Bestandteile einer Redox-Flow-Batterie, welche Windenergie in chemische Energie umwandeln, stehen in der Stackhalle im Fraunhofer-Institut für Chemische Technologie ICT in Pfinztal.
Bestandteile einer Redox-Flow-Batterie im Fraunhofer-Institut für Chemische Technologie ICT in Pfinztal. Bildrechte: dpa

Energiewirtschaft Größte Batterie der Welt wird vorerst nicht gebaut

Weltweit drehen sich immer mehr Windräder, werden immer mehr Solaranlagen gebaut. Ein Problem aber bleibt: Woher kommt der Strom, wenn weder Wind weht, noch Sonne scheint? Eine mögliche Lösung sind Flüssig-Batterien. Sie können sehr große Energiemengen in Tanks speichern. In Norddeutschland wollte ein Unternehmen ausgediente Salzkavernen dafür nutzen. Doch das riesige Projekt wurde zunächst einmal abgesagt.

von Ralf Geißler, MDR AKTUELL

Bestandteile einer Redox-Flow-Batterie, welche Windenergie in chemische Energie umwandeln, stehen in der Stackhalle im Fraunhofer-Institut für Chemische Technologie ICT in Pfinztal.
Bestandteile einer Redox-Flow-Batterie im Fraunhofer-Institut für Chemische Technologie ICT in Pfinztal. Bildrechte: dpa

Es sollte die größte Batterie der Welt werden. In Ostfriesland, tief unter der Erde wollte die Firma EWE in riesigen Salzkavernen Strom in Flüssigkeiten speichern. Der erste sogenannte Kavernen-Akku sollte in fünf Jahren fertig sein.

So stand es in der Pressemitteilung von EWE. Das berichteten Medien weltweit. Doch EWE hat das Vorhaben unbemerkt von der Öffentlichkeit gestoppt. Projektentwickler Timo di Nardo nennt vor allem wirtschaftliche Gründe. Mit der Situation, wie es sich momentan in der Energiewirtschaft abzeichne, sei es sehr schwierig mit dem Thema Speicherung an sich Geld zu machen.

Und diese Technologie, die man hier etabliert, ist komplett neu, die gab es vorher nicht, die muss ja irgendwie bezahlt werden.

Timo di Nardo, Projektentwickler bei EWE

Dementsprechend sei es für solche Großprojekte momentan schwierig zu sagen, wie sich die Zukunft entwickele.

Flüssig-Batterien keine Nischentechnologie mehr

Es ist ein Rückschlag – vor allem für deutsche Forscher. Denn sie tüfteln seit Jahren an sogenannten Redox-Flow-Batterien – also großen Batterien, die überschüssigen Ökostrom in Flüssigkeiten speichern. Was fehlte, war eine prestigeträchtige Anwendung.

Peter Fischer vom Fraunhofer Institut für Chemische Technologie glaubt trotzdem noch an das Potenzial der Batterie: "Wir sehen, dass dieser Speicher in China gerade gebaut wird. Dort wird in der Provinz Dalian ein 800 Megawattstunden-Speicher auf Basis von Vanadium-Redox-Flow-Batterien gebaut. Das bedeutet auch, dass die Technologie heute keine Nischentechnologie mehr ist, sondern eine in der Praxis erprobte Technologie."

Energiespeicherung ohne Verwendung seltener Metalle

Trotzdem haben Redox-Flow-Batterien Nachteile. Der wichtigste: Ihre Energiedichte ist gering. Wer viel Strom speichern will, braucht viel Platz. Andererseits lassen sie sich häufiger be- und entladen als herkömmliche Akkus.

Die Batterien sind umweltfreundlicher und nicht so stark auf seltene Rohstoffe angewiesen, sagt Olaf Conrad, Geschäftsführer von Jenabatteries. Nach seinen Worten gibt es in Hochleistungsbatterien zum Beispiel Materialien wie Kobalt. Dies sei sehr ungleichmäßig auf der Welt verteilt. Und unglücklicherweise befinde sich der allergrößte Teil des Kobalts im Kongo.

Kongo ist ein Land, das politisch sehr instabil ist. Und man muss sich auch überlegen, ob man überhaupt Leute unterstützt durch den Kauf von Kobalt, die möglicherweise nicht unterstützt werden sollten.

