Maschine von Germania am Flughafen Berlin-Schönefeld.
Maschine von Germania am Flughafen Berlin-Schönefeld. Bildrechte: dpa

Flugbetrieb eingestellt Ferienflieger Germania ist pleite

Nach Air Berlin 2017 hat eine weitere deutsche Fluggesellschaft Insolvenz angemeldet: Der Ferienflieger Germania ist zahlungsunfähig. Die etwa 1.100 Mitarbeiter stehen vor einer ungewissen Zukunft, viele Fluggäste sitzen fest. Auch mitteldeutsche Flughäfen und Kunden sind betroffen. Die Lufthansa will einspringen.

Maschine von Germania am Flughafen Berlin-Schönefeld.
Maschine von Germania am Flughafen Berlin-Schönefeld. Bildrechte: dpa

Die Berliner Fluggesellschaft Germania hat Insolvenz beantragt und den Flugbetrieb eingestellt. Wie das Unternehmen in der Nacht mitteilte, sind die Germania Fluggesellschaft GmbH und ihre Schwesterfirmen für technische Dienstleistungen zahlungsunfähig. Der Betrieb der Schweizer Germania Flug AG und der Bulgarian Eagle gehe hingegen weiter.

Auch mitteldeutsche Flughäfen betroffen

Die betroffenen Fluggäste bat Geschäftsführer Karsten Balke um Entschuldigung. Passagiere, die ihren Germania-Flug im Rahmen einer Pauschalreise gebucht haben, sollten sich direkt an ihren Reiseveranstalter wenden, um eine Ersatzbeförderung zu erhalten. Keinen Anspruch auf einen Ersatzflug hat, wer das Flugticket direkt bei Germania gekauft habe.

Am Flughafen Dresden wurden am Dienstag drei Verbindungen abgesagt. Germania flog auch von Erfurt-Weimar und Leipzig/Halle. Im Angebot waren vor allem Verbindungen innerhalb Europas und nach Nordafrika. An den Berliner Airports Tegel und Schönefeld wurden am Dienstag acht Flüge annulliert. Auch an vielen Urlaubszielen von Germania sitzen Kunden fest.

Über 700 Germania-Flüge ab Erfurt geplant

Die Insolvenz der Airline trifft den Flughafen Erfurt-Weimar besonders. Dort waren für dieses Jahr insgesamt 780 Germania-Flüge geplant. Das wären 70 Prozent aller Ferienflüge ab Erfurt-Weimar gewesen. Der Chef des thüringischen Flughafens, Uwe Kotzan, gab sich am Dienstag dennoch optimistisch. Dem MDR sagte er, er gehe davon aus, dass andere Fluggesellschaften in die Lücke springen würden. Die Nachfrage nach Flügen ab Erfurt sei da. Im vorigen Jahr waren von Erfurt aus mehr als 185.000 Passagiere mit Germania befördert worden.

Lufthansa will einspringen

Den aktuell gestrandeten Germania-Passagieren will die Lufthansa Sonderkonditionen anbieten. Durch die Insolvenz sei "erneut eine Sondersituation für die Luftfahrtindustrie in Deutschland" eingetreten, erklärte der Konzern am Dienstag. Bei Lufthansa, Swiss und Austrian Airlines sollen betroffene Germania-Fluggästen deshalb vergünstigt Tickets bekommen.

Ein Lufthansa-Flugzeug mit dem Namen Halberstadt
Die Lufthansa bietet Germania-Kunden Rabatte an. Bildrechte: Deutsche Lufthansa AG

Die Fluglinien wollen Betroffenen "bei Verfügbarkeit" innerhalb Europas Tickets für 50 Euro plus Steuern anbieten, für Flüge zwischen Deutschland und dem Nahen Osten für 200 Euro zuzüglich Steuern. Dieser Sondertarif soll bis Ende Februar für Germania-Buchungen gelten. Über das genaue Buchungsverfahren mit Sonderkonditionen will die Lufthansa auf ihrer Website LH.com informieren.

Zudem bietet die Lufthansa-Tochter Eurowings Germania-Kunden, die derzeit Urlaub im Ausland machen, Rabatte für Rückflüge nach Deutschland an. Die Germania-Passagiere können sich demnach auf eurowings.com einen neuen Flug nach Deutschland buchen und erhalten im Nachgang 50 Prozent Rabatt. Dazu müssen sie aber entsprechende Nachweise erbringen. Das gleiche Verfahren bietet Tuifly an.

Bundesregierung will nicht eingreifen

Die Bundesregierung plant keine Rettung von Germania und auch keine Maßnahmen für betroffene Passagiere. Es handele sich bei der Insolvenz um einen marktwirtschaftlichen Vorgang, sagte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier. Der Staat könne nicht willkürlich Firmen retten. Das würde zu hohen betriebswirtschaftlichen und volkswirtschaftlichen Kosten führen.

Germania-Geschäftsführer Balke sagte, er bedauere die Auswirkungen des Schrittes für die Mitarbeiter. Die Airline begründet ihre Finanzprobleme mit massiven Steigerungen der Kerosinpreise und mit einer ungewöhnlich hohen Anzahl technischer Serviceleistungen an der Flotte.

