Frauenquote Machen Frauen in Vorständen Unternehmen erfolgreicher?

Die Große Koalition hat sich auf eine verbindliche Frauenquote in Vorständen geeinigt. In Vorständen börsennotierter und paritätisch mitbestimmter Unternehmen mit mehr als drei Mitgliedern muss demnach künftig ein Mitglied eine Frau sein. Lob gab es dafür auch von der Staatsministerin Annette Widmann-Mauz. Sie sagt: Gemischte Teams seien ein Erfolgsrezept. Was ist da dran?

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Symbolfoto: Frau als Vorstand  - Beine einer einzelnen Fraue zwischen vielen Beinen von Männern. 4 min
Bildrechte: imago images/Sven Simon

Je vielfältiger sich ein Führungsteam zusammensetzt, desto erfolgreicher ist es: So lautete Mitte des Jahres das Ergebnis einer groß angelegten Studie der Unternehmensberatung McKinsey. Hier wurden 1.039 Unternehmen in 15 Ländern analysiert, darunter alle Dax-Konzerne und 35 deutsche Mittelständler.

Das Ergebnis: Unternehmen mit einem Frauenanteil von mehr als 30 Prozent profitieren finanziell. Die Neurowissenschaftlerin und McKinsey-Partnerin Julia Sperling sagt dazu: "Diese Unternehmen haben eine 25 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit, finanziell besser abzuschneiden als der vergleichbare Branchendurchschnitt im selben Land."

Vielfalt der Perspektiven für bessere Erfolgsaussichten

Zu ganz ähnlichen Ergebnissen kamen auch andere  Untersuchungen wie die der Internationalen Arbeiterorganisation ILO oder auch des Peterson Instituts for International Economics in Washington. Diese Ergebnisse sind in erster Linie Beobachtungen. Sie belegen nicht den wirtschaftlichen Erfolg durch einen höheren Frauenanteil.

Sperling betont aber, man könne sich mit Fakten und experimentellen Studien erklären, warum es einen Zusammenhang gebe. So liege ein Grund für bessere finanzielle Erfolgsaussichten von Unternehmen mit gemischt-geschlechtlichen Führungsteams in der Vielfalt der Perspektiven.

Dadurch könnten Probleme umfassender angegangen werden, sagt die Neurowissenschaftlerin weiter: "Wenn Sie eine Entscheidung treffen, dann wird diese Entscheidung umso robuster, umso umsichtiger, je mehr Meinungen sie aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln eingeholt haben."

Kein zwingender Zusammenhang

Gleichzeitig würden experimentelle Studien zeigen, dass gemischte Teams komplexe Probleme erfolgreicher lösen können als homogene Teams. Dennoch gibt es keinen zwingenden Zusammenhang zwischen Frauen in Führungsteams und wirtschaftlichem Erfolg.

So hatten deutsche Wissenschaftler in einer Analyse von 2014 alle bis dato erschienen Untersuchungen zu gemischt-geschlechtlichen Führungsteams und finanziellem Unternehmenserfolg ausgewertet. Ihre Untersuchung zeigt, "dass ein höherer Anteil von Frauen in Führungsteams nicht gleichsam 'automatisch' zu einem gesteigerten Unternehmenserfolg führt". Die direkten Effekte seien uneinheitlich und wiesen positive, negative und nicht signifikante Zusammenhänge auf.

Geschlechtervielfalt nicht nur als Aushängeschild

Ob gemischt-geschlechtliche Führungsteams zu mehr Erfolg führen, hänge demnach von bestimmten Randbedingungen ab, zeigt die Studie. So hätten gemischt-geschlechtliche Teams beispielsweise einen positiven Effekt auf Unternehmen, die sich besonders mit strategischen Innovationen befassen. Möglicherweise hängt mit diesen Faktoren aber auch etwas ganz anderes zusammen: nämlich die "Kultur" im Unternehmen.

Denn die Geschlechtervielfalt dürfe nicht nur Aushängeschild sein, meint Neurowissenschaftlerin Sperling: "Das Schlimmste, was passieren kann, ist, dass sie zwar nach Außen hin Diversität haben, sie dann aber eine Art der Kultur etablieren, in der sich dann diese diversen Talente entweder nicht trauen zu sprechen, oder, wenn sie sprechen, keine positive Resonanz bekommen. Oder nicht in die Entscheidung mit einbezogen werden." In diesen Fällen würde das Potenzial eines gemischt-geschlechtlichen Teams einfach verpuffen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 24. November 2020 | 05:00 Uhr