Dolphin Trust Zweifelhafte Investoren treiben Immobilienpreise in die Höhe

Jeder Quadratmeter ist heiß begehrt. Die Preise gehen seit Jahren steil nach oben. Da wundert es, wenn Investoren jahrelang nichts an ihren erworbenen Immobilien tun. Doch dahinter stecken teilweise zweifelhafte Geschäfte.

"Letzte große Polygraph-Halle in Anger-Crottendorf wird saniert" jubelte die Leipziger Volkszeitung Ende 2016. Man werde schon 2017 beginnen, in der alten Karl-Krause Druckmaschinenfabrik 100 Eigentumswohnungen und Stadtvillen auf dem Gelände dahinter zu bauen, wird ein Vertreter der Firma Dolphin Trust aus Hannover zitiert. Doch ein Bauantrag wurde nie gestellt. Das Gebäude verfällt. Auf dem Dach wachsen Bäume – kein Fenster hat mehr eine Scheibe.

Dabei ist das Fabrikgebäude ein interessantes Objekt. Die Gegend wird immer beliebter. Bald wird es noch attraktiver. Die Stadt Leipzig will auf der alten still gelegten S-Bahnstrecke einen Radweg bis in die Innenstadt bauen. Es gibt ein Stadtentwicklungskonzept.

Martin zur Nedden, langjähriger Baudezernent der Stadt Leipzig
Martin zur Nedden, langjähriger Baudezernent der Stadt Leipzig. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Warum ist also nichts passiert? Möglicherweise verzögerten sich die Bauarbeiten wegen notwendiger Erschließungsmaßnahmen, sagen die einen. Martin zur Nedden, langjähriger Baudezernent der Stadt Leipzig, weiß, dass es in solchen Fällen auch andere Gründe geben kann: Wenn erwartet wird, dass die Bodenpreise in der Stadt weiter steigen, "kann ich natürlich darauf spekulieren, […] einen erheblich größeren Verkaufspreis zu erhalten, als ich selbst für das Grundstück bezahlt habe".

Zu Lasten von Mietern und Steuerzahlern

Tatsache ist: Dolphin hat das Fabrikgebäude sowie neun weitere umliegende Grundstücke 2014 für 2,65 Millionen Euro gekauft. Vier Jahre danach hat das Unternehmen nach Informationen von MDR-exakt allein das Fabrikgrundstück für mehr als das Dreifache verkauft.

Doch so ein Vorgehen ist auch ein Problem für künftige Mieter und den Steuerzahler. "Denn alles was an Herstellungskosten entsteht, wird letztendlich auf die Mieter umgelegt", sagt Martin zur Nedden. "Und auch indirekt zahlen es wir Steuerzahler, durch gewisse steuerliche Abschreibungen, gerade im Falle Baudenkmäler." Bei letzterem könnte sogar die erhöhte Abschreibung für Abnutzung (Afa) genutzt werden, "so dass letztendlich der Steuerzahler solche erhöhten Grundstückspreise mit finanziert".

Experten fordern Begrenzung solcher Geschäfte

Deshalb benötigen Kommunen mehr Möglichkeiten, um Erwerber beim Bau von versprochenem Wohnraum in die Pflicht zu nehmen, sagt Martin zur Nedden, der als Geschäftsführer des Instituts für Urbanistik gemeinsam mit anderen Experten die "Roadmap Bodenpolitik" erstellt hat, mit Maßnahmen, mit denen solche Geschäfte begrenzt werden sollen.

Polygraph-Halle in Anger-Crottendorf (Leipzig)
Die Kommunen benötigen mehr Möglichkeiten, um Erwerber beim Bau von versprochenem Wohnraum in die Pflicht zu nehmen, sagt Martin zur Nedden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Boden- und Immobilienpreise erreichen alarmierende Höhen – auch weil  die Städte Bau- und Modernisierungsgebote oft nur schwierig durchzusetzen können. Schließlich handelt sich um einen Eingriff ins Privateigentum. Den Kommunen mangele es allein schon an Personal, sagt zur Nedden. Ebenso ist das Vorkaufsrecht mit Blick auf die Finanzsituation der Kommunen nur ein Papiertiger.