Zuletzt 37 Maschinen und 1.100 Mitarbeiter

Die Airline Germania wurde 1986 in Köln gegründet, seit 2009 ist Berlin der Firmensitz. Auf der Kurz- und Mittelstrecke beförderte die Airline mehr als vier Millionen Passagiere pro Jahr zu mehr als 60 Zielen innerhalb Europas, nach Nordafrika sowie in den Nahen und Mittleren Osten. Zusammen mit der Schweizer Germania Flugbetrieb AG und der Bulgarian Eagle betrieb Germania zuletzt 37 Flugzeuge und hatte etwa 1.100 Mitarbeiter.

Erst Ende Oktober 2017 hatte die damals zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft Air Berlin ihren Flugbetrieb eingestellt. Im Herbst 2018 ging die Charterfluggesellschaft Small Planet Airlines mit Sitz in Berlin in die Insolvenz.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 05. Februar 2019 | 07:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. Februar 2019, 07:24 Uhr

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13 Kommentare

07.02.2019 14:52 Thüringer 13

Ich hoffe so sehr, dass die Politik besonnen reagiert und kein Geld mehr im Zuschussgeschäft Regionalflughäfen versenkt. Zur Zeit kostet zum Beispiel Erfurt den Steuerzahler etwa 2,5 Mio. pro Jahr - verdeckte Subventionen nicht mitgerechnet. Wir schießen also bereits jetzt jedem der lächerlich wenigen Fluggäste knapp 10 Euro zu - ohne jede Aussicht auf eine substantielle Besserung. Und wozu? Für die Wirtschaft spielt der Flughafen als Transportmittel keine Rolle. Er dient nur noch dazu, ein paar Leute nach Malle zu kutschen. Das müssen wir nicht subventionieren! Es ist offensichtlich, dass für einen Flughafen in einer kleinen Stadt wie Erfurt mit einer nur dünn besiedelten Region kein Bedarf und keine wirtschaftlich ausreichende Nachfrage besteht. Wie oft wollen wir das noch durch Pleiten bestätigt bekommen? Abwenden können wir den Niedergang nicht, wir können uns nur aussuchen, wieviel Geld wir noch verbrennen. Also seid vernünftig und lasst diesen Zombie endlich sterben!

06.02.2019 14:35 Berndt Borgmann 12

Um auf die Dame zu antworten, welche die Meinung vertritt, dass kostenloses Essen und Trinken den Rui der Fluggesellschaften beschleunigt...lächerlich, wie machen es denn die ganzen anderen z.B. asiatischen Fluggesellschaften, hier bekommt man sein Essen und Trinken weiterhin, aber die haben auch nicht jährlichen Streiks von Sicherheitspersonal/Fluglotsen und Flugkapitänen mit horrenden Gehaltsforderung auszuhalten. Dazu kommt noch eine grobe Misswirtschaft der Manager/Innen, die sich Ihre fetten Tantiemen ebenfalls selbst zugestehen.
Das sind die eigentlichen Gründe!!!
Schon mal darüber nachgedacht???

06.02.2019 02:09 Klaus 11

@andreas #4
Germania heisst die Fluggesellschaft, nicht Germanwings. Die gibt es noch, werden aber unter Eurowings vermarktet.

05.02.2019 18:59 Carolus Nappus 10

Marktwirtschaft eben. Dann werden auch ein paar von den eben noch streikenden Sicherheitsfachkräften an den mitteldeutschen Flughäfen frei und können anderenorts den Personalmangel beheben helfen. Muss man also nicht alles immer nur negativ sehen.

05.02.2019 16:16 w.a. 9

Lilly@1 Ich weis ja nicht wann sie das letzte mal geflogen sind, aber kostenlos essen und trinken das ist lange vorbei,

05.02.2019 15:22 Ferienurlauber 8

Auf das falsche Pferd gesetzt ? Gerade für Familien mit schulpflichtigen Kindern wird ein Urlaub ab DD oder Erfurt nun nicht mehr bezahlbar sein, wenn die Strecken der Germania überhaupt von einer anderen Airline übernommen werden. Als Alternative bleibt dann nur noch Berlin oder Leipzig. Sehr schade für unsere Region und zahlreiche Arbeitsplätze.

05.02.2019 15:16 Fragender Rentner 7

Dieses mal gab es wohl keinen Kredit der Bundesregierung?

Wie mal bei einer anderen Fluggesellschaft vor kurzem?

05.02.2019 14:25 Willy 6

gibt es noch etwas in Deutschl. was bei uns nicht pleite ist ??

05.02.2019 13:25 Lyriklümmel 5

"... viele Fluggäste sitzen fest."

Spreche den Betroffenen hiermit mein Mitgefühl aus. Kann mir vorstellen, wenn einem so etwas passiert, dann möchte man am liebsten in die Luft gehen.

05.02.2019 13:16 andreas 4

Das muss man sich mal alles auf der Zunge zergehen lassen ... Nach Air Berlin nun Germanwings!? Wenn das ein anderes Land wär, würde der leicht überhebliche Germane jenen Staat wohl verspotten.

Vielleicht kommen wir nun mal dazu, dass ein Ausstieg aus der Kohle nur die halbe Wahrheit ist. Fossil billig und billiger gen Urlaubsparadies zu fliegen, wo man abgeschirmt von der Armut der Länder seine 24h-Versorgung bekommt, gehört abgewählt.