Freie Stellfläche an Ladestation für Elektrofahrzeuge mit einem Pictogramm, das ein Auto mit einem Stecker stilisiert.
Bildrechte: imago/Peter Endig

Faktencheck Wie "öko" sind Elektroautos wirklich?

Wie umweltfreundlich sind eigentlich Elektroautos? Eine schwedische Studie sagt, sie sind genauso umweltfreundlich wie Benziner, wie Verbrennungsmotoren. Die Herstellung der Akkus sei so energieintensiv, dass sich ein positiver Effekt beim CO2-Ausstoß bei einer Luxuslimosine wie dem Tesla Model S erst nach acht Jahren, bei einem kleinen E-Mobil erst nach drei Jahren ergebe. Ist das wirklich so?

von Karsten Möbius, MDR AKTUELL

Freie Stellfläche an Ladestation für Elektrofahrzeuge mit einem Pictogramm, das ein Auto mit einem Stecker stilisiert.
Bildrechte: imago/Peter Endig

Ja, das ist tatsächlich so, sagt Lars Mönch vom Umweltbundesamt: "Jetzt im Moment gehen wir davon aus, dass hinsichtlich der reinen CO2-Emission pro Kilometer die Elektromobilität etwa so gut ist wie sparsame Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren."

Kohlestrom ist das Problem

Das heißt, ein SUV mit Elektromotor trägt unter dem Strich einen größeren CO2-Rucksack als ein kleiner Mittelklassewagen mit Benzin oder Dieselantrieb. Das liegt zum einen an der Herstellung der Akkus, erklärt Prof. Udo Becker, Verkehrsökologe an der TU Dresden: "Ja, in der Produktion verbrauchen die wirklich unglaublich viel Energie." Und da ist zum anderen die Energie, aus der unser heutiger Strom hergestellt wird: "Solange wir den Strom mit ganz normalen, also auch mit unseren sächsischen Braunkohlekraftwerken erzeugen, haben die auch keinen Klimaschutzbeitrag. Elektroautos sind zum jetzigen Zeitpunkt nicht die Lösung, das ist tatsächlich so."

Umweltbundesamt: Mehr Strom aus regenerativen Quellen

Die Experten stimmen dieser Momentaufnahme der schwedischen Studie also komplett zu. Für Lars Mönch ist das aber zu kurz gedacht "Elektromobilität kann ihre Vorteile erst wirklich dann ausspielen, wenn der Strom regenerativ zur Verfügung gestellt wird." Insgesamt würde mit Elektromotoren und grünem Strom auch der Gesamtenergiebedarf sinken: "Es ist die höhere Effizienz von Elektrofahrzeugen gegenzurechnen, weil ich etwa nur ein Viertel des End-Energiebedarfs benötige. Da meinen wir eben, der Strombedarf ist nur ein Viertel vom Rohölbedarf."

Andere Verkehrspolitik nötig

Um Elektrofahrzeuge wirklich umweltfreundlicher als Verbrennungsmotoren zu machen, sind für Prof. Udo Becker von der TU Dresden drei Dinge notwendig: "1.: Wir brauchen sehr viel mehr regenerativ erzeugte Energie. 2. Wir brauchen Fortschritte beim Recycling. Die Hersteller müssen die Batterien immer und immer wieder verwenden können. 3. Wir brauchen eine völlig andere Verkehrspolitik. Wir müssen nicht Verkehr fördern, sondern Nähe."

E-Motoren können aufholen

Lars Mönch vom Umweltbundesamt weiß, dass derzeit am Recycling von Akkus intensiv geforscht wird. Aus seiner Sicht verschiebt sich die Ökobilanz immer weiter zugunsten des Elektromotors: "Insofoern ist aus unserer Sicht die Gesamtbilanz positiv, weil natürlich der Energiebedarf sinkt und auch die Rohstoffbedarfe mittelfristig durch Recyclingkreisläufe befriedigt werden können."

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 04.07.2017 | 06:23 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. August 2018, 11:06 Uhr

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33 Kommentare

02.08.2018 16:40 Fragender Rentner 33

Nun tut nicht so als wenn die Herstellung der Autos so ohne CO2 erfolgen könnte und was geschied bei der Entsorgung dieser Autos?

Wie wird das Zeug für die Akkus gewonnen und wieviel CO2 wird da verbraucht?

Ihr dürft nicht nur das reine farhren sehen, sondern alles ringsherum!

Wie wenn man von nachwachsenden Rohstoffen redet, dann spricht auch niemand über das alles was vorher und hinterher benötigt wird!

02.08.2018 16:31 Fragender Rentner 32

Na wenn sie fahren, dann gibt es noch den Bremsenabrieb und den Reifenabrieb und ein paar andere Kleingkeiten die bestimmt auch noch auftreten.

Das Fahren über längere Strecken wenn es Kalt oder Eisig ist wird bestimmt auf einer lägeren Strecke lustig, wenn man des öffteren an die Ladesäule muß und hoffentlich kann man mit jeder auch aufladen und das Bezahlen klappt.

