Finanzskandal Haftbefehle gegen Wirecard-Vorstände

Gegen drei frühere Manager des insolventen Bezahldienst-Anbieters Wirecard sind Haftbefehle erlassen worden, darunter erneut gegen Ex-Vorstandschef Braun. Offenbar wurde bei Wirecard schon früher betrogen als bekannt.

Eine Kreditkarte des Bezahldienstleister Wirecard liegt in einem Showroom des Unternehmens auf einem Tisch.
Hat Insolvenz angemeldet: der Bezahldientsleister Wirecard Bildrechte: dpa

Im Betrugsskandal beim deutschen Online-Bezahldienst-Anbieter Wirecard hat die Münchner Staatsanwaltschaft drei neue Haftbefehle gegen frühere Führungskräfte gestellt.

Ex-Vorstandschef erneut festgenommen

Markus Braun, Vorstandsvorsitzender von Wirecard, steht bei einem Fototermin in der Firmenzentrale.
Erneut festgenommen: Ex-Wirecard-Chef Markus Braun Bildrechte: dpa

Wie eine Sprecherin der Ermittlungsbehörde mitteilte, richtet sich einer davon gegen Ex-Vorstandschef Markus Braun. Ein erster Haftbefehl gegen ihn war gegen eine Kaution von fünf Millionen Euro außer Vollzug gesetzt. Nun wurde er erneut festgenommen. Ebenso festgenommen wurden zwei weitere frühere Vorstände, darunter der bis 2017 amtierende ehemalige Finanzvorstand.

Bilanzbetrug offenbar schon seit 2015

Wie die Sprecherin weiter mitteilte, wurden die Tatvorwürfe gegen die Ex-Manager noch einmal "ganz erheblich" erweitert. So habe sich aus der umfassenden Aussage eines Kronzeugen ergeben, dass die drei Beschuldigten bereits seit 2015 die Bilanzsumme und das Umsatzvolumen durch das Vortäuschen von Einnahmen aufgebläht hätten.

Luftbuchungen über fast zwei Milliarden Euro

Der Zahlungsabwickler Wirecard gehört zum Deutschen Aktienindex Dax der 30 wichtigsten deutschen Konzerne. Im Juni hatte das Unternehmen mit Sitz in Aschheim bei München Insolvenz angemeldet und mutmaßliche Luftbuchungen von 1,9 Milliarden Euro eingeräumt. Bei den Buchungen handelte es um die angeblichen Erträge von Geschäften mit Subunternehmern, die für Wirecard Kreditkartenzahlungen in Südostasien und im Mittleren Osten abwickelten. Nach derzeitigem Erkenntnisstand war dieses Drittpartnergeschäft entweder in Gänze oder zum allergrößten Teil erdichtet.

Fragen an Bundesregierung

In der Angelegenheit geriet auch die Bundesregierung unter Druck. Die Opposition will wissen, ob es Fehler bei der Finanzaufsicht gab, ob Bundesfinanzminister Scholz eine Verantwortung trägt und ob die Bundesregierung inklusive Kanzleramt Wirecard unterstützten, obwohl der Verdacht von Unregelmäßigkeiten bereits im Raum stand.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 22. Juli 2020 | 16:00 Uhr