Frauentag Frauen im Saale-Orla-Kreis verdienen am wenigsten

8. März – der Tag, an dem der Frauentag, auch Frauenkampftag genannt, begangen wird. Auch wenn vieles erreicht wurde, zu Ende ist dieser Kampf noch nicht. Zum Beispiel, wenn es um gerechte Bezahlung geht. Denn Frauen bekommen für ihre Arbeit immer noch weniger Geld als Männer. Eine Anfrage der Linken an die Bundesregierung zeigt: Frauen im Südosten Thüringens verdienen im Vergleich mit anderen Kreisen und Städten bundesweit am wenigsten. Woran liegt das?

Lila Luftballons mit dem aufgedruckten Symbol für weiblich
Am 8. März ist internationaler Frauen(kampf)tag. In Berlin ist dieser Tag ein Feiertag. Bildrechte: dpa

Der Saale-Orla-Kreis sei auf dem 7. Platz, was die Industriearbeitsplätze in Thüringen angeht, sagt der Landrat stolz. Die Autobahn 9 führt mitten durch den Landkreis. Logistik und Automobilzulieferindustrie sind hier stark. Das zweite große Standbein ist der Dienstleistungsbereich: Gesundheitswesen, Pflege. 

Saale-Orla-Kreis ist Niedriglohngebiet

Doch die Zahlen der Bundesagentur für Arbeit zeigen: es ist ein Niedriglohngebiet. Und Frauen, die in Vollzeit arbeiten gehen, verdienen hier im Schnitt nur 2.070 Euro (brutto). Frauen bekommen bundesweit in Vollzeit durchschnittlich 3.014 Euro pro Monat.

Landrat Thomas Fügmann überrascht das: "Dass wir im hinteren Bereich liegen, war mir bekannt. Aber dass wir auf dem letzten Platz – gerade bei den Gehältern der Frauen – liegen, das ärgert mich maßlos."

Ländlicher Kreis ohne Großbetriebe

Die Region gehört zum Untersuchungsgebiet von Michaela Fuchs, Wissenschaftlerin am Institut für Arbreitsmarkt- und Berufsforschung. Einer der Gründe für die niedrigen Löhne im Saale-Orla-Kreis sei, dass es "eher ländlicher Kreis ist". So gebe es keine Großbetriebe mit sehr gut bezahlten Jobs. "Die Industrie im Saale-Orla-Kreis ist eher mittelständisch, kleinständisch geprägt, mit vielen Handwerksbetrieben. Es gibt dann einfach nicht so viele Möglichkeiten, gutes Geld zu verdienen, weil es die Jobs in der Region nicht gibt."

Dass Frauen weniger als Männer verdienen, hänge zum einen mit ihrer Berufswahl zusammen: "Die arbeiten eher im Dienstleistungsbereich als Männer, die in Produktions- und Fertigungsberufen tätig sind. In den einfachen Dienstleistungsberufen wird generell nicht viel bezahlt", sagt Manuela Fuchs.

Gender Pay Gap

Zum anderen werden Frauen immer noch schlechter bezahlt als Männer, selbst wenn sie die gleiche Tätigkeit ausführen. Michaela Fuchs hat diesen sogenannten "Gender Pay Gap" (zu deutsche etwa: Geschlechter-Einkommenslücke) in Thüringen untersucht. Das überraschende Ergebnis, auch für den Saale-Orla-Kreis, ist:

Frauen müssten von ihren Voraussetzungen her – der Qualifikation oder den Berufen, die sie ergreifen – eigentlich mehr verdienen als Männer.

Michaela Fuchs, Institut für Arbreitsmarkt- und Berufsforschung

Doch das Gegenteil ist der Fall. Als Schleizer Landrat ist Thomas Fügmann für rund 500 Angestellte zuständig, 65 Prozent davon sind Frauen. Bei ihm gebe es nur eine Lohntabelle: gleiche Arbeit, gleiche Bezahlung. "Ich appelliere, dass dieses Prinzip generell angewendet wird. Es ist doch nicht zu verstehen, dass für gleiche Arbeit die Frauen weniger verdienen als die Männer."

Geschäftsfrau mit Handy
Frauen verdienen immer noch weniger als Männer - für die gleiche Arbeit. Bildrechte: imago/Westend61

Denn der Landkreis braucht Arbeitskräfte, es herrscht fast Vollbeschäftigung. Wenn sich rumspräche, dass man in der Region kein gutes Geld verdienen könne, dann bekäme man die notwendigen Personen nicht, um die Region im Wettbewerb weiter zu entwickeln.

Der Saale-Orla-Kreis ist mit all diesen Problemen aber nicht allein, sagt Arbeitsmarktforscherin Fuchs. In Niedersachsen gebe es Kreise, in denen Frauen nur ein paar Euro mehr verdienten. 

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 08. März 2020 | 10:11 Uhr