Krankenhäuser im ländlichen Raum Klinikbetreiber gehen immer häufiger pleite

In Deutschland gibt es fast 2.000 Krankenhäuser. Doch viele machen Verluste. Denn Fachpersonal und Geräte sind teuer. Zum Jahreswechsel gingen die DRK-Kliniken Thüringen-Brandenburg pleite. Bereits 2017 hatten die Paracelsus-Kliniken Insolvenz anmelden müssen. Sie haben mittlerweile einen Investor, der auch vier Häuser im Vogtland übernommen hat. Wie können Kliniken auf dem Land fit für die Zukunft gemacht werden?

von Ralf Geißler, MDR AKTUELL

Für Thomas Löffler ist Entlassungstag. Der 63-Jährige hat sich in der Paracelsus-Klinik in Schöneck operieren lassen. Ein kleines Krankenhaus im Vogtland. Dass die Klinik-Kette pleite war, hat er mitbekommen. Wirklich verstehen kann er es nicht. Die Qualität sei doch erstklassig: "Ich persönlich habe drei Anläufe gebraucht, damit ich ein Bett hier kriege, obwohl ich über die Notaufnahme reinkam. Und die Spezialisten, die hier sind, das sind Experten. Da kann man nicht meckern."

Notwendige Zusammenarbeit

Inzwischen haben die Paracelsus-Kliniken einen neuen Betreiber - einen Schweizer Investor. In Sachsen gehören ihm nun neben Schöneck auch Kliniken in Zwickau, Adorf und Reichenbach – alle nicht weit voneinander entfernt.

Geschäftsführer Christian Utler arbeitet nun daran, dass sie schwarze Zahlen schreiben: "Wir definieren uns nicht mehr als vier Einzelstandorte, sondern wir definieren uns als virtuelles Großklinikum in einer Vernetzung. Und so wie das auch an anderer Stelle ist, ist 1 und 1 dann nicht 2 sondern 3."

Wenn wir zusammenwachsen und vom Ich zum Wir kommen, dann wird es funktionieren.

Christian Utler | Paracelsus-Kliniken

Bestimmte Einkäufe und die Sterilisation machen die Kliniken künftig gemeinsam. Jede von ihnen soll sich zudem auf ein Fachgebiet spezialisieren – und trotzdem die Grundversorgung gewährleisten. Es ist ein Spagat. Notwendig, damit Krankenhäuser überleben können.

Deutschland hat die meisten Krankenhausbetten

Rund 300 Kliniken haben seit dem Jahr 2000 geschlossen. Wobei man das nicht dramatisieren sollte, findet der Gesundheitsökonom der Handelshochschule Leipzig Wilfried von Eiff. "Der Abbau von etwa 300 Krankenhäusern im Verlauf der letzten 20 Jahre ist kein Grund zur Besorgnis, sondern im Gegenteil Ausdruck steigender Qualitätsanforderungen in der medizinischen Versorgung."

Vom Abbau betroffen waren in erster Linie Krankenhäuser mit eingeschränktem Leistungsangebot bei geringen Fallzahlen.

Wilfried von Eiff | Handelshochschule Leipzig

Vielen Ökonomen gilt Deutschland als überversorgt. Kein anderes EU-Land hält so viele Krankenhausbetten je Einwohner vor. Schließt ein Krankenhaus, kämpfen Anwohner meist trotzdem um ihre Klinik.

Kliniken sollen ländlichen Raum versorgen

In Sachsen sei der Bestand vorerst gesichert, sagt Ministerpräsident Michael Kretschmer. Er will den Kliniken neue Aufgaben geben. Sie sollen auch für fehlende Landärzte einspringen.

Michael Kretschmer
Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer fordert ein größeres Aufgabensprektrum für Kliniken. Bildrechte: dpa

Wir sehen, dass vor allem die jungen Ärzte, die hier fertig werden mit ihrem Studium nicht mehr selbstständig zu einem Großteil werden wollen, sondern dass sie angestellt sein wollen.

Michael Kretschmer | Ministerpräsident Sachsen

Und deswegen brauche man Krankenhäuser und Organisationen, bei denen das möglich sei und die dann ein Stück weit die ambulante Versorgung mit übernehmen. "Ich denke, dass es ein Stück weit in diese Richtung gehen wird. Man merkt das auch hier im Vogtland, dass viele in diese Richtung denken", sagt der CDU-Regierungschef.

