Deutsche Bahn GDL-Chef Weselsky fordert Halbierung des Zugverkehrs

Der Chef der Lokführergewerkschaft GDL, Claus Weselsky, fordert drastische Einschnitte im Zugverkehr, um das Bahnpersonal vor Corona-Infektionen zu schützen. Seiner Einschätzung nach sollte nur noch die Hälfte der Bahnen fahren.

Der Schriftzug "Bitte nicht einsteigen" ist auf einer Anzeigetafel an einem Gleis im Bahnhof zu sehen.
Jeder zweite Zug soll stehen bleiben, wenn es nach GDL-Chef Weselsky geht. Bildrechte: dpa

Der Eisenbahnverkehr muss jetzt um 50 Prozent reduziert werden. Das fordert Claus Weselsky im Interview mit dem MDR-Magazin „Umschau“. Er ist Vorsitzender der Lokführergewerkschaft GDL. Weselsky begründet seine Forderung mit dem Schutz des Personals und einer notwenigen Reserve im Fall einer massiven Infizierung des aktiven Bahnpersonals mit dem Coronavirus. Weselsky sagte:

Claus Weselsky
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Wenn die Szenarien der Wissenschaftler eintreten, werden auch Lokführer und Zugbegleiter befallen werden. Wenn wir bis dahin auf Verschleiß gefahren sind, dann haben wir überhaut keine Reserven. Niemand wünscht sich, dass der Eisenbahnverkehr ganz zum Erliegen kommt.

Claus Weselsky, Vorsitzender der Lokführergewerkschaft GDL

Ziel sei Schutz des Bahnpersonals

Claus Weselsky begründet seine Forderung nach der Halbierung des Zugverkehrs wie folgt: „So können wir uns einerseits eine stille Reserve erhalten, die wir auch wechselweise in Einsatz bringen. Anderseits können wir so die hohen Krankenstände und die Ausfälle durch Kinderbetreuung abfedern.“ Er appelliert an die Deutsche Bahn und die anderen Eisenbahnverkehrsunternehmen: „Denken Sie daran, dass Sie Ihre Mitarbeiter draußen auf den Zügen direkten Gefahren aussetzen. Minimieren Sie das Risiko, wie Sie das in den Bürotürmen gemacht haben.“

Bislang nur Einschränkungen im Regionalverkehr

Die Zentrale der Deutschen Bahn AG am Potzdamer Platz in Berlin.
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Am vergangenen Wochenende hatte die Deutsche Bahn (DB) angekündigt, den Regionalverkehr zu reduzieren. Nach Informationen der Bahn vom Freitag (20.03.2020) läuft der Zugverkehr der Deutschen Bahn deutschlandweit weitgehend stabil, jedoch mit deutlich weniger Fahrgästen. DB-Konzernsprecher Achim Strauß sagte: „Ziel ist es, den Verkehr so lange und so gut wie möglich aufrecht zu erhalten. Auch wenn weniger Menschen unterwegs sind, müssen alle, die jetzt besonders dringend gebraucht werden zuverlässig zu ihrem Einsatzort kommen und wieder nach Hause kommen.“