"Neustart Kultur" Klubbetreiber reagieren verhalten auf Corona-Förderprogramm

Seit Monaten finden kaum Livemusik-Veranstaltungen statt. Die Kultur ist in der Corona-Krise fast zum Erliegen gekommen. Das soll sich ändern. Die Bundesregierung hat ein Programm "Neustart Kultur" auf die Beine gestellt. Aus dem können auch die gebeutelten Klubs ab Donnerstag Geld beantragen – insgesamt 27 Millionen Euro, wenn sie doch irgendwie Livemusik- und andere Veranstaltungen auf die Beine stellen. Doch nicht alle sind darüber begeistert.

Vera Klima auf einem Live-Konzert am 28.04.2019 im Erfurter Klub "Kalif Storch".
Die Sängerin Vera Klima im Erfurter Klub "Kalif Storch" (Archivbild). Bildrechte: imago images / Future Image

Hubert Langrock wühlt sich zurzeit durch jede Menge Bürokratie. Der Geschäftsführer des Erfurter Szeneklubs "Kalif Storch" will in den nächsten Tagen einen Antrag auf Fördermittel stellen, um Geld aus dem neuen Programm "Neustart Kultur" zu bekommen. Wofür, das weiß er noch nicht genau.

Für ein Konzert wohl eher nicht, sagt er: "Bei einem Konzert, da will ich aufstehen, da will ich tanzen, da will ich mit anderen interagieren. Und da das nicht geht, werden wir auch keine Konzerte veranstalten, weil das einfach völlig am Sinn vorbeigeht."

Finanzhilfe für Veranstaltungen vorgesehen

Hubert Langrock ist nicht sicher, ob das Förderprogramm das Richtige für das "Kalif Storch" am Erfurter Güterbahnhof ist. Und das hat noch mehr Gründe. Einer davon lautet: Das "Kalif Storch" bräuchte eigentlich Geld für Umbauten. Das sehen die Förderrichtlinien aber nicht vor. Das Geld der Bundesregierung ist vielmehr für einzelne Kulturveranstaltungen gedacht, die den Betrieb wieder ankurbeln sollen, also für Künstlergagen, für Werbeausgaben, Mieten, Technik oder Personal für ganz bestimmte Veranstaltungen.

Fördergeld würde nicht lange reichen

Ein kleiner Klub zum Beispiel kann für ein Projekt bis zu 50.000 Euro beantragen, ein größerer bis zu 150.000. Das klinge gut, lange werde das Geld aus dem Fördertopf aber nicht reichen, befürchtet Hubert Langrock: "Ich meine, es gibt jetzt noch mal Gelder, da können wir alle noch ein paar tolle Projekte durchführen. Aber wir reden über 27 Millionen für keine Ahnung, wie viele hunderte Klubs es in Deutschland gibt. Das ist alles nicht so geil."

27 Millionen Euro sind im Fördertopf. Wenn nur 540 kleinere Klubs in Deutschland die volle Fördersumme beitragen, ist der Topf schon leer. Hubert Langrock ist nicht der einzige Klubbetreiber, der so denkt. MDR AKTUELL hat bei zehn Livemusik-Veranstaltern in Mitteldeutschland nachgefragt. Noch hat kein einziger einen Antrag vorbereitet. Und keiner hat eine Idee für ein förderfähiges Kulturprojekt.

Grünen-Politiker spricht von Windhundverfahren

Dennoch sei es erst mal gut, dass es das Programm gibt, findet Jürgen Kasek von den Grünen in Leipzig. Kasek ist auch Mitglied im "LiveKommbinat", ein Zusammenschluss Leipziger Klubs. Auch er sieht aber insgesamt mehr Probleme als Lösungen: "Problem Nummer eins ist, dass das Programm ausgereicht wird nach dem Windhundprinzip, wer zuerst kommt, mahlt zuerst."

Als zweites Problem sieht Kasek, dass das Programm komplett für den Neustart ausgerichtet ist: "Das heißt, die ganzen Kulturstätten müssen erst mal bis zu dem Punkt kommen, dass sie wieder durchstarten können. Das heißt, in der aktuellen Situation, wo sie ja noch nicht öffnen dürfen, hilft das nicht so sehr viel." 

Landesregierungen zurückhaltend

Auch bei den einzelnen Landesregierungen ist man noch zurückhaltend mit einer Bewertung des Förderprogramms. Das sächsische Kulturministerium teilte etwa mit, man begrüße das Programm zwar. Inwieweit sich jedoch das Windhundverfahren eigne, müsse sich erst zeigen, heißt es diplomatisch. 

In Mitteldeutschland können Klubbetreiber jedoch auf vielen anderen Kanälen finanzielle Hilfe beantragen. Die Landesbanken gewähren Zuschüsse und zinsfreie Darlehen, um über die Corona-Runden zu kommen. Zugleich gibt es Förderprogramme speziell für Kulturschaffende.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 27. August 2020 | 05:00 Uhr