Pflegebonus Wann bekommen Thüringer Pfleger ihren Bonus?

In Thüringen hat es länger gedauert als in anderen Bundesländern, bis feststand, dass auch vom Land ein Bonus von einmalig bis zu 500 Euro für Pflegekräfte kommt – zusätzlich zu den bis zu 1.000 Euro, auf die sich die Bundesregierung geeinigt hat. Beide Boni erhalten Menschen, die in einer ambulanten oder stationären Altenpflegeeinrichtung arbeiten. Aber wann und wie?

Ein Pfleger eines Pflegeheims schiebt eine Bewohnerin mit einem Rollstuhl
Bis zu 1.500 Euro steuerfreien Bonus können Pfleger bekommen. Bildrechte: dpa

Helen Drexler sitzt im Innenhof des Altenpflegeheims St. Elisabeth in Erfurt. Den Mund-Nase-Schutz hat die junge Frau für das Gespräch unters Kinn geschoben. Die Corona-Zeit beschreibt die Pflegefachkraft als angespannt. Über den angekündigten Pflegebonus freut sie sich. Auch wenn sie noch nicht genau weiß, wie viel Geld sie bekommen wird: "Es wurde gesagt, dass wir eine Prämie bekommen. Aber in welchem Ausmaß, das wurde uns noch nicht genau gesagt."

1.000 Euro für Vollzeit-Pflegekräfte

Der Geschäftsführer des Pflegeheims, Gundekar Fürsich, hat für das Interview ebenfalls im Innenhof Platz genommen und kann gleich Licht ins Dunkel bringen: "Mit 35 Stunden bekommt man die Vollzeit-Prämie. Also Sie bekommen die 1.000 Euro."

Auszahlung wohl im Juli oder August

Aber nicht alle bekommen die vollen 1.000 Euro. Bei einer 25-Prozent-Stelle zum Beispiel gibt es 667 Euro. Hausmeister, Verwaltungsmitarbeiter oder das Küchenpersonal bekommen 334 Euro. Fürsich sagt: "Wir gehen davon aus, dass wir zum Juli-Gehalt dann den Bonus auszahlen können. Allerspätestens im August."

Das Geld kommt von den gesetzlichen Pflegekassen. Bis Mitte Juni hatten die Betreiber der Pflegeeinrichtungen Zeit, dort einen Antrag zu stellen. Im Falle des St. Elisabeth-Pflegeheims ist der Betreiber die Caritas. Sollte ein Mitarbeiter vergessen worden sein oder ein Betreiber es nicht geschafft haben, den Antrag rechtzeitig zu stellen, gibt es im Herbst eine zweite Möglichkeit, erklärt Birgit Dziuk, Landesgeschäftsführerin der Barmer in Thüringen.

Private Pflegekassen nicht beteiligt

Das Geld kommt anteilig von allen gesetzlichen Pflegekassen. Die privaten Pflegekassen bleiben außen vor. Ungerecht, meint Dziuk: "Schön wäre es gewesen, notwendig wäre es gewesen, gesellschaftlich notwendig wäre es gewesen, dass sich auch die private Pflegeversicherung an diesen Aufwendungen beteiligt." Aus ihrer Sicht wäre es Aufgabe des Bundesgesetzgebers, das zu prüfen.

Auch bei der AOK Plus ist man unzufrieden, dass die privaten Kassen sich nicht beteiligen. Wie viel der Pflegebonus die gesetzlichen Kassen am Ende kosten wird, steht noch nicht fest.

Thüringen gibt was dazu

Die gut 32.000 Beschäftigten in thüringischen Pflegeheimen und bei ambulanten Diensten bekommen neben dem Geld der gesetzlichen Pflegekassen auch noch einen Bonus vom Land. Bis zu 500 Euro sind es hier, ebenfalls gestaffelt.

Werner: Arbeitgeber wollten nichts beisteuern

Thüringens Sozial-, Arbeits- und Familienministerin Heike Werner (Die Linke)
Thüringens Arbeitsministerin Werner (Die Linke). Bildrechte: dpa

Weil das entsprechende Gesetz erst Anfang Juni im Landtag beschlossen wurde, kommt das Geld wohl erst im Spätsommer, erklärt Thüringens Sozialministerin Heike Werner und fügt hinzu: "Ein bisschen schade ist, dass die Arbeitgeber nicht mit einspringen. Es hätte ja auch die Möglichkeit gegeben, dass die Arbeitgeber einen Anteil mit übernehmen. Das ist aber in gar keinem Bundesland gelungen. So haben wir eben die Lösung, wie sie jetzt ist und hoffen, dass wir auch recht schnell zu der Auszahlung kommen."

Boni kommen wohl nicht zeitgleich

Dazu laufen gerade noch die Gespräche mit den gesetzlichen Pflegekassen. Das Geld vom Land soll nämlich auf gleichem Wege ausgezahlt werden wie der andere Bonus. Angestrebt ist, dass die Träger keinen zusätzlichen Antrag stellen müssen.

Trotzdem hätte der Geschäftsführer des St. Elisabeth Altenpflegeheims in Erfurt es besser gefunden, beide Boni hätten zeitgleich ausgezahlt werden können. Fürsich meint: "Das wäre sicher auch für die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen motivierender gewesen."

Viel Dankbarkeit aus der Bevölkerung

Geld sei ihr aber nicht das Wichtigste, meint Pflegefachkraft Helen Drexler: "Wir hatten sehr viele Unbekannte, die uns in der Zeit von Corona etwas Gutes getan haben. Haben uns Kuchen gebacken, haben uns Süßigkeiten gebracht, haben liebe Karten geschrieben. Also auch die Zuneigung, die nicht immer nur mit Geld zu tun haben muss. Einfach, auch auf andere Arten Dankeschön zu sagen."

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 29. Juni 2020 | 06:21 Uhr

7 Kommentare

Blume65 vor 34 Wochen

Was nützt der Bonus wenn sie danach wieder nur Mindestlohn bekomm .warum gibt es keine ordentliche lohnerhöung. Hauptsache unsere Landes Regierung bekommt wieder mehr

Rotti vor 34 Wochen

Ich finde es gut, wenn die Pflegekräfte die 1500 Euro bekommen. Warum sind die noch nicht auf den Konten? Die Thüringer Landesregierung bekommt ihre deutlich höheren Tandiemen am Monatsersten auf die Krallen.
Und nun wird es Zeit, über adequate Gehälter zu sprechen.

Ovuvuevuevue Enyetuenwuevue Ugbemugbem Osas vor 34 Wochen

Es wäre ebenfalls angemessen, die Eltern zu entschädigen, die ihren Urlaub opfern mussten, um während der vermeintlichen «Corona-Pandemie» zu Hause ihre Kinder betreut haben und damit eine Aufgabe übernahmen, die das Land aus Steuergeldern zu bewerkstelligen gehabt hätte.

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