Ein Schweiߟer arbeitet an einem Stahlsegment für einen Windradturm.
Wie dramatisch ist der Fachkräftemangel wirklich? Bildrechte: dpa

Diskussion Linke: Fachkräftemangel in Deutschland überdramatisiert

Der Fachkräftemangel treibt in Deutschland seit Jahren Politik und Wirtschaft um: Wie bekommen wir nur genug qualifizierte Arbeitskräfte? Die Partei "Die Linke" sagt jetzt: Fachkräftemangel gibt’s vielleicht so gar nicht. Die Bundesregierung übertreibt. Grund für den Mangel seien unter Anderem geringe Löhne. Die Industrie- und Handelskammer und die Arbeitsagentur widersprechen.

von Marc Zimmer, MDR AKTUELL

Ein Schweiߟer arbeitet an einem Stahlsegment für einen Windradturm.
Wie dramatisch ist der Fachkräftemangel wirklich? Bildrechte: dpa

Kristian Kirpal leitet einen Betrieb für Energietechnik und Anlagenbau in Wermsdorf. Aktuell sucht er zum Beispiel Anlagenmechaniker, Elektrotechniker und Ingenieure, findet aber keine geeigneten. "Das heißt wir können als Unternehmen nicht so wachsen, wie wir uns das vorstellen, weil wir dafür das entsprechende Fachpersonal nicht finden."

IHK: Fachkräftemangel ist real

Und so geht es vielen Betrieben, sagt Kirpal. Er ist Präsident der Industrie- und Handelskammer zu Leipzig. In seinem Kammerbezirk haben inzwischen 50 Prozent der Firmen Stellen, die länger als ein halbes Jahr unbesetzt bleiben. "Daraus ergibt sich die einfache Antwort: Wir haben einen Fachkräftebedarf. Ganz dramatisch ist es im Baugewerbe, bis hin zur Mechatronik und Gastronomie. Überall gibt es Fachkräftebedarf, der gedeckt werden muss."

Linke: Geringe Löhne für Fachkräftemangel verantwortlich

Susanne Ferschl stellt das infrage. Die Vize-Fraktionschefin der Linken im Bundestag hat bei der Bundesregierung nach aktuellen Zahlen zum Fachkräftemangel gefragt. In der Antwort heißt es: In nur sieben von 144 Berufsgruppen gibt es mehr offene Stellen als Jobsuchende. Das bringt Ferschl zu dem Schluss: Es gibt die Fachleute. Der eigentliche Grund, warum die Stellen nicht besetzt werden, sind zu niedrige Löhne und schlechte Arbeitsbedingungen.

Susanne Ferschl (Die Linke) im Bundestag
Ferschl im Bundestag. Bildrechte: dpa

Ich nehme ein Beispiel heraus: Das Thema Altenpflege, wo die Löhne natürlich so niedrig sind, dass klar ist, dass sich die Leute nach was anderem umschauen. Und auch bei den Mechatronikern ist davon auszugehen, dass unter Umständen mehr gefunden werden könnten, wenn sie anständig bezahlt werden würden.

Susanne Ferschl Die Linke

IHK-Präsident Kirpal sieht das ganz anders: Die Unternehmen würden den Fachkräften praktisch hinterherlaufen, sagt er. Als Arbeitgeber versuche man immer über Lohnangebote die Arbeit für Fachkräfte interessant zu machen.

Arbeitsagentur: Stellen bleiben immer länger frei

Hermann Leistner von der Leipziger Arbeitsagentur betont: Es gibt zu wenig Fachkräfte – zwar nicht in allen Branchen, aber in vielen. Als Beleg führt er die sogenannte Vakanzzeit an. Also die Zeit, die es im Schnitt braucht, bis eine Stelle neu besetzt ist. Bei Klempnern dauere es 230 Tage eine Stelle neu zu besetzen, bei Altenpflegern 190 Tage. Hinzu komme, dass in vielen Branchen die Vakkanzzeit von Monat zu Monat steige.

Firmen stellen unterqualifiziertes Personal ein

Ein Auszubildender im Schreiner-Handwerk arbeitet in einem Ausbildungszentrum mit dem Hobel an seinem Werkstück.
Sächsischer Handwerkstag: Im Handwerk ist der Fachkräftemangel ein "Riesenproblem". Bildrechte: dpa

Allerdings sind Statistiken nur bedingt aussagekräftig: Denn erstens müssen die Unternehmen offene Stellen nicht melden. Und zweitens werten manche Unternehmen es oft schon als Mangel, wenn sie nicht die Wahl zwischen zehn oder mehr Bewerbern haben.

Gerade im Handwerk fehle es aber definitiv an Fachkräften, sagt Roland Ermer, der Präsident des Sächsisches Handwerkstags.

