Onlinehandel Was vom Corona-Boom im Lebensmittelversand bleibt

MDR-Wirtschaftsjournalist Ralf Geißler
Bildrechte: Ralf Geißler

Die Corona-Krise hat Online-Händlern hohe Umsätze beschert. Dabei boomte auch der Lebensmittelversand. Wie stark sind die Umsätze mit der Lieferung von Butter, Milch und Brot gewachsen? Und werden die Kunden bleiben?

Einkaufswagen auf dem Supermarktparktplatz
Während der Corona-Pandemie haben Onlinehändler von Lebensmitteln viele neue Kunden gewonnen. Die meisten Deutschen gehen aber weiterhin wie gewohnt in den Supermarkt. Bildrechte: imago / imago images / allOver-MEV

Karsten Schaal hat den Onlinehandel mit Lebensmitteln zwar nicht erfunden, aber er war einer der ersten Anbieter. Im Jahr 2011 gründete er in Leipzig food.de quasi von seiner Couch aus. Das Unternehmen liefert in 32 Städten Lebensmittel aus. Die Kundenzahlen wuchsen eher langsam, bis Corona kam. Die Corona-Pandemie habe sie dann auf dem kalten Fuß erwischt, sagt Schaal.

Wir saßen im Büro und haben uns gewundert, wie plötzlich die Neukunden-Anmeldungen nach oben gingen.

Karsten Schaal Geschäftsführer von food.de

Innerhalb von drei Tagen seien sie für zwei Wochen ausgebucht gewesen und hatten keine Lieferslots mehr frei. In einem Monat habe sich der Umsatz vervierfacht.

Lebensmittelversand nach dem Corona-Boom

Auch der Konsum Leipzig, der ebenfalls einen Onlineshop für Lebensmittel betreibt, meldete starkes Wachstum. Die Zahl der Bestellungen sei zwischenzeitlich um 30 Prozent gestiegen, sagt Sprecherin Anja Malek. Das habe daran gelegen, dass die Kunden nicht mehr gern in den Supermarkt gegangen sind, aus Sorge um Ansteckungsgefahr.

Die Frage ist nun: Wird der Online-Boom bleiben? Erik Maier ist skeptisch. Der Wissenschaftler der Handelshochschule Leipzig hat Google-Suchanfragen ausgewertet. Demnach schnellte das Interesse an Lebensmittel-Lieferdiensten im März nach oben, sackte aber schon im April wieder ab.

Ein Teil der neuen Online-Kunden bleibe, sagt Erik Maier: "Die haben das als bequem empfunden und dementsprechend gibt es ein Wachstum im Online-Lebensmittelhandel. Allerdings ist das Niveau vorher so gering gewesen, dass jetzt dieses Wachstum nicht dazu führen wird, dass auf einmal ein Großteil der Deutschen im Online-Lebensmittelhandel bestellt."

Wenig Interesse bei Deutschen

Die Deutschen seien bei diesem Thema generell zurückhaltend, sagt Erik Maier. Das liege an der hohen Dichte an Supermärkten. Aber auch an der Preis-Sensibilität: Die Liefergebühren würden viele abschrecken. Dennoch investiert vor allem die Supermarktkette Rewe massiv in ihren Lieferdienst. Ob sich das lohnt, dazu schweigt das Unternehmen.

Der Online-Lebensmittelhandel ist bisher, da würde ich mich aus dem Fenster lehnen, für alle unprofitabel.

Erik Maier Juniorprofessor an der Handelshochschule Leipzig

Maier fügt hinzu: "Das heißt, man bekommt den nur profitabler oder die Kosten gedeckt, wenn man sehr große Volumina ausliefert."

Ist dieses Geschäftsmodell rentabel?

Bei der Frage zur Rentabilität halten sich alle Unternehmen zurück. Karsten Schaal von food.de sagt, man sei inzwischen raus aus der Nische.

Karsten Schaal. Geschäftsführer des Leipziger Onlinehandels Food Direkt GmbH
Karsten Schaal. Geschäftsführer von food.de Bildrechte: MDR/Stephan Wiegand

Gerade bei Familien mit vielen Kindern habe sich das Bestellen von Lebensmitteln via Internet etabliert. Der Geschäftsführer von food.de sagt: "Die Zahlen sind nach wie vor hoch. Und wir merken auch, dass die Kunden, die in der ersten Welle gekommen sind, zum großen Teil noch da sind. Jetzt sind die Ferien vorbei, jetzt bestellen auch noch die Firmenkunden."

Beim Konsum Leipzig heißt es, ein Drittel der im Frühjahr neu gewonnen Kunden bestelle immer noch online. Und dann habe in der Hochphase der Pandemie noch ein anderer Vertriebsweg geboomt, die Bestellung via Telefon. Das aber, sagt Sprecherin Malek, sei tatsächlich mehr ein zusätzlicher Service als ein lohnendes Geschäft.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 02. September 2020 | 06:46 Uhr

1 Kommentar

Anni22 vor 7 Wochen

Ich suche besonder Obst und Gemüse lieber selber aus. Und wenn ich schon mal da bin, nehme ich den Rest auch gleich mit. Finde auch die Zustellung problematisch, irgendwer muss die Pakete ja auch annehmen. Sicher für den einen oder anderen Rentner eine Option, aber gewöhnlich liefern diese Dienste auch nur in großen Städten....