Notfallmedizin ist Verlustgeschäft

Bei Paracelsus-Geschäftsführer Uttler trifft das auf Zustimmung. Zumal er mit einem wichtigen Bereich nichts verdient – der Notfallmedizin. Mit jeder Notversorgung mache eine Klinik mehr als 100 Euro Verlust. Daran hätten auch neue Zuschläge wenig geändert. Geld muss anders reinkommen. Durch Sprechstunden oder Operationen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 11. März 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. März 2019, 05:00 Uhr

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19 Kommentare

12.03.2019 17:40 Carolus Nappus 19

@pickering10. Welche Belege schweben ihnen vor? Ich werde ihnen den einzigen Vorteil des damaligen Systems nennen. Sie und ich waren damals einfach mindestens 30 jahre jünger und entsprechend gesünder. Und selbst die Kranken haben oft gar nicht gewusst, welche Behandlungen/Medikamente ihnen nicht zugänglich waren.
Von solchen Kinkerlitzchen wie selbst nachgeschliffenen Kanülen, weil es keine neuen gab oder auch Skalen auf Spritzen, die bestenfalls eine Nährungsangabe waren und jede Injektion zu einer kleinen Lotterie machten, will ich gar nicht erst anfangen. Dafür war trotz vorbildlicher Vorsorgemaßnahmen irgendwie nicht das Geld da. Warum? Weil es auch in der weltgrößten DDR die es jemals gab, nicht vom Himmel fiel.

12.03.2019 04:43 Sabrina 18

@ 11.03.2019 07:01 Basil Disco 4
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Warum sollten die nicht operieren was das Zeug hält, obwohl es für den Patienten oft bessere Alternativen gibt?
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Wenn ein Patienten dabei Schaden erleidet - ganz abgesehen davon, dass im genannten Fall die Operation selbst eine rechtswidrige Schädigung ist - haben diese Ärzte weder Staatsanwalt noch Zivilgericht zu fürchten.
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Es gibt in der Deutschen Justiz keine unabhängige medizinische Sachkompetenz, auf die Staatsanwaltschaften oder Gerichte zurückgreifen könnten, um diese Fehlbehandlungen erkennen und verfolgen zu können.
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Statt dessen wird ein Ärzte-Kollege-Kumpel als Sachverständiger beauftragt und dessen Äußerungen sogar - wie ich es erleben durfte - trotz Widerlegung in gerichtliche Entscheidungen umgesetzt.
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Diese Zustände werfen ein bezeichnendes Licht auf die tatsächliche Qualifikation eines großen Teils unserer Rechtswissenschaftler.
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Und dazu kommen dann noch ruinöse Prozesskosten als Ausdruck der Rechtsstaatlichkeit.

11.03.2019 22:45 Hossa 17

Wenn das Gesundheitswesen zu einer Industrie verkommt,braucht man sich nicht wundern.

11.03.2019 19:14 Kritischer Bürger 16

@Ekkehard Kohfeld 11: +...Nein im ernst unser Staat ist pleite...+
Nun da kann man nur schreiben: MISTWIRTSCHAFT! Warum? Weil für alles andere (Steuer)Geld verschwendet wird, als das es für die eigene Bevölkerung, und hier für das Gesundheitswesen zum Wohl der Bürger, analog zum Wohl der Kranken, verwendet werden sollte. Abgesehen von der durch und durch auf Gewinne "programmierte Wettbewerbswirtschaft" ausgerichtet wird. Wo da die Menschen bleiben ist den Verantwortlichen so etwas von Schnuppe, (um es mal höfflich auszudrücken) das man sich als Mitmensch nur eines wünschen könnte: NIE KRANK ZU WERDEN! und wenn dann so schnell wie möglich das Zeitliche zu segnen! Allein wenn ich hier daran denke das ein nennenswertes Krankenhaus über 19 km vom Wohnort entfernt ist, kann man sich nur das wünschen was ich eben vorab anführte!

11.03.2019 19:04 Kritischer Bürger 15

Es heißt aber auch:
+...Rücklage-Verpflichtung nach § 261 SBG V
Rücklage sichert die finanzielle Stabilität der Krankenkasse.
Die gesetzlichen Krankenkassen bilden eine Rücklage, die ihre finanzielle Leistungsfähigkeit sicherstellen soll. Einnahme- und Ausgabeschwankungen können so ausgeglichen werden, ohne das die Krankenkasse in eine Schieflage gerät....+
...und was ist dann neben der Ausgeglichenheit der Krankenkassen für den Patienten noch übrig? NICHT viel bis gar nichts!

