Ladenöffnung Handelsverband will Sonntagsöffnung erstreiten

Seit Jahren gibt es Streit um eine Sonntagsöffnung von Geschäften. Gewerkschaften und Kirchen sind dagegen, der Handel will die Öffnung nun erzwingen. Der Branchenverband kündigte als ersten Schritt den Gang vor das Bundesverfassungsgericht an. Eine komplette Freigabe der Öffnungszeiten will er nach eigenen Angaben aber auch nicht.

Leere Straßen und Plätz während der Coronakrise im April 2020
Der Handelsverband will auch am Sonntag offene Geschäfte (Symbolbild). Bildrechte: MDR / Alexander Brabandt

Der Handelsverband Deutschland (HDE) will im Streit um Sonntagsöffnungen eine Entscheidung erzwingen. HDE-Präsident Josef Sanktjohanser sagte "Welt online", der Verband sei entschlossen, Verfassungsbeschwerde einzureichen, um Rechtsklarheit zu schaffen. Dazu komme es voraussichtlich bereits in den nächsten Monaten.

Plan B ist Grundgesetzänderung

Sanktjohanser fügte hinzu, sollte die Verfassungsbeschwerde ihr Ziel nicht erreichen, werde der Handelsverband eine Initiative für eine Grundgesetzänderung ergreifen.

Quer durch die Parteien gibt es Befürworter unserer Auffassung.

Josef Sanktjohanser, HDE-Präsident

Der Handelspräsident erklärte, auch viele Bürgermeister stellten sich hinter den Verband. Die Corona-Krise habe die Situation für die Innenstädte dramatisch verschärft.

Vorwurf der Doppelmoral an Kirchen

Den Kirchen warf Sanktjohanser "Doppelzüngigkeit" vor. Wallfahrtsorte werden immer wieder großzügig mit Sonntagsöffnungszeiten ausgestattet, ohne dass jemand protestiere.

Handel will keine komplette Freigabe

Ein großes Werbeposter für einen verkaufsoffenen Sonntag
Von 13 Uhr bis 18 Uhr sollen die Läden nach den Vorstellungen des Handelsverbands öffnen. Bildrechte: dpa

Sanktjohanser betonte, der Handelsverband wolle keine völlige Freigabe der Öffnungszeiten. Angestrebt  würden lediglich vier bis zwölf Sonntage pro Jahr in einem begrenztem Zeitfenster von 13 bis 18 Uhr.

Derzeit ist die Öffnung von Geschäften am Sonntag nur gestattet, wenn sie anlässlich einer kulturellen oder ähnlichen Veranstaltung erfolgt, etwa einem Volksfest. Gewerkschaften und Kirchen klagen regelmäßig gegen verkaufsoffene Sonntage – oft mit Erfolg.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 20. September 2020 | 15:30 Uhr