese Verschwörung gegen den Osten, sondern um wesentlichen die gleichen Faktoren wie in strukturschwachen Regionen im Westen.

In Gewerkschaften einzutreten die gute Löhne aushandeln wäre sicher zielführender als einen auf Jammer-Ossi zu machen und zu hoffen ein Politiker erbarmt sich dann und gestaltet die Wirtschaftsstruktur Deutschlands komplett um.

26.05.2019 11:01 Mediator 20

Die Fragestellung ist doch bereits grundlegend falsch! Je nach Region verdienen Fachkräfte, egal wo sie ausgebildet wurden, unterschiedlich viel Geld. Das liegt schlicht und ergreifend an der unterschiedlichen Verfügbarkeit von Arbeitskräften, einer unterschiedlichen Wirtschaftsstruktur und unterschiedlichen Lebenshaltungskosten.

Am Arsch der Welt, an dem es keine Jobs und keine nennenswerte Industrie gibt, kann ich nicht erwarten trotz gleicher Ausbildung genau soviel zu verdienen wie der gleich qualifizierte Kolleg im Industriebetrieb einer Boomregion.

Willkommen in der Marktwirtschaft Deutschlands, die im Gegensatz zum Sozialismus bereits 3 Jahrzehnte länger überlebt hat und sehr erfolgreich ist. Klar ist das für DDR-Nostalgiker ein Schock, war man es doch gewohnt, dass nicht Angebot und Nachfrage, so etwas dynamisch regeln, sondern eine Clique alter Herren, die sich mit sozialen Wohltaten an der Macht hielten, bis der Staat pleite war.

26.05.2019 09:10 colditzer 19

"Wirtschaftsforscher Müller zufolge muss man bei den Zahlen allerdings bedenken, dass die Lebenserhaltungskosten im Osten natürlich deutlich geringer seien als in Westdeutschland."

So, wo geht der gute Mann den tanken?
Wo geht der gute Mann einkaufen?
Man darf nicht den Rest der BRD mit München, Stuttgart oder Düsseldorf vergleichen.
Auch in anderen Teilen Westdeutschlands lebt man gut und preiswert.
Die Preise der Ketten Lidl, Aldi , Edeka u.a. sind in der Regel gleich, egal wo.
Und der Treibstoffpreis wird zentral geguliert.
Im Osten meist noch teurer.
Und Strom ist im Osten generell teurer.
Nur die Löhne sind generell niedriger.
Egal auf welcher Ebene.
Was schwafeln diese selbsternannten Spezialisten eigentlich?

26.05.2019 09:09 Michael 18

Natürlich hat im Westen Jeder, welcher dort arbeitet am Ende mehr Netto zur Verfügung als im Westen.
Wenn ich Dresden und Köln vergleiche, Miete für die Vergleichbare Wohnung fast gleich. Strom , Wasser , Gas,Abwasser, Versicherungen sind in Dresden sogar teurer. Dafür verdient man natürlich gern 30% weniger.
Ich kann verstehen das man nicht überall das selbe verdienen kann und muss, aber ein Hilfsarbeiter sollte immer im selben Beruf in ganz Deutschland weniger verdienen als eine Fachkraft, aber leider ist das nicht der Fall.

25.05.2019 19:55 Fragender Rentner 17

Das ist mehr als beschähmend, dass es noch solche Unterschiede in Deutschland gibt.