Ein Kfz-Meister lädt ein Software-Update auf einen Volkswagen Golf.
Software-Update bei einem VW Golf mit Dieselmotor. Bildrechte: dpa

Abgas-Skandal Immer mehr Klagen gegen Hersteller von Diesel-Autos

Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hat Städten und Gemeinden erlaubt, bei zu schlechter Luft Fahrverbote für Dieselfahrzeuge zu verhängen. Hamburg und Stuttgart haben schon reagiert und Fahrverbote angekündigt. Kein Wunder, dass Diesel-Fahrer zunehmend nervös werden – und klagen. Die Anwälte haben gut zu tun.

von Lily Meyer, MDR AKTUELL

Ein Kfz-Meister lädt ein Software-Update auf einen Volkswagen Golf.
Software-Update bei einem VW Golf mit Dieselmotor. Bildrechte: dpa

Bis zu dreihundert Anfragen am Tag seien seit der Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts in seiner Kanzlei eingegangen, erzählt der Rechtsanwalt Ralph Sauer. Autofahrer würden nach dem Fahrverbots-Urteil befürchten, nicht mehr in die Städte zu kommen, auch würde der Wert ihrer Fahrzeuge deutlich sinken. Die Besitzer würden in einer Klage die Möglichkeit sehen, ihr Fahrzeug loszubekommen – und das zu erheblich besseren Bedingungen als am Markt.

Austausch, Schadensersatz, Rückabwicklung

Jedes zweite Verfahren würden er und seine Anwalts-Kollegen aus der Kanzlei mittlerweile gewinnen, sagt Sauer. Tendenz steigend. Die Ansprüche gingen vom Austausch des manipulierten Fahrzeugs gegen ein nagelneues des gleichen Typs, bis hin zu Schadensersatz. Auch Rückabwicklungen kämen vor: "Das heißt man gibt das Auto zurück, bekommt dann den Kaufpreis einschließlich einer Nutzungsentschädigung."

Sammelklage gegen VW in den Niederlanden

Auch der Rechtsanwalt Julius Reiter und dessen Kanzlei haben sich auf den Abgasskandal spezialisiert und vertreten derzeit 1.600 Betroffene. Außerdem vertreten sie hier eine holländische Stiftung, der sich bereits 20.000 Deutsche angeschlossen haben: "Also in Holland gibt es ein Sammelklageverfahren. Dort ist auch eine Sammelklage eingereicht worden. Die gilt aber nicht für Deutschland."

Die Menschen in Deutschland könnten sich jedoch in den Niederlanden kostenfrei registrieren. VW hätte jederzeit die Möglichkeit, in das Verfahren einzusteigen, erklärt der Anwalt. "Das haben sie aber bisher nicht gemacht." Reiter hofft – je mehr Menschen sich an der europaweiten Sammelklage beteiligen, desto mehr wächst der Druck auf VW.

Rechtsdienstleister sammelt Verbraucherklagen

Anders als in den Niederlanden oder den USA sind Sammelklagen in Deutschland bisher nicht möglich, da die sogenannte Einzelfall-Rechtsprechung gilt. Jeder Fall muss einzeln geprüft und verhandelt werden.

Dass sich viele Betroffene zusammenschließen und gemeinsam einen großen Konzern vor Gericht bringen, gibt es allerdings auch hierzulande. Der Rechtsdienstleister MyRight sammelt und finanziert Verbraucherklagen in großer Zahl. Er übernimmt  alle Kosten, bezahlt die Rechtsanwälte, Gutachter und Sachverständigen, behält dafür aber eine Provision von 35 Prozent ein, sollte erfolgreich geklagt werden.

Jan-Eike Andresen, Chef von MyRight sagte MDR AKTUELL, die erste Klage gegen VW, an der sich 15.000 Personen beteiligt haben, liege derzeit beim Landgericht Braunschweig.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 04. März 2018 | 07:12 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. März 2018, 12:12 Uhr

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10 Kommentare

04.03.2018 23:32 HaJo 10

1. Dem Abzockerverein DHU sollte man die Gemeinnützigkeit entziehen.
2. Es gibt bislang keinen einzigen Nachweis darüber, dass jemand an der Konzentration von > 40 mg verstorben ist.
3. Die NOX-Werte gehen nachweislich zurück. Das Problem löst sich somit auch ohne eine HW-Nachrüstung. Diese stände ohnehin erst in vielleicht 2 Jahren zur Verfügung. Wenn in 2 Jahren denn 1/3 der heutigen Euro4-Fzge nicht mehr auf dem Markt ist, ist der Grenzwerte ohnehin unterschritten. Hinzu kommen ja noch die vielen anderen Maßnahmen.

04.03.2018 20:06 Uborner 9

Die Steuerbegünstigung des Diesel gegenüber dem Benziner abschaffen und VW juristisch korrekt behandeln auch wenn das die Abwicklung des Konzerns bedeuten würde und fertig, das Problem löst sich von selbst.

04.03.2018 17:06 Petra 8

Hier gibt es offensichtlich Leute, denen die allgemeine Gesundheit egal ist. Wie Kommentator Nr.6.
Ich bin Asthmatiker und merke jeden Tag, wie “sauber“ unsere Luft ist
Die Autohersteller sind das Problem. Ihr Betrug am Kunden ist unterste Schublade.
Die sollten sich ihrer Verantwortung stellen und den betrogenen Käufern den Schaden ersetzen.