Aus dem Leipziger Stadtplanungsamt heißt es: "Die sogenannte Bauüberhangsstatistik der Stadt Leipzig zeigt: Es werden mehr Baugenehmigungen ausgereicht, als letztlich gebaut wird. Es scheint in bestimmten Fällen immer noch attraktiver, Grundstücke zu erwerben, sie liegen zu lassen oder sie mit Baurechten weiter zu veräußern, als zu bauen." Die Stadt sehe Handlungsbedarf beim Gesetzgeber, das Spekulationsthema in die Diskussion um die Neuregelung der Grundsteuer mit aufzunehmen, heißt es weiter.

Ökologisch und wirtschaftlich problematisch

Die Auswirkungen sind oft weit reichender, als man gemeinhin annimmt, so Martin zur Nedden. Nachbarn und Wohnumfeld leiden, denkmalgeschützte Gebäude verrotten und "wenn ich solche Flächen nicht nutzen kann, weil der Eigentümer andere Vorstellungen hat, muss ich bisher unversiegelte Flächen nehmen". Das sei ökologisch und wirtschaftlich problematisch.

Die Firma Dolphin Trust aus Hannover heißt inzwischen German Property Group. Sie hat mehrere Immobilien in Mitteldeutschland. Auf die Anfrage von MDR-exakt, kommt Post vom Anwalt. Daraus zitieren wird untersagt. Der Anwalt weist im Auftrag seiner Mandantin jegliche Spekulationsvorwürfe zurück. Gefragt hatte MDR-exakt ganz konkret nach Bauplänen,  gestellten Bauanträgen und etwaigen Schwierigkeiten mit Kommunen oder dem Denkmalschutz.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | exakt | 10. Juli 2019 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. Juli 2019, 16:00 Uhr

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11 Kommentare

12.07.2019 08:20 Gaihadres 11

@Nr.5: Ihre Aussage ist zum einen nur Halb wahr und zum anderen kein Hauptproblem. Sie unterschlagen maßgeblich das es sich lediglich um das Wanderungssaldo handelt. Also die Differenz zwischen Zuzug und Wegzug aus Deutschland. Es sterben nach wie vor deutlich mehr Menschen als geboren werden. Und da die Bundesdeutsche Leerstandsquote nach wie vor zwischen 5 bis 8 Prozent stagniert reden wir mit Mietpreisbremsen und Wohnraummangel am eigentlichen Thema vorbei - die Ungleichverteilung der Arbeit in Deutschland. Nichtsdestotrotz bringt es gar nichts, wenn Sie derlei Geschäftsmodelle mit dem Verweis auf unbedeutende Probleme indirekt in Schutz nehmen.

12.07.2019 08:18 DerIch 10

Im Artikel wird versucht, das Investieren und das Gewinnstreben zu defamieren - obwohl es jeder einzelne und sei er noch so 'arm' genauso macht (es muss nicht immer um 'Geld' gehen, sondern um den eigenen Vorteil).

Aber bei den Anderen ist es böse.

Solche plakativen Beispiele wie im Artikel lenken davon ab, dass
- die Kommunen ebenfalls an solchen Geschäften (zu lasten der Steuerzahler) verdienen, z.B. über Grunderwerbssteuer / Grundsteuer
- das es die Kommunen selbst in der Hand haben, ausreichend Bauland auszuweisen, um günstige Miet-Wohnungen entstehen zu lassen
- das es die Kommunen selbst in der Hand haben, neue günstige Miet-Wohnungen zu bauen (auf neu ausgewiesenem Bauland etc).

Aber es ist einfacher, die Schuld bei den Anderen und außerhalb der Politik zu suchen.

Wem zur Miete wohnen zu teuer ist, der baue selbst - und erkenne, was es bedeutet, Immobilienbesitzer zu sein.

12.07.2019 06:51 kleinerfrontkaempfer 9

100 Milliarden (geschätzt) werden durch Geldwäsche jährlich in Doitschland investiert und legal gemacht. Bei den italienischen OK Gesellschaften ist das Land sehr beliebt. Und andere kriminelle Ausländer schätzen mangelnde Aufsicht und Kontrolle der einzelnen Bundesländer (16 fach verschieden) ebenfalls.
Dann ist da noch das Fehlverhalten des Staates der Immobilien des bundeseigenen Eigentums (Bahn, Wohnbauuntern., Versorg.werke) in den vergangenen Jahrzehnten großzügig verschleudert hat. Diese Substanz und Reserve der Daseinsvorsorge für "seine" Bürger entledigt hat. Ursache ist also klar. Die Wirkung ist nun marktwirtschaftlich angekommen.

