Ein DHL-Mitarbeiter legt ein Paket auf ein Förderband in einem von zwei neuen Terminals am Luftfrachtdrehkreuz Leipzig am Flughafen Leipzig-Halle in Schkeuditz (Sachsen).
DHL-Pakete am Flughafen Leipzig-Halle. Bildrechte: dpa

Internethandel Jedes sechste Paket geht zurück

Im deutschen Online-Geschäft geht jedes sechste ausgelieferte Paket zurück an den Händler. Wie Wirtschaftswissenschaftler der Universität Bamberg ermittelt haben, wurden 2018 in Deutschland schätzungsweise 280 Millionen Pakete und 487 Millionen Artikel retourniert.

Ein DHL-Mitarbeiter legt ein Paket auf ein Förderband in einem von zwei neuen Terminals am Luftfrachtdrehkreuz Leipzig am Flughafen Leipzig-Halle in Schkeuditz (Sachsen).
DHL-Pakete am Flughafen Leipzig-Halle. Bildrechte: dpa

Deutsche Kunden senden online bestellte Artikel häufig umgehend zurück. Jedes sechste Paket beziehungsweise jeder achte bestellte Artikel ging im Jahr 2018 zurück an die Händler. "Damit entstehen Gesamtkosten in Höhe von schätzungsweise 5,46 Milliarden Euro, die einerseits die Kunden durch höhere Marktpreise tragen, andererseits die Margen der E-Commerce-Händler belasten", sagt Björn Asdecker von der Forschungsgruppe Retourenmanagement an der Universität Bamberg.

Eine Retourensendung verursache im Durchschnitt 19,51 Euro Kosten, die Hälfte davon für den Transport. Zwar landeten nur 4 Prozent der zurückgeschickten Artikel im Müll. Aber alles muss zunächst einmal gesichtet und bewertet werden. Immerhin 79 Prozent werden direkt wieder als A-Ware verkauft, weitere 13 Prozent als B-Ware, so die Forscher. Und 3 Prozent würden an industrielle Verwerter verkauft oder an gemeinnützige Organisationen gespendet.

238.000 Tonnen CO²

Die Retouren belasten auch das Klima - so viel wie "täglich 2.200 Autofahrten von Hamburg nach Moskau" oder 238.000 Tonnen CO² im vergangenen Jahr.

Der Internet-Versandhandel hat nach Angaben des Bundesverbands BEVH vergangenes Jahr Waren für 65,1 Milliarden Euro verkauft. Im laufenden Jahr rechnet er mit elf Prozent Zuwachs auf 72 Milliarden. Jüngst wurde allerdings angekündigt, dass der Paketversand teuerer wird. Das könnte das Wachstum bremsen.

Der Forschungsgruppe Retourenmanagement gehören 438 Händler, Logistikdienstleister, Produzenten und Experten an.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 29. April 2019 | 08:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. April 2019, 10:15 Uhr

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21 Kommentare

29.04.2019 19:44 konstanze 21

Um die Paketboten zu entlasten und Umweltfreundlich zu leben, lassen sie uns doch einfach lieber
- alle blaue robuste Zweiteiler tragen. Halten lange, sind praktisch und können notfalls auch weitervererbt werden.
- alle stinknormale Fahrräder kaufen, ohne Schnickschnack, vom Hersteller um die Ecke.
- aufhören Fleisch zu essen und lieber Reis anbauen.
- weiterhin große Teile unserer Agrarflächen durch Solarzellen-felder, Windkraftwälder und Biogasanlagen
plattmachen
- Dorfgemeinschaften abschaffen, indem man nur noch die Städte fördert
- noch mehr Eltern auffordern ihre Kinder von fremden Erzieherinnen bzw. vom Staat, erziehen zu lassen
und und und
Wir sollten aber das mit den Spatzen wenigstens nicht wiederholen und die Sperlinge in Ruhe lassen.

29.04.2019 17:56 Anton 20

@16 Jens - Wenn in jedem Dorfgeschäft auch gute Auswahl von meiner Schuhgröße liegen wird, dann bin ich bereit, ohne Onlinekauf zu leben. Leider höre ich immer wieder, wenn ich in einem Geschäft nach Größe 49 frage: wir müssen das bestellen. Dann bestelle ich lieber selber in Internet, das ist ja das Gleiche!

29.04.2019 17:13 Angela Milker 19

Ja, zugegeben, der Onlineversandhandel hat wirklich sehr zugenommen. Aber man muß dabei auch sehen, warum das so ist. Für viele mag es die Bequemlichkeit sein. Im O.-Handel findet man aber auch viele Dinge, die man im Laden vor Ort vergeblich sucht. Und für viele gehandicapte Menschen geht es gar nicht mehr anders und ist daher oftmals die einzigste Möglichkeit über - haupt, ihr Leben überhaupt noch realisieren zu können. Ich weiss, wovon ich rede, kenne genug Betroffene und gehöre selbst auch zu diesen Personen. Hat also rein gar nichts mit Bequemlichkeit zu tun.

29.04.2019 15:54 Fragender Rentner 18

Die "CO2-Bilanz" soll auch super sein !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

29.04.2019 15:28 Dieter 17

Muss man wirklich bei jedem Thema mit dem CO2 Unsinn kommen? Bald getraut sich der Michel nicht mehr zu atmen.

29.04.2019 14:47 Jens 16

Hallo Anton, die Dörfer und die Kleinstädte haben die Internet-Besteller schon zum Aussterben gebracht. Leider denkt jeder nur an sich.

29.04.2019 14:41 Jens 15

Die Paketdienste sollen endlich die Online-Besteller zur Kasse bitten wenn wieder was zurück geschickt wird und wenn die Besteller nicht anwesend sind wenn die Lieferung kommt, blechen, blechen, blechen und nochmals blechen. Laßt sie bluten, die Online-Besteller. Die sollen zahlen für ihre Bequemlichkeit und Egoismus.

29.04.2019 13:47 Neutraler Betrachter 14

Womit wir wieder beim Thema CO2 wären. Bei allem was mit dem kleinen Mann zusammen hängt kommt dieser Hinweis.
Man sollte da zuerst auf unsre sogenannte Elieten schauen. Gern nimmt jeder sein eignes Flugzeug. Dort kann man wirklich sparen.

29.04.2019 13:38 NPD/AfDler 13

Rücksendungen sind zum Normalfall geworden in einem Geschäft, das rasant wächst und in dem die Kundschaft mit der Retour-Mentalität groß geworden ist. Drei Größen bestellen und zwei zurückschicken, das ist das Minimum. Der darbende Einzelhandel in Deutschland will seine lieb gewonnenen Onlinekunden auf keinen Fall verprellen.

29.04.2019 13:31 nasowasaberauch 12

Ganz einfach, Retouren kostenpflichtig machen und schon ist dem Mißbrauch der Riegel vorgeschoben, weil die Profirücksender (bei uns in der Nachbarschaft wohnt auch eine) abgeschreckt werden und jeder Onlinebesteller sich mehr mit seiner Bestellung beschäftigen muss.