Ein Paketzusteller scannt ein Paket vor einem StreetScooter Work L der Deutschen Post DHL.
In der Vorweihnachtszeit müssen Postboten besonders viele Pakete zustellen. Bildrechte: dpa

Vorweihnachtszeit Darf man sich Pakete an den Arbeitsplatz liefern lassen?

Keine fünf Wochen mehr, dann ist Weihnachten. Für die Paketzusteller beginnt jetzt die stressigste Zeit des Jahres. Denn viele Geschenke werden im Internet bestellt. Allein die Deutsche Post rechnet in der Woche vor Heiligabend mit elf Millionen Paketen täglich. Dumm nur, dass ihre Zusteller dann oft vor verschlossenen Türen stehen. Denn die Besteller sind tagsüber in der Regel arbeiten. Kann man sich die Bestellung auch ins Büro liefern lassen?

von Ralf Geißler, MDR AKTUELL

Ein Paketzusteller scannt ein Paket vor einem StreetScooter Work L der Deutschen Post DHL.
In der Vorweihnachtszeit müssen Postboten besonders viele Pakete zustellen. Bildrechte: dpa

Es ist wie jeden Nachmittag bei der Post. Vor den Schaltern warten genervt blickende Kunden und von der Straße kommen stetig Leute dazu, mit gelben Paketscheinen in der Hand.

Warum eigentlich lassen sie sich ihre Pakete nicht auf Arbeit liefern? Viele glauben, eine Lieferung privater Pakete auf Arbeit sei gar nicht erlaubt. Doch das stimmt so generell nicht, sagt der Magdeburger Arbeitsrechtler Uwe Bitter:

Es ist grundsätzlich so lange erlaubt, bis es nicht verboten ist. Das ist hier eine Besonderheit. Und selbstverständlich kann man sich, wenn das den betrieblichen Ablauf nicht stört, Pakete ins Büro oder in die Firma schicken lassen.

Uwe Bitter Arbeitsrechtexperte

Abmahnung erst nach Verbot

Der Chef kann das allerdings verbieten. Zum Beispiel, weil die Sekretärin vor lauter Päckchen nicht mehr über ihren Schreibtisch schauen kann. Wird trotz Verbot ins Büro bestellt, droht dem Arbeitnehmer eine Abmahnung.

Arbeitsrechtler Bitter gibt aber zu bedenken: "Abmahnungen müssen ja, wenn sie zu Kündigungen führen sollen, einschlägig sein. Das heißt, theoretisch müsste man es dann ein zweites oder ein drittes Mal tun, um eine Kündigung zu bekommen."

Geschäftsmodell aus dem Dilemma

So weit will es natürlich keiner kommen lassen. Dabei ist die Paketzustellung auf Arbeit sinnvoll. Schließlich hält man sich genau dort auf, wenn die Zusteller unterwegs sind. Michael Strohäcker hat aus dem Dilemma ein Geschäftsmodell gemacht. Seine Firma Pakadoo verkauft an Unternehmen Paketschränke und Lagersoftware. So können sie ganz offiziell Pakete ihrer Mitarbeiter annehmen.

Das Unternehmen startete vor drei Jahren am Markt und konnte bereits viele große Unternehmen als Kunden gewinnen, wie Strohäcker erklärte. "Zum Beispiel eine Landesbank Baden-Württemberg, Ernst & Young, die Firma Beyersdorf. Wir haben aber auch viele kleine Unternehmen, die Pakadoo als Goodie für die Mitarbeiter anbieten." Für die Arbeitgeber ist die offizielle Annahme der Pakete ein Zusatzservice, um sich attraktiv zu machen. Und ein Chef kann so steuern, dass nur in der Pause oder nach Feierabend die Pakete aus den Paketschränken abgeholt werden.

Versand-Dienstleister können sparen

Strohäckers Unternehmen wächst rasant, wie er erklärt und "solange der E-Commerce weiter so boomt, wird es solche Lösungen wie Packadoo brauchen. Vor allem deswegen, weil wir keine Gebühr vom Besteller verlangen." Pakadoo verdient mit den Paketschränken und der Software. Weiteres Geld erhält Pakadoo von DHL oder Hermes. Denn die Versand-Dienstleister sparen viel ein, wenn ihr Bote dreißig Pakete bei einem Unternehmen abladen kann anstatt sie einzeln zu Privatadressen zu fahren. Einen Teil dieser Ersparnis geben die Versand-Dienstleister an Pakadoo weiter.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 26. November 2018 | 06:54 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. November 2018, 06:41 Uhr

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4 Kommentare

27.11.2018 15:23 Fragender Rentner 4

Was durch solche Zustellungen so an Wald abgeholzt wird und wo wandern die leeren Pakete dann hin?

Weden die widerverwertet oder wird das Meiste verbrannt?

Und der Sprit der so jeden Tag vergeudet wird, ist bestimmt auch sehr groß?

27.11.2018 11:39 Rentner H. 3

na klar-@ 2 , Joshua -die Postmitarbeiter bei DHL sollen 24 Stunden arbeiten, sollen gleich auf der Post schlafen.....von Familienangehörigen gehört,der fast 30 Jahre dort ausgebeutet wird, ,in Hessen,an Scheinadressen geliefert o.auf Parkplatz umgeladen , so dumm sich dabei noch erwischen zu lassen. Aber eigenartig,es waren nie D Mitarbeiter.....10.000 zusätzliche Mitarbeiter,aber wo ?Neue große Werbung- DHL sucht Verstärkung,Hummels,Lewandowski,Müller in DHL rot-gelb Klamotten....na wenn die so weiter spielen können die ja vor Weihnachten mal bei DHL aushelfen....

26.11.2018 22:01 Joshua 2

Die Post könnte auch einfach von späten Nachmittag bis Abends ausliefern anstatt mittags wenn fast jeder Arbeitet. Jedes Mal muss ich zur Post latschen.

26.11.2018 16:59 Fragender Rentner 1

Kommt bestimmt auf den Arbeitsplatz an?

Am Fließband oder ähnlichen Arbeitsplätzen ist es bestimmt mehr als ungünstig.