Fleischersatzprodukt
Das Label "FLEISCHFREI genießen" findet sich auf vegetarischen und veganen Produkten im Supermarkt. Bildrechte: IMAGO

Ernährung Fleischersatz: Mehr Angebot, mehr Konkurrenz, gut für den Kunden?

Ob im Supermarkt oder bei der Fast-Food-Kette – für fleischlose Alternativen muss der Kunde längst nicht mehr zum Spezialisten. Der Markt um die Fleischersatzprodukte ist mittlerweile hart umkämpft. Aber ist das Interesse bei den Kunden überhaupt so groß wie das Angebot? Lohnt sich das Geschäft?

von Linda Schildbach, MDR AKTUELL

Fleischersatzprodukt
Das Label "FLEISCHFREI genießen" findet sich auf vegetarischen und veganen Produkten im Supermarkt. Bildrechte: IMAGO

Ob Boulette, Hack, Würstchen, Schnitzel, Nuggets, Cordon bleu, Salami und sogar Schinken-Spicker – im Supermarktregal findet man das heutzutage alles auch in veganer oder vegetarischer Form.

Doch wie sieht es bei den Kunden aus? Greifen sie zu? In Halle ist man da eher zurückhaltend. Nachgefragt in einer Straßenumfrage, sieht das Bild so aus: Viele würden Fleischersatzprodukte theoretisch zwar probieren, haben es in der Praxis aber noch nicht getan. Bei denen, die sie ausprobiert haben, gibt es sowohl Lob als auch Kritik.

Fleischersatzprodukte werden beliebter

In letzter Zeit steigt der Konsum von Fleisch-Alternativen in Deutschland. Rund 12.500 Tonnen dieser Produkte gingen laut Gesellschaft für Konsumforschung im ersten Halbjahr 2019 über die Ladentheke - fast 10 Prozent mehr als im Jahr zuvor.

Der Weg zu Fleischersatzprodukten ist allerdings für über die Hälfte der Käufer nur ein kurzer Ausflug, sagt die Chefredakteurin des Branchenblatts "Fleischwirtschaft", Renate Kühlcke: "Nicht jeder Verbraucher hat ein vegetarisches Produkt zum zweiten Mal gekauft. Das ist sicherlich die Krux an der Geschichte, wie Hypes entstehen."

Mehr Angebot, weniger Produzenten

Vor drei Jahren begann der Hype und viele Hersteller versuchten ihr Glück an der Fleischersatztheke. Heutzutage ist das Angebot zwar groß, doch die Anzahl der Produzenten ist rückläufig, beobachtet Renate Kühlcke.

Die Unternehmen werden ausgetauscht vom Handel, der ja auch Eigenmarken kreiert.

Renate Kühlcke Chefredakteurin des Branchenblatts „Fleischwirtschaft“

Darum meint Renate Kühlcke: "Damit ist es längst nicht mehr für jeden interessant, in dieser Sparte aktiv zu sein."

Trotzdem habe sich das Segment "Fleischersatzprodukte" im Supermarktregal etabliert, findet Kühlcke. Denn die Hersteller, für die es sich lohnt, haben dazu gelernt und ihre Technologie verbessert, um die Produkte schmackhafter zu machen.

Erbsen lösen Soja ab

Auch versuchen einige, auf Soja als Rohstoff zu verzichten, um bei den umweltbewussten Kunden zu punkten. Daher meint Kühlcke:

"Soja aus Übersee ist nicht sehr willkommen in dieser Szene, sage ich mal, die sich für Fleischersatzprodukte interessiert. Deswegen wird Erbsenprotein im Augenblick sehr gehypet."

Gesundheitsaspekt fraglich

Ob Erbsen, Pilze oder Soja - eine gesunde Alternative sind die Ersatzprodukte jedoch nicht, warnt Nicole Wege von Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt. Denn es handelt es sich um Fertigprodukte.

Sowohl die herkömmliche Wurst als auch die vegetarischen und veganen Ersatzprodukte sind hochverarbeitete Lebensmittel.

Nicole Wege Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt

Darum sei es schwierig, bei diesen Fertigprodukten von Gesundheit zu sprechen, meint Nicole Wege. "Die sollte man sowieso nur in Maßen genießen. Für die Gesundheit an sich kommt es immer auf die Gesamtheit dessen an, was man isst."

Und der Blick auf die Zutatenliste lohnt bei den Ersatzprodukten in jedem Fall, so die Verbraucherschützerin. So beinhalten viele vegetarische Alternativen Eiklar – manchmal bis zu 70 Prozent.  Wer so viel tierisches Eiweiß nicht will, sollte also die Rückseite der Verpackung prüfen.

Fleisch aus dem Labor als neues Geschäftsfeld

Die Fleischhersteller-Branche schaut dagegen mit Spannung schon auf das nächste Geschäftsfeld: das sogenannte Clean Meat – im Labor gezüchtetes Fleisch. In den USA wird daran fleißig geforscht. Branchenkennerin Renate Kühlke rechnet jedoch nicht damit, dass es ein solches Laborfleisch in den nächsten zehn Jahren auf den Teller schafft.

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Bildrechte: Panthermedia

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 20. November 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. November 2019, 05:00 Uhr