Folgen der Corona-Krise Airbus streicht mehr als 5.000 Stellen in Deutschland

Die Krise in der Luftfahrt trifft auch den Flugzeugbauer Airbus. Der Konzern will weltweit 15.000 Stellen abbauen, gut ein Drittel davon in Deutschland. Die Arbeitnehmervertreter kündigen Widerstand an.

Der Rumpf von einem Airbus der A320-Familie steht am 06.09.2013 in der Endmontagehalle im Airbus-Werk in Hamburg-Finkenwerder.
Der Flugzeugbauer Airbus will weltweit 15.000 Arbeitsplätze abbauen, etwa 5.100 davon in Deutschland. Er schließt dabei auch betriebsbedingte Kündigungen nicht aus. Bildrechte: dpa

Der europäische Flugzeugbauer Airbus will wegen der Folgen der Corona-Krise für die Luftfahrt weltweit 15.000 Stellen abbauen. Wie das Unternehmen mitteilte, sind allein Deutschland etwa 5.100 Arbeitsplätze betroffen - zusätzlich zu den 900, die bei der Augsburger Tochter Premium Aerotec ohnehin zur Disposition standen. Weitere 5.000 Stellen will Airbus in Frankreich streichen, in Großbritannien 1.700, in Spanien 900 und 1.300 an weitern weltweiten Standorten.

46.000 Mitarbeiter an fast 30 Standorten

Welche weiteren deutschen Werke wie stark vom Stellenabbau betroffen sind, ist bislang nicht klar. Airbus beschäftigt in Deutschland nach eigenen Angaben rund 46.000 Mitarbeiter an fast 30 Standorten - etwa in Hamburg-Finkenwerder, Stade oder Bremen. In der Verkehrsflugzeugsparte arbeiten demnach mehr als 28.000 Menschen.

Airbus sieht beispiellose Krise

Airbus reagiert mit dem Stellenabbau nach eigenen Angaben auf den Einbruch bei der Nachfrage bei Passagiermaschinen. Das Unternehmen erklärte, die Branche befinde sich in einer beispiellosen Krise. Es werde erwartet, dass sich der Luftverkehr nicht vor 2023 erholen werde und möglicherweise erst 2025 wieder auf dem Niveau von vor Corona sein werde.

Produktion bereits gedrosselt

Airbus hat die Produktion von Verkehrsflugzeugen bereits um 40 Prozent gedrosselt. Viele fabrikneue Maschinen stehen auf Halde, weil die Kunden sie wegen der Coronakrise nicht mehr abnehmen wollen. Der Flugverkehr war aus Angst vor einer Ausbreitung der Coronavirus-Pandemie in den vergangenen Monaten fast weltweit zum Erliegen zu kommen. Nur langsam fahren die Fluggesellschaften den Betrieb wieder hoch.

Arbeitnehmer halten Kurzarbeit für möglich

Die Einzelheiten des Stellenabbaus will Airbus mit den Sozialpartnern besprechen. Das Unternehmen schloss betriebsbedingte Kündigungen nicht aus.

Arbeitnehmervertreter kritisierten, Airbus missbrauche die Krise als Vorwand für einen seit langem geplanten Konzernumbau. Sie kündigten Widerstand gegen die Pläne an.

Der deutsche Chef des Konzernbetriebsrats, Holger Junge, sagte in den Auftragsbüchern von Airbus stünden noch immer 7.500 Flugzeuge, die Arbeit für acht Jahre sicherten. Die aktuelle Krise ließe sich auch mit längerfristiger Kurzarbeit und einer Verkürzung der Arbeitszeit für alle Mitarbeiter überstehen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 30. Juni 2020 | 21:00 Uhr