Diskussion über Böllerverbot Feuerwerksindustrie hofft trotz Corona auf guten Umsatz

Ein Verkaufsverbot von Feuerwerkskörpern wird es trotz der Debatte darum nicht geben, Böllerverbote wurden nur lokal verhängt. Das kommt der Pyroindustrie zugute, denn sie hat bereits 31.000 Tonnen Feuerwerk importiert. Der Verband der pyrotechnischen Industrie kritisiert den Aufruf der Bundesregierung, in diesem Jahr auf das Böllern zu verzichten. Ein coronakonformes Feuerwerk sei möglich.

 Feuerwerk explodiert in der Silvesternacht über der historischen Altstadtkulisse an der Elbe mit der Frauenkirche
Die Feuerwerksbranche hofft trotz Corona auf einen guten Jahresumsatz. Bildrechte: dpa

Während noch über lokale Feuerwerksverbote diskutiert wird, bereiten sich die Unternehmen aus der pyrotechnischen Industrie schon auf die Auslieferung der Produkte an die Läden vor. Denn die Lager in Deutschland sind schon seit Monaten gefüllt. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wurden von Januar bis September bereits 31.000 Tonnen Feuerwerk importiert. Das sind drei Prozent mehr als in demselben Zeitraum im Vorjahr. Die Ware hat einen Wert von 76 Millionen Euro und kommt ausschließlich aus China.

Bestellung, Produktion und Lagerung abgeschlossen

Mit einem Jahr Vorlauf bereitet sich die deutsche Pyroindustrie jeweils auf das nächste Silvesterfest vor. So begannen die Firmen bereits Anfang des Jahres, die Ware aus China zu importieren und sie hier zu lagern. Bei der Diskussion um ein mögliches Verkaufsverbot von Raketen waren die Lager also längst gefüllt.

Die Folgen eines solchen Verbots wären für die Branche entsprechend fatal gewesen, sagt der Geschäftsführer vom Verband der pyrotechnischen Industrie (VPI), Klaus Gotzen: "Ein Feuerwerksverbot hätte für die Branche enorme Auswirkungen gehabt. Dadurch wären viele Firmen insolvent gegangen."

Aus der Politik kamen sowohl Argumente für als auch gegen ein Böllerverbot. Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper sagte MDR SACHSEN-ANHALT: "In der aktuellen Situation, wo immer mehr Menschen frustriert sind, zu sagen: 'Ich verbiete Dir das Silvesterfeuerwerk'. Das schafft genau das Gegenteil."

Und der CDU-Bundestagsabgeordnete Marian Wendt aus dem Landkreis Nordsachsen, schrieb auf Twitter: "Silvester ohne Feuerwerk, ist wie Weihnachten ohne Gänsebraten."

Böllerverbot auf belebten Plätzen
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Tatsächlich könnten aber auch finanzielle Interessen hinter der Absage an ein Böllerverbot stehen. Denn wäre es dazu gekommen, hätte sich die Pyroindustrie mit Forderungen nach Hilfsgeldern an die Bundesregierung gewandt, sagt Gotzen vom VPI.

Der Jahresumsatz mit Feuerwerkskörper wird nach Angaben von Statista für das Jahr 2020 auf rund 120 Millionen Euro geschätzt.

Verband: Feuerwerk auch coronakonform möglich

Ein Verkaufsverbot von Feuerwerkskörpern ist vom Tisch, ebenso wie ein bundesweites Böllerverbot. Nur lokale Einschränkungen auf öffentlichen Plätzen wird es geben. Die Bundesregierung appelliert zudem, in diesem Jahr auf das Feuerwerk an Silvester zu verzichten.

Pyro-Verbands-Geschäftsführer Gotzen sagt dazu: "Ein Feuerwerk kann auch coronakonform im kleinen Kreis oder mit der Familie im eigenen Garten stattfinden. Der Verzichtsaufruf der Bundesregierung ist für uns deshalb nicht nachvollziehbar."

Gotzen fürchtet negative Auswirkungen des Aufrufes. Ganze 90 Prozent des Umsatzes machten die Hersteller mit dem Silvesterfeuerwerk und das in den letzten drei Tagen des Jahres.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | Brisant | 19. November 2020 | 17:15 Uhr