VW-Werk Zwickau
Mit E-Mobilität und Digitalisierung muss die Autoindustrie gleich zwei Herausforderungen meistern. Bildrechte: MDR/Ralf Geißler

Wandel in der Arbeitswelt Heil fordert nationale Weiterbildungsstrategie

Experten zufolge werden in den nächsten Jahren durch Strukturwandel und Digitalisierung 1,3 Millionen Arbeitsplätze wegfallen und 2,1 Millionen andere entstehen. Dafür brauche man neue Strategien, fordert Arbeitsminister Heil.

von Wolfgang Brinkschulte, MDR-Wirtschaftsexperte

VW-Werk Zwickau
Mit E-Mobilität und Digitalisierung muss die Autoindustrie gleich zwei Herausforderungen meistern. Bildrechte: MDR/Ralf Geißler

Bundearbeitsminister Hubertus Heil hat die Zukunft der Arbeit als eine der größten Herausforderungen für den Wirtschaftsstandort Deutschland bezeichnet. Auf einer Konferenz mit dem Titel "Arbeit 4.0 – Wie können sächsische Unternehmer gute Arbeit gestalten?" in Leipzig sagte der SPD-Politiker, die wirtschaftlichen Veränderungen, besonders getrieben durch die weiter zunehmende Digitalisierung aller Arbeits- und Lebensbereiche, bedeuteten einen immensen Strukturwandel. Gerade deshalb gebe es dringenden Diskussionsbedarf.

Große Veränderungen innerhalb weniger Jahre

Hubertus Heil (SPD), Bundesminister für Arbeit und Soziales
Bundesarbeitsminister Heil. Bildrechte: dpa

Der anstehende Strukturwandel werde sich, anders als in der Vergangenheit, nicht mehr über Jahrzehnte erstrecken, sondern "wir reden über wenige Jahre", erläuterte Heil. Dabei verwies er auch auf die schwierigen Strukturbrüche Anfang der Neunzigerjahre in Ostdeutschland.

Zu beobachten seien jetzt mehrere Trends auf dem Arbeitsmarkt, die gleichzeitig zu bewältigen seien: "Es ist nicht Demografie auf dem Arbeitsmarkt auf der einen Seite, Digitalisierung auf der anderen Seite, sondern es ist gleichzeitig."

Viele Arbeitsplätze fallen weg, noch mehr kommen hinzu

Heil wies erneut darauf hin, dass bis zum Jahr 2025 in Deutschland durch Produktivitätsfortschritte, Digitalisierung und Rationalisierung ungefähr 1,3 Millionen Arbeitsplätze verloren gingen. Mit Blick auf den Fachkräftemonitor der Bundesanstalt für Arbeit würden im selben Zeitraum wahrscheinlich 2,1 Millionen neue Arbeitsplätze entstehen. Arbeit würde nicht ausgehen, "aber die Arbeit wird in vielerlei Hinsicht anders sein", so der Bundesarbeitsminister.

Autoindustrie vor "doppeltem Stresstest"

In Sachsen müsse man fragen, was aus der Automobilindustrie und der Zulieferindustrie werde. Vor dem Hintergrund des weltweiten Wettbewerbs und der ambitionierten Klimaziele stehe die Automobilindustrie vor einem "doppelten Stresstest".

Gründe seien die neuen Antriebe mit der Elektromobilität und die voranschreitende Digitalisierung in der Produktion. Studien belegten, dass es in der Automobilindustrie in den kommenden Jahren "besonders heikel" werde. Auch deshalb investiere VW in Zwickau sehr viel Geld, um sich diesen Veränderungen zu stellen.

Heil will nationale Weiterbildungsstrategie

Teilnehmer einer Konferenz sitzen in einer Halle
Heil und Dulig sprachen in Leipzig zum Thema Wandel der Arbeitswelt. Bildrechte: MDR/Wolfgang Brinkschulte

Wegen des zu erwartenden Verlusts an Arbeitsplätzen brauche man vor allen Dingen intensive Weiterbildung der Mitarbeiter, gerade auch in der Automobilzulieferindustrie, sagte Heil. Weil in vielen Bereichen die Arbeit anders werde, "müssen wir jetzt die Weichen dafür stellen, dass die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer von heute auch die Arbeit von morgen machen können." Daher forderte Heil eine "nationale Weiterbildungsstrategie", in der "Arbeitsmarkt-, Wirtschaftspolitik und Bildungspolitik zusammenarbeiten" sollten.

Dulig: Brauchen "mehr Netto vom Brutto"

Martin Dulig
Sachsens Wirtschaftsminister Dulig. Bildrechte: dpa

Der sächsische Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) forderte auf der Leipziger Konferenz "einen weiteren Reformschritt" in Richtung Sozialstaat: "Wir brauchen 'mehr Netto vom Brutto' über den sogenannten Niedriglohnsektor hinaus für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bis hin zu den mittleren Einkommen."

Eine Entlastung sei notwendig, weil das komplizierte Zusammenwirken von Steuern, Abgaben und Sozialtransfers gerade bei niedrigeren Einkommen dazu führe, dass sich mehr Arbeit kaum lohne. Dabei spielten gerade bei den kleineren Einkommen die Sozialabgaben eine größere Rolle als die Steuern. Daher sei es richtig, wenn Bundesfinanzminister Olaf Scholz den Solidaritätszuschlag für niedrige bis mittlere Einkommen streichen wolle.

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSENSPIEGEL | 28. März 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. März 2019, 16:48 Uhr

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3 Kommentare

29.03.2019 16:28 Sabrina 3

Dann sollten die Politiker mal bei sich anfangen. Die können offensichtlich nicht mehr, als sich hinter Fachleuten (Lobbyisten) verstecken.

29.03.2019 15:55 Fragender Rentner 2

Ist das nicht schön was sie so alles fordern und versprechen?

Wann werden denn die Forderungen und Versprechungen umgesetzt?

Höre ständig auch dass die Mieten ansteigen und hatten wir nicht von einem Minister mal mit sehr viel Lob und ein paar Nachbesserungen es den Bürgern versprochen dass sie kaum danach ansteigen werden?

28.03.2019 17:25 REXt 1

Die allgegenwärtigen „Forderer“ so kurz vor Wahlen in Aktion!