Bei der jetzigen Wärme muß bestimmt auch die Klimaanlage laufen, da wird der Strom in den Akkus auch schnell abnehmen.

05.07.2017 18:30 Eulenspiegel 31

Hallo Der Aufklärer. Einkleinre Tipp von mir lesen sie mal den Beitrag von Knut Kornatz 15. Und dann überdenken sie das ganze noch ein mal.

05.07.2017 18:18 Eulenspiegel 30

Tatsächlich exportieren wie erheblich mehr Strom als wir importieren. Deutschland ist seit Jahrzehnten das Land in Europa das mit Abstand den größter Exportüberschuss hat. Frankreich ist z.B. auf unsere Stromlieferungen angewiesen

05.07.2017 18:15 Eulenspiegel 29

Hallo Altmeister 50. Wer von der einen Technologie zur Energiegewinnung überzeugt und glaubt damit können wir alle Energieprobleme der Zukunft lösen der träumt. Wir brauchen ein breite Spektrum an Energieträgern die unerschöpflich sind. Dazu kommt Biogas da ständig große Mengen Bioabfall anfällt. Sonne Wind und Wasserkraft bieten sich da an. Wussten sie das alleine in den Ausbau der Windenergie weltweit mehr investiert wird als in Kohle und Kernkraftwerke zusammen. In wie weit die Fusion (ITER) mal eine Rolle spielen wird das werden wir dann sehen wenn sie zur Verfügung steht und wir in der Lage sind alle Chancen und Risiken abzuwiegen. Eine blinde und naive Technologiegläubigkeit, wie sie sie ausstrahlen, hatten wir mal und die nachfolgenden Generationen haben die Probleme.
Hallo Der Aufklärer. Es stimmt zwar das wir Strom importieren. Da geht es aber nur um Regionalbereiche in Grenzgebieten. Tatsächlich exportieren wie erheblich mehr Strom als wir importieren.

05.07.2017 12:16 Der Aufklärer 28

Solang die Energieversorgung, nicht rein aus Wind, Wasser,Sonne kommt sind E-Autos nicht zu empfehlen.
Wir beziehen den Strom teils vom Ausland weil Atom
Strom hier abgeschafft wird (Dank Grüne Partei)
Wir Zahlen eine menge Geld für Strom, der noch aus Kohlekraftwerken kommt, was soll da Öko sein?

05.07.2017 10:06 Altmeister 50 27

Sehr geehrtes mdr- team,
aus meiner Sicht sollte die kontroverse Diskussion dahingehend erhellt werden, dass man die aktuellsten Erkenntnisse zur Effektivität der Wind- und Solarenegie und notwendiger Backup- Kraftwerke sowie den derzeitigen Entwicklungsstand der Energiegewinnung aus ITER, LENR vermittelt.
Ich würde mich freuen, sollten Sie sich dieser Problematik annehmen.

05.07.2017 08:49 Ekkehard Kohfeld 26

@ Knut Kornatz 15 Ich bin geschockt von der Verbrenner Lobby hier.Jeder sollte folgendes wissen und mal wirklich mit gesundem Menschenverstand folgendes bedenken:##Haben sie den Bericht oben eigentlich nicht gelesen??So blind kann man doch nicht sein oder?

05.07.2017 08:45 Wutbürger 25

2. Was wäre also das Beste für diesen schönen Planeten "Erde"??? Es gibt eine Lösung und die kostet sogar weniger! Ganz einfach: JEDER schränkt seinen Konsumwahn ein wenig ein. Die Protzkarre alle 3 Jahre wegen der Nachbarn und Kollegen muss nicht sein. Der Urlaub muss nicht auf Megaverschmutzern wie Kreuzfahrtschiffen oder per Jumbojet stattfinden. Die kleinen Wege zu Fuß machen, hält auch noch gesund. Hat keiner mal nachgedacht, warum die Banken und der Handel uns Billigstkredite hinterherwerfen zum Konsumieren? Wundert sich niemand, daß mittlerweile jeder .... einen Kredit hinterhergeworfen bekommt? Bsp. Auto: 30000,-Anz. 0,- Zins 0% Rate 150,- Restrate 18000... Anders ist der Wachstums-"Berg zu Babel" nicht mehr zu stemmen. Dennoch wächste er unaufhörlich...wächst und wächst...und platzt. Die finanzierten Dinge? Nichts mehr wert. Gilt erst recht für Immos! Wie gesagt: Nicht OB, nur Wann ist die Frage.

05.07.2017 00:23 part 24

Es wurde noch vergessen zu erwähnen das die Atomstromkonzerne dank unserer Volksvertreter jetzt für die läppische Summe von 24 Milliarden Euro für die Zukunft von allen Risiken der Atomstromerzeugung befreit wurde, die Bundesregierung trägt jetzt die Schuldlast der Endlagerung, dem Abriss alter Meiler und Endlagerung von kontaminierten Material sowie die Risiken von schweren Unfällen. Damit wird der umweltpolitische Rucksach für einen E- Karren natürlich noch größer als vermutet, nachden schon die Brennelementesteuer wieder gekippt wurde.

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