Aufschwung im Mai Deutlich mehr Aufträge für deutsche Industrie

Nach dem Konjunktureinbruch in der Corona-Hochphase füllen sich nun wieder die Auftragsbücher deutscher Firmen. Die Bestellungen zogen im Mai um zehn Prozent an. Doch bei Dienstleistern wie Reiseveranstaltern und in der Gastrobranche droht eine Pleitewelle.

Mitarbeiter arbeiten an einem Volkswagen Golf 8 an einer Produktionslinie im VW Werk
Die deutschen Unternehmen haben sich im Mai über ein Plus an Aufträgen gefreut. Bildrechte: dpa

Deutsche Industriebetriebe haben im Mai 10,4 Prozent mehr Aufträge erhalten als im April. Das war ein Rekordplus binnen Monatsfrist – der höchste Zuwachs seit Beginn der Datenerhebung 1991. Nach Einschätzung des Bundeswirtschaftsministeriums hat die deutsche Industrie den Tiefpunkt der Rezession durchschritten.

Allerdings hatten Volkswirte für den Mai sogar ein Plus von 15 Prozent erwartet, nach dem coronabedingten Absturz um gut 26 Prozent im April. Das Auftragsvolumen ist noch weit entfernt vom Vor-Corona-Niveau. Im Mai 2019 und auch im Februar 2020 gab es etwa 30 Prozent mehr Bestellungen.

Weiter hohe Risiken

Ein Blick auf die wichtige Autoindustrie zeigt, dass es bis zum Niveau vor der Pandemie noch ein weiter Weg ist: Von April auf Mai stiegen die Aufträge um gut 44 Prozent, lagen aber mehr als 47 Prozent niedriger als im Februar.

Die Industrie-Aufträge aus dem Inland kletterten um gut zwölf Prozent und die Bestellungen aus dem Ausland um knapp neun Prozent. Der Aufschwung wird fast ausschließlich von der Euro-Zone getragen, mit einem Auftragsplus um fast 21 Prozent. Aus dem restlichen Ausland legten die Bestellungen nur um zwei Prozent zu. Das Wirtschaftsministerium sieht ein anhaltend schwieriges weltwirtschaftliches Umfeld.

Zu beklatschen gibt es auch deshalb nichts, weil das Insolvenzrisiko hoch und die Zeichen neuer Infektionswellen weltweit derzeit zunehmen.

Alexander Krüger vom Bankhaus Lampe

Ifo-Umfrage: Pleitewelle befürchtet

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag erklärte, die Hälfte der Betriebe rechne frühestens 2021 mit einer Rückkehr zur geschäftlichen Normalität. Ein gutes Fünftel der Unternehmen sieht laut einer Umfrage des Ifo-Instituts sein Überleben durch die Krise gefährdet.

Ifo-Forscher Stefan Sauer warnt: "In den kommenden Monaten könnte sich eine Insolvenzwelle anbahnen." Das betreffe vor allem die Dienstleister, von denen sich 27 Prozent als gefährdet betrachteten. .

Reisebüros und Reiseveranstalter sehen sich demnach zu 85 Prozent in ihrer Existenz bedroht. Bei den Hotels sind es 76 Prozent und bei den Gaststätten 67 Prozent. Aber auch mehr als die Hälfte der Kreativen, Künstler und Unterhalter sorgt sich laut der Umfrage um ihre Zukunft.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 06. Juli 2020 | 10:00 Uhr