Olaf Conrad, Geschäftsführer von Jenabatteries

Windräder mit Batterien im Fundament gewünscht

Conrad arbeitet in Jena an einer Redox-Flow-Batterie auf Basis organischer Moleküle, die in herkömmlichem Salzwasser gelöst werden. Ein ähnliches Prinzip war auch für den Kavernen-Akku von EWE geplant, an dessen Entwicklung die Universität Jena stark beteiligt war.

Windräder einer Windkraftanlage sind in der Nähe von Magdeburg hinter einem blühenden Rapsfeld zu sehen
Redox-Flow-Batterien können die Speicherung von Strom aus Windenergie ermöglichen. Bildrechte: dpa

Conrad sieht aber noch viele andere Möglichkeiten, diese Art der Batterie auszuprobieren: "Nehmen wir ein Beispiel: Eine Windfarm hat eine Reihe von Windkraftanlagen auf einem Feld stehen. Und dann kann man jeder dieser Windfarmen eine solche Batterie beistellen. Die könnte man zum Beispiel im Fundament mit einbauen. Oder man könnte ein Gebäude daneben bauen, in dem dann diese Batterie die überschüssige Windenergie speichert."

Solche Projekte kann sich auch EWE weiterhin vorstellen. Projektleiter di Nardo sagt, man sei überzeugt, dass die Technologie Potenzial hat. Nur der Kavernen-Akku als größte Batterie der Welt sei dem Unternehmen dann doch eine Nummer zu groß gewesen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 07. Dezember 2018 | 05:19 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. Dezember 2018, 05:00 Uhr

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4 Kommentare

08.12.2018 11:24 Carolus Nappus 4

Man muss eben mal anfangen. Niemand behauptet ernsthaft, dass man Stand heute einfach mal alle Kraftwerke abschalten kann. Die standen übrigens auch nicht über Nacht auf dem Acker und lieferten Strom. Das dauerte teils Jahrzehnte bis der überall jederzeit verfügbar war. Gerdae die Bürger hier im Osten werden sich noch an teils heftige Schwankungen im Netz bis hin zu Totalausfällen erinnern. Und das nicht etwa nur bis in die 1950er oder in irgendwelchen Katastrophenwintern.
Es kommt schon heute genug über Wind und Sonne an. Es fehlt schlicht an den Speichern. Neue Windräder werden nicht gebraucht. Und möglicherweise wird es viele verschiedene Möglichkeiten zur Speicherung geben. Der Wirkungsgrad dürfte eher sekundär sein. Es weht und scheint mehr als genug.

08.12.2018 09:41 mueller 3

Grüne Luftschlösser erweisen sich letztlich als das was sie sind - Luft. Wer glaubt mit solchen Speichern das Problem der "launigen" sogenannten erneubaren Energien zu lösen glaubt wahrscheinlich auch noch an den Weihnachtsmann. Ich würde mir wünschen, dass alle Betreiber von Kraftwerken mit fossilen Brennstoffen einfach mal eine Woche abschalten. Dann kappieren eventuell auch die "morgen sofort Kohleaussteiger" und "Stromtrassenverhinderer", was Grundlast bedeutet.

07.12.2018 15:47 Altmeister 50 2

Egal welchen Speicher man präferiert, die Kosten um ggf. 14 Tage Dunkelflaute zu überbrücken sind wegen der unvorstellbaren Größe, die man braucht, unbezahlbar und in der Summe wegen des Rohstoff- oder Flächenverbrauches evtl. umweltschädlicher als die bisherige Energiegewinnung. Die Fa. Powertech hat errechnet, dass Speicherkapazitäten von ca. 17.500 durchschnittlichen Pumpspeicherwerken notwendig sind, um die Versorgungssicherheit zu garantieren. Wer soll die wann bauen und wie refinanzieren ?
Hinzu kommt, dass der Wirkungsgrad, also letztendlich der Verlust, bei Umwandlung in Speicher und Rückumwandlung in Energie katastrophal ist. Das Ganze ist ein technischer Irrweg, unbezahlbar und umwelttechnisch möglicherweise schädlicher als bisher.

07.12.2018 13:45 martin 1

Tja, mittlerweile kupfern die Chinesen nicht mehr nur Technologien ab und produzieren billig. Wenn wir weiterhin die Umsetzung von Zukunftstechnik verschlafen, können wir bald das Licht ausmachen.