12.07.2019 00:19 frank d 8

Zweifelhafte Informanten trieben durch ihre zweifelhaften Informationen erst die Bauvorschriften in die Höhe und dann die Preise. Auch treiben die zweifelhaften Informanten die Preise für Ihre zweifelhaften Informationen in die Höhe welche auf die Zweifellos Hohen Mieten noch On the Top zu zahlen sind. Zweifelhaft der Nutzen der zweifelhaften Informationen der zweifellos fragwürdigen Informanten. Zweifellos wäre es günstiger die zweifellos einseitigen Informationen der Zweifelhaften Informanten anzuzweifeln. Sapere aude

11.07.2019 21:59 A 7

Hat der kleine "Wilde" von der SPD nicht doch recht?
Enteigung?

11.07.2019 21:42 REXt 6

Nur was knapp wird, wird auch teuer, das gilt bei Land, besonders bei Bauland. Da wir ja nun jedes Jahr so ca. 200000 Menschen u. vielleicht noch mehr, geschenkt, verköstigen, bewohnen dürfen, werden die Mieten steigen u. steigen, mit u. ohne Mietpreisdingsda. Die Spekulation auf Bauland erreicht mittlerweile astronomische Zahlen. Der Bauboom hält an, Betongold heißt das Zauberwort, gefördert durch die Vernichtung der Altersvorsorge der Deutschen mit Hilfe der Nullzinspolitik, der Umverteilung von unten nach oben. Da kann ich mir ein Lachen bei Demos für Refugess Willkommenskultur nicht verkneifen, weil das gleiche Klientel dann zur nächsten Demo gegen steigende Mieten u. Wohnungsnot demonstrieren. Die Dummheit scheint in D jedenfalls grenzenlos zu sein!

11.07.2019 20:09 Atheist aus Mangel an Beweisen 5

Ich habe nach 89 gelernt Angebot und Nachfrage.
Wer jedes Jahr eine Großstadt einlädt braucht nicht die Schuld Immobilien Firmen in die Schuhe zu schieben.

11.07.2019 18:34 EGartner 4

es war einmal in einer fruehen BRD (Ludwig Erhard):
Soziale Marktwirtschaft
Der Staat handelt!
Deutschlands Wirtschaftsordnung ist die Soziale Marktwirtschaft. Sie wurde aus der Freien Marktwirtschaft entwickelt. Damit keine zu großen sozialen Ungerechtigkeiten entstehen, greift der Staat durch bestimmte Regeln in die Freie Marktwirtschaft ein.
Der Anspruch der sozialen Marktwirtschaft ist, die Vorteile einer freien Marktwirtschaft wie wirtschaftliche Leistungsfähigkeit oder hohe Güterversorgung zu verwirklichen, gleichzeitig aber deren Nachteile wie zerstörerischer Wettbewerb, Ballung wirtschaftlicher Macht oder unsoziale Auswirkungen von Marktprozessen (z. B. Arbeitslosigkeit) zu vermeiden. Die Zielsetzung der sozialen Marktwirtschaft ist deshalb ein größtmöglicher Wohlstand bei bestmöglicher sozialer Absicherung. Der Staat verhält sich aus diesem Grund nicht passiv, sondern greift aktiv in das Wirtschaftsgeschehen .....
(bpb.de)

Und heute ??? - Was bleibt ???

11.07.2019 18:25 EGartner 3

Tja, wir sind ja weltoffen,
Euphemismus fuer befreiten globalen Finanzkapitalismus !
Aber wollten denn die DDR-Buerger nicht Freiheit?, Freiheit fuer alle eben.
Und seit Ost & West nicht mehr in systemischer Konkurrenz/ Wettbewerb stehen,
sind die sozialen Ketten weggefallen.

Tja, Frueher war alles besser, auch die Zukunft !

11.07.2019 16:31 colditzer 2

" Es scheint in bestimmten Fällen immer noch attraktiver, Grundstücke zu erwerben, sie liegen zu lassen oder sie mit Baurechten weiter zu veräußern, als zu bauen."

In bestimmten Fällen.
Das ist systembedingt.
Privatisieren heißt das Schlüselwort dieser Regierung.
Alles was Land, Städten, Kommunen und Dörfern gehört wird verschleudert.
Der Käufer, sprich Spekulant, kauft billig auf und läßt liegen.
Er weiß, irgendwann stört die Ruine, man braucht Baufreiheit für Gebäude, man braucht Platz für Wege und Straßen.
Und dann kaufen die Kommunen für viel Geld die Ruinen wieder auf.
Immopreise gehen ja jubelnd in die Höhe.
Getrieben von Spekulanten und Anheizern.