11.03.2019 19:01 Kritischer Bürger 14

Das Gesundheitssystem als Ganzes gehört allein in staatliche Hand und wenn da dann schlechte Einnahmen vorliegen ist es die verdammte Pflicht des Staates aus eingenommenen Steuergeldern entsprechende Minusbereiche auszugleichen. Jeder arbeitende Bürger zahlt Steuern, selbst Rentner zahlen ggf. Krankenkassenbeiträge, jeder arbeitende Bürger zahlt Krankenkassenbeiträge. Damit sind die Grundlagen zu legen, das die Kassen nicht Mrd. Euro an Guthaben schreiben können. Wie war das doch gleich vor einiger Zeit? F.A.Z. Krankenkasse 3 Mrd im Plus (21.02.2018) oder; Barmer, AOK & Co horten 28 Mrd. Euro und nennen es dann =Rekord-Reserve=. (Handelsblatt 22.02.2018) Wer also spricht hier für den Wettbewerb, für Gewinnvermehrung auf Kosten einer unterfinanzierten Krankenversorgung zum Nachteil eines großen Teiles der Mitbürger samt der zu schließenden Krankenhäuser oder deren Übernahme in private Hand? Warum eine solche Übernahme? Mrd. Rekord-Reserven machen diese priv.Bemühen lukrativ!

11.03.2019 18:44 Kritischer Bürger 13

@Gaihadres 5: +... Ich arbeite in einem Krankenhaus. Keiner benennt die wahren Probleme....+
... UND DIE WÄREN? Weil die Bevölkerung älter wird und anfälliger. Weil Angehörige ggf. für Krankenhausaufenthalte mit aufkommen müssten wenn die Kassen nicht ausreichend bezahlen? Weil man von Kranken erwartet das sie sich in ein Auto steigen um ggf. kein Taxi bezahlen zu müssen und wenn es ganz dumm kommt auf der Fahrt zum Krankenhaus einen UNFALL bauen in dem diese Menschen ggf. vor Eintritt ins Krankenhaus eher in der Pathologie landen als in einer Krankenstation? Weil Krankenhäuser verpflichtet werden sich zu spezialisieren und Bürger eben zusehen müssen wo am Ende das nächste spezialisierte Krankenhaus sich befindet um den dann Patienten ordentlich versorgen zu können, falls es die betreffende Personaldecke samt unterschied zwischen Privatpatienten und einfachen Mitbürgern möglich macht? Privatpatienten bringen Geld nur nicht jeder einfache Bürger kann da finanziell mithalten!

11.03.2019 18:33 Kritischer Bürger 12

+...Wie können Kliniken auf dem Land fit für die Zukunft gemacht werden?...+
In einer Wettbewerbsgesellschaft? GAR NICHT!!

11.03.2019 17:03 Ekkehard Kohfeld 11

@ pickering 8 Das Problem liegt ganz woanders. Warum müssen Krankenhäuser und jede andere Institution im Gesundheitswesen (Ambulanzen, Kliniken etc.) eigentlich Gewinn erwirtschaften? ##

Tja eigentlich zahlen wie Krankenkassenbeiträge und Steuern damit
der öffentliche Dienst davon bezahlt wird zumindest war das mal so gedacht,nur mittlerweile ist der öffentliche Dienst tot gespart.
Und ja können wir noch mehr Krankenhäuser schließen,hier in meinem Umgebung werden schon Patienten auf dem Flur geparkt,ja passen da noch mehr hin und im Keller ist auch noch Platz.
Nein im ernst unser Staat ist pleite.

11.03.2019 16:47 pickering 10

@9
"Naja, dass ein Gesundheitswesen in staatlicher Hand nicht die allein seeligmachende Lösung ist, konnte ja ein großer Teil hier noch selber erleben."
Könnten Sie diese Aussage mit Details belegen oder war das einfach nur wieder
"Alles was mit DDR zu tun hat ist Mist." - Populismus.
Und selbst wenn das Gesundheitswesen der DDR (auf das sie hier wohl anspielen) Ecken und Kanten hatte, heisst das noch lange nicht, dass das Grundkonzept falsch ist.
Und es heisst insbesondere auch nicht, dass aus Fehlern, die seinerzeit möglicherweise gemacht wurden, nicht gelernt werden darf.
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Die Gesundheit, respektive die Krankheit von Menschen kann und darf kein profitorientiertes Geschäftsmodell sein. Die Realität sieht leider anders aus.