Karikaturen Die großen Deals der deutschen Einheit

Karikaturen "Wem gehört der Osten?"
Herbst 1989: Mit dem Mauerfall bricht in der DDR und danach in den neuen Bundesländern die Zeit der Investoren an. Seriöse, aber auch windige Unternehmer geben sich die Klinken in die Hand. Eine ganze Volkswirtschaft liegt ihnen im Osten zu Füßen. Der in Berlin lebende Karikaturist Klaus Stuttmann hat die größten Deals des Privatisierungsprozesses in den vergangenen Jahren ironisch begleitet. In dieser Zeichnung lässt er 1989 einen demonstrierenden DDR-Bürger vor einem Loch in der Mauer nichtsahnend fragen: "Draußen steht die freie Marktwirtschaft - Soll'n wir sie reinlass'n?!!". Bildrechte: Klaus Stuttmann (aus "Wem gehört der Osten")
Karikaturen "Wem gehört der Osten?"
Herbst 1989: Mit dem Mauerfall bricht in der DDR und danach in den neuen Bundesländern die Zeit der Investoren an. Seriöse, aber auch windige Unternehmer geben sich die Klinken in die Hand. Eine ganze Volkswirtschaft liegt ihnen im Osten zu Füßen. Der in Berlin lebende Karikaturist Klaus Stuttmann hat die größten Deals des Privatisierungsprozesses in den vergangenen Jahren ironisch begleitet. In dieser Zeichnung lässt er 1989 einen demonstrierenden DDR-Bürger vor einem Loch in der Mauer nichtsahnend fragen: "Draußen steht die freie Marktwirtschaft - Soll'n wir sie reinlass'n?!!". Bildrechte: Klaus Stuttmann (aus "Wem gehört der Osten")
Karikaturen "Wem gehört der Osten?"
Zu den großen Deals der deutschen Einheit zählte die Privatisierung der Leuna-Raffinerie und des Minol-Tankstellennetzes. Den Zuschlag bekam 1992 der französische Mineralölkonzern Elf Aquitaine. Er wurde dadurch über Nacht zum viertgrößten Tankstellenbetreiber Deutschlands. 1998 wurde ein Sonderermittler eingesetzt, weil man vermutete, Elf habe Schmiergeld an deutsche Politiker gezahlt. Beweise fand man keine. Unterdessen belegten Unterlagen der Bundesanstalt für vereinigungsbedingte Sonderaufgaben (BvS) von 2001 das riesige Verlustgeschäft: Leuna/Minol war für 550 Millionen D-Mark verkauft worden, doch mussten Treuhand und die BvS das Fünffache (rund 2,8 Milliarden DM) in das Projekt pumpen. Bildrechte: Klaus Stuttmann (aus "Wem gehört der Osten")
Karikaturen "Wem gehört der Osten?"
Der hessische Bauunternehmer Jürgen Schneider wollte Leipzig nach der Wiedervereinigung aus dem "Dornröschenschlaf wecken". Zur Sanierung historischer Gebäude - wie der berühmten Mädler-Passage - pumpte sich Schneider mehr als 5,5 Milliarden D-Mark von verschiedenen Banken - zumeist mit frisierten Projekt-Unterlagen. Der Schwindel flog 1994 auf. Drei Jahre später wurde Schneider zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt. Den Banken gab das Gericht eine moralische Mitschuld, weil sie den Immobilienskandal fahrlässig zugelassen hatten. Bildrechte: Klaus Stuttmann (aus "Wem gehört der Osten")
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Der Transformationsprozess von der DDR-Planwirtschaft zur Marktwirtschaft schrieb viele Erfolgsgeschichten und viele Pleiten. Über 12.000 Kombinate und Betriebe wurden mit fast vier Millionen Beschäftigten privatisiert - mithilfe der Treuhand. Von der Politik kam riesiger Zeitdruck. Viele Unternehmen hatten damit gar keine Chance, sich nach dem Wegfall alter Absätzmärkte neu zu orientieren. Sie stürzten einfach nur ins Bodenlose. Millionen Menschen verloren ihre Jobs. Bildrechte: Klaus Stuttmann (aus "Wem gehört der Osten")
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Zu den großen Deals gehörte auch die Privatisierung der ostdeutschen Werften Wismar und Stralsund. Den Zuschlag dafür bekam die Bremer Vulkan AG, die von der Treuhand eine Millionen-Subvention für die Sanierung und für die langfristige Arbeitsplatzerhaltung der beiden einstigen DDR-Werften bekam. Jedoch: Das meiste Geld davon floss gar nicht nach Wismar und Stralsund, sondern in die Vulkan-Werft selbst. Letztere wurde 1997 dicht gemacht. In die beiden ostdeutschen Ostsee-Werften wurden hingegen weiteres Geld gepumpt. Allein zwischen 1993 bis 2000 flossen rund 2,3 Milliarden Euro an Strukturbeihilfen. Bildrechte: Klaus Stuttmann (aus "Wem gehört der Osten")
Karikaturen "Wem gehört der Osten?"
1992 karikierte Klaus Stuttmann auch die Privatisierung der LPGs (Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften). Der Vorgang barg riesigen Zündstoff. Die Regierung in Bonn wünschte sich damals, die Genossenschaften und Staatsgüter im Osten durch bäuerliche Familienbetriebe zu ersetzen. Doch die Politik scheiterte am Widerstand der ostdeutschen Bauern. Stuttmanns Ironie von 1992 trat nicht ein. In Ostdeutschland gibt es heute viele landwirtschaftliche Großbetriebe. Sie erwirtschaften mehr Geld als ihre Kollegen im Westen.

Über dieses Thema berichtet der MDR auch im TV: MDR ZEITREISE 28.06.2020 | 22:10 Uhr
Bildrechte: Klaus Stuttmann (aus "Wem gehört der Osten")
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