04.03.2018 14:50 Mikel 7

Die größte Farce ist das Hamburg den Vorreiter spielen will und Straßen sperren will und unten ein paar Meter weiter ist der Hafen wo ein stinker nach den anderen die Elbe hoch und runter schippert was für eine Logik. Ich sage nur die deppen sind wir die Autofahrer. Man sollte die ganze Regierung verklagen den eins ist sicher in 10 Jahren ist es das Elektro Auto was ungesund ist dafür werden die grünen schon sorgen .Gesunde Grüße aus dem hohen Norden

04.03.2018 14:39 Die DUH ist das Problem! 6

Es wäre beser, der DUH wegen Abmahnmissbrauch die Gemeinnützigkeit zu entziehen. Freiherr von Gravenreuth läßt Grüßen. Die DUH wird ohnehin überwiegend von Ford und Toyota finanziert. Die Luft in den Städten ist so sauber wie noch nie, dazu gibt es eine Statistik vom Bundesamt. Da alle Grenzwerte eingehalten wurden, hat man den Grenzwert auf absurde 40µg gesenkt. In jedem Büro ist dieser Wert höher! Die Hersteller wußten, daß man diese Werte nicht legal erreichen kann, ohne das Motoren kaputtgehen. Sie haben also zum Schutze der Verbraucher gehandelt. Der DUH muß das Handwerk gelegt werden. Das Verschrotten und die Neuherstellung von teils 3-4 Jahre alten Pkw sind die größte Umweltbelastung!

04.03.2018 14:14 Querdenker 5

Sowohl die USA als auch Japan haben schon seit sehr vielen Jahren deutlich strengere Grenzwerte beim Auto bzgl. Stickoxid (NOx).

siehe „sueddeutsche Wie EU und USA Abgas-Grenzwerte setzen“

Zitat: „Während die EU vor allem das Klimagas CO2 auf dem Kieker hat, fahren die USA eine harte Linie gegen NOx. Diese Schadstoffe stellen eine direkte Bedrohung für die Gesundheit dar.“

Die Gesundheit der Bürger war in Deutschland offenbar nicht so wichtig? Hauptsache bei den globalisierenden kapitalistischen Konzernen stimmte die Rendite.

Es gibt tausende Tote und Kranke! (siehe „mdr Neue Studie zu Stickoxiden 107.000 Tote durch Dieselabgase“) Die Konzerne sollten froh sein, wenn sie nicht auch für die Toten, Hinterbliebenen und Kranken aufkommen müssen!

Die Politik sollte jetzt dafür sorgen, dass diese Konzerne ihre „Schrottautos“ kostenlos für den Kunden umrüsten müssen. Dann gibt es halt erst mal keine Rendite für Aktionäre.

04.03.2018 12:28 Beobachter 4

Rasselbock:
Sachlich falsch. Der Grenzwert 40 Mikrogramm ist willkürlich und viel zu niedrig (USA hat 100 trotz vieler Großstädte). Es gibt keinen wiss. Grund diesen niedrigen Wert zu nehmen. NOx und Feinstaubwerte haben sich im letzten Jahrzehnt signifikant verringert. Diesel ist immer noch die umweltfreundlichste Technologie. E-Autos verlagern Problem nur auf Erzeugung von E-Energie.

04.03.2018 12:20 Querdenker 3

Die Politik klüngelt mit den globalisierenden kapitalistischen Konzernen derartig herum, dass man gar nicht weiß, wer nun die Gesetze in unserem Land schreibt (siehe „sueddeutsche Lobbyismus So verflochten sind Autoindustrie und Politik“). Das der Bürger immer noch keine Möglichkeit hat, mit einer Sammelklage sich gegen diese unsäglichen Konzerne mit ihren „Schrottautos" und „geplanter Obsoleszenz“ (Abgasnorm Euro 3,4,5,6) zu wehren, ist ein Skandal!

Die Sammelklagen wurden von der Regierung verhindert! (siehe „Deutschlandfunk VW-Skandal Verkehrsminister Dobrindt verhinderte Sammelklagen“)

Die Konzerne sollten dazu verpflichtet werden, die „Schrottautos“ kostenlos für den Kunden hardwareseitig nachzurüsten. Das kostet etwa 1300 Euro pro Diesel-PKW (siehe „zeit Regierungsexperte fordert Hardware-Nachrüstung von Dieselautos“).

Partikelfilter (auch) für Benziner und AdBlue für Diesel-PKW hätten schon vor Jahren eingeführt werden können!

04.03.2018 09:36 Rasselbock 2

Begreift es doch endlich: Der Diesel braucht Verbrennungstemperaturen von ca 2500°C. Da oxidiert auch N2 zu NOx. Das Zeug herauszubekommen geht, ist aber so teuer, da kann man gleich das E- Fahrzeug kaufen. Auch die Softupdates ändern nur Nuancen, Mehrfacheinspritzung im Arbeitstakt, mehr oder etwas weniger Abgasrückführung, etwas mehr oder weniger Zugabe von Add Blue. Es liegt das Problem im Dieselprinzip selbst. Das Problem grundsätzlich zu lösen geht nur durch Verlassen dieses Prinzipes. Das wussten die Hersteller mit Sicherheit, daher die Lösung mit dem Beschiss. Wer klar denken kann musste auch wissen, das muss auffliegen. Nun wird solange herumgeeiert, bis neue Innovationen durch
Wertverfall der alten das Problem durch Aussitzen erledigt. Darauf bauen die Autokonzerne.

04.03.2018 08:53 Wo geht es hin? 1

Wenn der Staat es ehrlich meinen würde, dass nicht der Endverbraucher die Last der ganzen Betrügereien tragen solle - ja da frage ich mich, warum da nicht in Form der Zulassung von Sammelklagen von seiten des Gesetzgebers her eingegriffen wird. Bei anderen Gesetzesänderungen ging es ja auch sehr schnell. Und? Greift der Bundestag als gesetzbeschliessendes Organ ein? Bisher nicht. Also weiss man, wie man o.g. Aussagen zu bewerten hat.