Unterschiedliche Kaffeebohnen in einem Glasbehälter
Direkt importiertem Kaffee fehlt oft das Fair Trade Siegel. Bildrechte: imago/Nature Picture Library

Fair gehandelte Produkte Oft kein Fair-Trade-Siegel bei Kaffee-Direktimporten

Das Fair-Trade-Siegel - wer sich beim Einkauf bewusst darum kümmert, was im Einkaufskorb landet, kennt es. Das Siegel steht für fair gehandelte Produkte, die den Produzenten ein auskömmliches Leben ermöglichen sollen. Eine MDR-Aktuell-Hörerin aus Leipzig fragt sich, warum Direktimporteure von Kaffee und Kakao häufig auf ihren Produktpackungen nicht das Fair-Trade-Siegel haben und auch, warum das in Eine-Welt-Läden auf Produkten selten zu finden ist.

von Christian Werner, MDR AKTUELL

Unterschiedliche Kaffeebohnen in einem Glasbehälter
Direkt importiertem Kaffee fehlt oft das Fair Trade Siegel. Bildrechte: imago/Nature Picture Library

Jens Kleins Leidenschaft gilt dem Kaffee, den der Leipziger seit 2014 aus Nicaragua importiert. Die Idee entstand während einer Lateinamerika-Reise, verbunden mit dem Wunsch, ein fair gehandeltes Produkt auf den deutschen Markt zu bringen. Für seinen Bio-Kaffee werden die Bohnen per Hand geerntet, es gibt keinen Zwischenhändler und die Qualität wird von zertifizierten Organisationen überprüft. Das Fair-Trade-Siegel sucht man auf dem direkt importierten Kaffee allerdings vergebens. Klein sagt, dass er sich bewusst gegen das Siegel entschieden hat.

Für uns war es einfach so, dass wir gesagt haben, wenn wir das Siegel draufpacken, dann sind wir darüber mit dem Kaffee vom Discounter vergleichbar. Aber das sind am Ende zwei verschiedene Welten.

Jens Klein, Kaffeeimporteur

1,2 Milliarden Euro wurden in Deutschland im vergangenen mit Fair Trade gelabelten Produkten umgesetzt. Der Hauptanteil davon ist Kaffee. Das Siegel steht für eine angemessene Bezahlung der Produzenten in Schwellen- und Entwicklungsländern. Bei Kaffee beispielsweise muss ein bestimmter Mindestpreis gezahlt werden. 

Siegel keine Garantie für faire Produktion

Der Leipziger Kaffeeimporteur Jens Klein (rechts) mit einem Kaffeebauern.
Jens Klein (rechts) mit einem Kaffeebauern. Bildrechte: Christian Werner

Allerdings verpflichtet das Siegel Firmen nicht, auch in allen anderen Bereichen fair und nachhaltig zu agieren. Genau das kritisiert Jens Klein. Firmen müssten nicht nachhaltiger arbeiten als andere, um das Siegel zu verwenden. Es gehe nur um das Produkt, das gesiegelt ist. Klein verfolgte von Anfang an einen ganzheitlichen Ansatz und wollte eine komplett faire und nachhaltige Firma aufbauen.

So wird der Kaffee in einer Leipziger Behindertenwerkstatt gemahlen, verpackt und etikettiert. Seit 2017 steht hinter Jens Klein die Genossenschaft Café Chavalo und die zahlt nicht nur weitaus höhere Preise als etwa für das Fair-Trade-Siegel notwendig wäre. Sie setzt auch auf das sogenannte SPP-Siegel, das Kleinbauern 2006 in Lateinamerika als Alternative zu Fair Trade aus der Taufe gehoben haben.

Fair-Trade hat in bestimmten Produktbereichen irgendwann auch Produkte aus Plantagen zugelassen. Also eben nicht mehr nur der klassische, kleinbäuerliche Ansatz. Vielen Kleinbauern [...] ist das übel aufgestoßen.

Jens Klein

Auch Eine-Welt-Läden verzichten oft auf das Siegel

Der Umsatz von Jens Klein und seiner Genossenschaft ist bisher überschaubar. Im vergangenen Geschäftsjahr lag er bei 240 000 Euro. Der Kaffee wird online verkauft, direkt an Cafés, Bürogemeinschaften und eine Anwaltskanzlei in Leipzig geliefert. Auch Bio- und Weltläden gehören zu den Kunden. Dort werden Produkte mit dem klassischen Fair-Trade-Siegel ohnehin eher weniger angeboten.

Martin Finke arbeitet in so einem Eine-Welt-Laden in Leipzig. Er erklärt, dass es zwei verschiedene Varianten gibt, wie fair gehandelte Produkte zertifiziert werden können. Entweder werde das einzelne Produkt zertifiziert oder aber die gesamte Firma, welche fair gehandelte Waren importiert. Besonders die Produkte dieser Firmen würden man in Eine-Welt-Läden finden.

Der Markt für Direktimporteure etwa mit SPP-Siegel ist noch relativ überschaubar und kann an die Umsätze von Produkten mit dem Fair-Trade-Siegel nicht heranreichen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 05. Dezember 2018 | 06:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. Dezember 2018, 05:00 Uhr

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2 Kommentare

05.12.2018 18:37 Eulenspiegel 2

Hallo Markus 1
Nur am Rande bemerkt. Kaffeekörner gibt es nicht. Es gib nur Kaffeebohnen.
Also ich finde das Fair-Triade-Siegel ist schon mal ein Schritt in die richtige Richtung. Aber eben nur ein Schritt. Ich denke man sollte an der Stelle nicht zu viel von den Discounter erwarten. Die Leute die das Bewusstsein für die Problematik haben und das nötige Kleingeld die kaufen sowieso nicht beim Discounter ein. Und den Leuten die das Bewusstsein für die Problematik haben denen aber das nötige Kleingeld fehlt, so wie ich, für die gibt es dann zumindest das Fair-Triade-Siegel

05.12.2018 11:14 Markus 1

Ich merke keinen Unterschied bei Geschmack. Ich kaufe, wo gleicher Kaffee billiger ist. Hauptsache kein Pulver sondern Korn.

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