Eine Reinigungskraft haelt 9,19 Euro in ihrer Hand.
2017 beschäftigten 90 Prozent aller Haushalte mit einer Reinigungskraft, diese schwarz. Bildrechte: imago/epd

Schwarzarbeit bei Reinigungskräften Bürokratische Hürden machen Schwarzarbeit attraktiver

Beinahe 90 Prozent aller Haushalte mit einer Reinigungskraft, beschäftigten diese im Jahr 2017 schwarz. Das geht aus einer Studie des deutschen Wirtschaftsinstituts hervor. Auf den ersten Blick scheinen Nachfrage und gesetzliche Regeln nicht zusammenpassen. Braucht es neue Regelungen?

von Linda Schildbach, MDR AKTUELL

Eine Reinigungskraft haelt 9,19 Euro in ihrer Hand.
2017 beschäftigten 90 Prozent aller Haushalte mit einer Reinigungskraft, diese schwarz. Bildrechte: imago/epd

Es sollte doch ganz einfach sein: Für die Wohnung seiner Mutter sucht unser MDR-Kollege Jörg in Leipzig eine Putzkraft – legal und angemeldet. Alle zwei Wochen soll sie vorbeikommen und für ein oder zwei Stunden sauber machen.

Doch die vielen Firmen, die er anschrieb, waren daran nicht interessiert. Das Zustandekommen eines Vetrages sei immer gleich an Bedingungen geknüpft gewesen. Zum Beispiel, dass mindestens wöchentlich zwei bis drei Stunden Putzen gebucht werden musste. Und das würde am eigentlichen Bedarf vorbeigehen, berichtet Jörg.

Haushaltshilfen werden meist privat weiterempfohlen

Für viele Firmen rechne es sich einfach nicht, ihre Reinigungskräfte für solch kleine Aufträge an Privatpersonen zu vermitteln, erklärt Wolfgang Buschfort, Sprecher der Minijob-Zentrale. Die Leute würden auf anderen Wege an ihre Reinigungskräfte kommen: "Heutzutage werden immer noch die meisten Putzhilfen im Bekanntenkreis oder in der Nachbarschaft durch private Empfehlungen vermittelt."

Vermittlungsportale zu unflexibel

Rebekka, die eigentlich anders heißt und anonym bleiben will, hat ihre Putzkraft zunächst ganz legal online über ein Vermittlungsportal kennengelernt. Doch das war der 28-Jährigen auf Dauer nicht flexibel genug, wie sie schreibt. Standardtermine wären oft 24 Stunden vorher storniert worden, wenn die Putzkraft nicht konnte.

Und so kurzfristig konnte sie über das Portal keine neue Person finden, die einspringt. Also hat sich Rebekka direkt mit ihrer Haushaltshilfe abgesprochen und ihn von da an – auf seinen Wunsch – schwarz beschäftigt.

"Für uns macht es keinen Unterschied, aber für ihn schon. Er muss halt von den 35 Euro jetzt nichts mehr abgeben. Und da er nebenbei normal arbeitet, kommt das für ihn oben drauf."

Schwarzarbeit besser bezahlt und kaum kontrolliert

Kein Einzelfall, weiß auch der Sprecher der Minijob-Zentrale Wolfgang Buschfort. Viele putzen schwarz, um aufzustocken und weil sie nicht wollen, dass Sozialleistungen wie Arbeitslosengeld oder Unterhaltszahlungen durch den Minijob gekürzt werden.

Eine Kontrolle müssen sie kaum fürchten. Anders als bei gewerblichen Minijobs, ist es bei Haushaltshilfen schwieriger einzugreifen. Buschfort erklärt das an einem Beispiel: "[Bei einer Kontrolle] sperrt der Zoll dann eine ganze Baustelle ab, überprüft alle Personen und führt nachher drei Personen ab. Das können sie in einem Wohngebiet nicht machen, um da die Haushaltshilfen herauszuholen."

Bürokratie macht legale Arbeit unattraktiv

Der ausgeprägte Schwarzmarkt ist auch für Benedikt Franke problematisch. Er ist der Gründer und Geschäftsführer des Vermittlungsportals Helpling.de. Franke sieht hier vor allem die Politik in der Pflicht, an den Voraussetzungen etwas zu ändern. Denn abgesehen vom Minijob, seien die bürokratischen Hürden für die Haushalte und selbstständigen Reinigungskräfte zu hoch.

Hinzu komme, dass es auch viele finanzielle Hürden aufgebaut würden, die legale Arbeit unattraktiv machen würden, erklärt Franke. "Da haben wir bei Solo-Selbstständigen vor allem ein Thema: der Zugang zur Sozialversicherung. Wie einfach und kostengünstig ist der möglich?"

Der "Arbeitsplatz Privathaushalt" sei so noch weit entfernt davon, ein normaler Arbeitsplatz zu werden.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 17. Juli 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. Juli 2019, 05:00 Uhr

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5 Kommentare

17.07.2019 16:31 Michael Möller 5

man muss sich das einmal durch den Kopf gehen lassen, da weis die Regierung bzw. die Behörde seit Jahrzehnten von diesen Thema und was hat die Regierung bis heute unternommen nichts. das ist in meinen Augen Staatsverstagen auf ganzer Linie. anstatt endlich zu handeln wird genau wie bei der Steuerhinterziehung wird weggeschaut. das hat nichts aber auch gar nichts mit Demokratie zu tun würde ich sagen. aber jetzt nach einer neuen Steuer rufen was für eine krumme Logik

17.07.2019 10:06 H.E. 4

Ich glaube, daß viele die Hartz IV bekommen, sich dadurch noch ein Zubrot verdienen, das Ihnen sonst wieder abgezogen würde. Mein Sohn, der sehr gut bezahlen würde, sucht schon lange eine Haushaltshilfe, aber nur angemeldet. Deshalb findet er auch keine. Inzwischen hat er sich einen teuren Saugroboter zugelegt und macht den Rest selbst.

17.07.2019 07:25 frank d 3

Nachdem die uns regierenden immer mehr und mehr und mehr Lasten auf die fleißigen im Land und deren Arbeit gelegt haben, reiben sich diese kognitiven Halden verwundert die Augen? Das wird noch viel schlimmer kommen. Was machen denn die Heroen der Verbalmoral erst wenn die Leistungsfähigen mal kürzer treten und es den "Aktivisten" gleichtun? Einfach mal nix machen. Das reduziert dann die Einnahmen und auf einmal werden die Moralapostel dann ganz nervös denn ihre Ansprüche sind ja sehr hoch ihre Fähigkeiten hingegen überschaubar. Da ist dann Venezuela näher als man Caracas sagen kann. Venzeremos.

17.07.2019 07:14 Mane 2

Wie bei NTV gesagt wurde,Deutschland ist eine Oase für Kriminelle und Steuerbetrüger.

17.07.2019 06:47 optinator 1

Diejenigen die "Schwarz Arbeiten" sind eh schon im Niedriglohnsektor beschäftigt.
Somit werden hier keine und ganz wenige Anteile für die Rente gezahlt.
Das heißt, von der Schwarzarbeit Leben doch einige recht gut, werden aber als Rentner dann von der Solidargemeinschaft zusätzliche Leistungen einfordern.

Alle Anderen, die ihre Steuern und Beiträge bezahlen werden beschissen !

Übrigens verhält es sich ebenso mit den Trinkgeldern bei den Dienstleistungsgewerbe.