Langzeitarbeitslose Gehalt vom Staat – Der lange Weg zu echter Arbeit

Ein Film von Roland Jäger und Niklas Ottersbach

Jahrelang werden sie von Maßnahme zu Maßnahme geschickt, oft ohne Erfolg: Viele Langzeitarbeitslose schaffen es nicht, Arbeit zu finden. Nun schafft der Staat für Milliarden Euro wieder einmal Jobs für Langzeitarbeitslose. Ist das Steuergeldverschwendung oder ein echter Ausweg aus Hartz-IV? "exakt – Die Story" begleitet drei Menschen, die zum Teil große Hoffnungen in das neue Programm setzen, und fragt bei Kritikern nach.

Was Thomas Gaing geschafft hat, gelingt vielen nicht, die jahrelang arbeitslos sind: Der Sprung zurück auf den Arbeitsmarkt. "Bürgerarbeit ist für mich ein guter Einstieg in den Arbeitsmarkt gewesen. Ich hab einen geregelten Tagesablauf und mache, was mir Spaß macht – und werde das wahrscheinlich auch bis zur Rente tun können." Der Havelberger pflegt zusammen mit seinem Team die Grünflächen seiner Stadt. Eine Maßnahme des Jobcenters, die sogenannte Bürgerarbeit, hat ihm geholfen, seine Stelle zu bekommen. Damit ist er eine Ausnahme: In Mitteldeutschland sind aktuell rund 287.000 Menschen arbeitslos, jeder Dritte davon langzeitarbeitslos. Für viele reihen sich Bewerbungstrainings, Umschulungen und Weiterbildungskurse endlos aneinander.

Mit dem Teilhabechancengesetz zurück in den Arbeitsmarkt

Britta Winkler
Britta Winkler setzt auf das Teilhabechancengesetz. Bildrechte: MDR/Christian Uhlisch

Einen festen Job bekommen diese Menschen häufig nicht. Sie sind auf Hartz-IV-Leistungen angewiesen. So wie Britta Winkler. Die Naumburgerin war nach schwerer Krankheit arbeitslos geworden und will unbedingt wieder arbeiten: "Ich war Geschäftsleiterin im Warenhausbereich und bin an Krebs erkrankt, war körperlich und psychisch so belastet, dass ich meinen Beruf nicht mehr ausüben konnte. Als ich vom Teilhabechancengesetz gelesen habe, dachte ich: Das ist deine Chance, noch mal in den Arbeitsmarkt reinzukommen."

Projekt "Bürgerarbeit" als Warnung

Vier Milliarden Euro will der Staat ausgeben, um im Rahmen des neuen Teilhabechancengesetzes 150.000 Langzeitarbeitslosen staatlich finanzierte Jobs zu verschaffen. Dabei sollte die Bilanz früherer Projekte eine Warnung sein. Schon einmal hat die Bundesrepublik öffentlich geförderte Arbeitsplätze finanziert. "Bürgerarbeit" hieß das Projekt – von dem es langfristig weniger als ein Fünftel der Teilnehmer geschafft hat, auf den ersten Arbeitsmarkt zu gelangen.

"Wahnsinnshaufen an Bürokratie"

Ein Mann steht am Schreibtisch einer Frau
Unternehmer Wilhelm Töller hat lange von Hartz-IV gelebt. Bildrechte: MDR/Niklas Ottersbach

Wilhelm Töller hat den Glauben an solche Maßnahmen vom Jobcenter inzwischen verloren. Er hat selbst lange Jahre von Hartz-IV gelebt, heute betreibt er in Magdeburg ein Sozialkaufhaus, in dem er selbst Langzeitarbeitslose beschäftigt. Er will nicht mitmachen beim neuen Programm: "Das ist ein Wahnsinnshaufen an Bürokratie, der auf einen zukommt. Wenn ich diese Maßnahme mittrage, müsste ich eigentlich jemanden halbtags einstellen, der diese Sachen bearbeitet."

"exakt – Die Story" begleitet diese drei Menschen, die in der Arbeitslosigkeit ganz unterschiedliche Erfahrungen gemacht haben – und fragt nach, ob das Teilhabechancengesetz alte Fehler wiederholt oder ob es wirklich Arbeitslosen helfen kann, die Abhängigkeit von Hartz-IV hinter sich zu lassen.

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | exakt – Die Story | MDR FERNSEHEN | 15. Mai 2019 | 20:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. Mai 2019, 09:38 Uhr