Es geht nicht darum, dass wir keine Hände mehr haben. Aber qualifizierte Köpfe zu bekommen, das ist tatsächlich ein Riesenproblem.

Roland Ermer Präsident Sächsischer Handwerkstag

Viele Firmen stellen deshalb offenbar unterqualifiziertes Personal ein. So arbeitet laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung jeder fünfte Arbeitnehmer in Deutschland auf einer Stelle, für die er formal nicht qualifiziert ist.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 17. April 2019 | 06:12 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. April 2019, 05:00 Uhr

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62 Kommentare

18.04.2019 19:09 Querdenker 62

Es gibt kaum „Fachkräftemangel“ in Deutschland. Es gibt vielmehr Firmen, die Lohndumping betreiben.

siehe „wiwo Der Fachkräftemangel ist ein Mythos“

Zitat: „Das Geschrei der Unternehmen ist viel heiße Luft.“

Zitat: „Der einzig zuverlässige Indikator, um Knappheiten am Arbeitsmarkt zu messen, ist für Brenke daher die Lohnentwicklung.“

Die Löhne sollen halt niedrig gehalten werden und darum eben diese Politik der Masseneinwanderung und Wegfall der Vorrangprüfung gegenüber Ausländern.

Interessant in dem Artikel der wiwo ist auch der Ingenieur, der auf die Propaganda vom angeblichen Fachkräftemangel reingefallen ist. Dieser ganze Artikel der wiwo ist eigentlich eine Offenbarung zum angeblichen „Fachkräftemangel“.

Firmen die viele Leiharbeiter beschäftigen und Bewerbern keinen unbefristeten Arbeitsvertrag als langfristige Perspektive anbieten, sind zudem unglaubwürdig beim Thema Fachkräftemangel.

18.04.2019 18:45 maheba 61

Das abklingende Wirtschaftswachstum wird den sogenannten Fachkräftemangel umkehren. Wenn die Produktion stagniert braucht keiner mehr Arbeitskräfte. Hoffentlich hält sich die Arbeitslosigkeit dann in Grenzen, da ja jetzt schon Arbeitskräfte angeblich fehlen.

18.04.2019 14:31 Ekkehard Kohfeld 60

Kann es sein, dass da gewisse ideologische Vorbehalte im Spiel sind? Wir wissen, dass gerade im Bereich des Gesundheitswesens sehr viele Fachkräfte aus dem benachbarten Ausland zu uns gekommen sind.##

Richtig man klaut seinen Nachbarn und armen Ländern ihre Fachkräfte die sie dringend selber brauchen spart sich die Ausbildung und tönt dann noch rum man leistet Humanitäre Hilfe.Tatsächlich tut man das in dem man diesen Länder die Fachkräfte und die Ärztliche unterstützung weg nimmt,das erklären sie mal bitte.
##
Wenn man allerdings Migration per se ablehnt, ist es zwangsläufig, dass auch der Fachkräftemangel negiert wird, da man ja zugeben müsste, dass ohne Migration Teile unserer Wirtschaft und unseres Sozialwesens kaum mehr leistungsfähig sein würden.
##
Schönes Deckmäntelchen zieht aber nicht,wir klauen unser Konkurrenz die Fachkräfte und nichts anderes.
Habe ich schon geschrieben meiner Firma geht es seid über 40 Jahren super trotz angeblichen Fachkräftemangel.

18.04.2019 12:49 Peter 59

@54: Herr Kohfeld, es ist schon eigenartig.
Sie schreiben über den selbst erlebten Fachkräftemangen, negieren ihn aber.
Kann es sein, dass da gewisse ideologische Vorbehalte im Spiel sind? Wir wissen, dass gerade im Bereich des Gesundheitswesens sehr viele Fachkräfte aus dem benachbarten Ausland zu uns gekommen sind. Wenn man allerdings Migration per se ablehnt, ist es zwangsläufig, dass auch der Fachkräftemangel negiert wird, da man ja zugeben müsste, dass ohne Migration Teile unserer Wirtschaft und unseres Sozialwesens kaum mehr leistungsfähig sein würden.

18.04.2019 11:40 nasowasaberauch 58

@Gaihadres
Sie vergleichen die Jugend der Wohlstandsgesellschaft mit der von 1970. In der DDR gab es keine Abbrecher, die ewig studierten, sie kamen in die Wirtschaft und lernten einen Beruf. Abbrechen war ein Makel und heute ist es die Regel. Das sind nicht krude Vorstellungen, das war die Realität. Wer junge Menschen formen will braucht in der Gesellschaft Normen und die sind mit dem wachsenden Wohlstand verloren gegangen. Die lieben "Kleinen" sollen es ja mal besser haben.

18.04.2019 10:20 Mediator 57

Gähhhhn .... Kann man bei so einer simplen Diskussion auch einmal die ideologischen Scheuklappen ablegen und eine saubere Situationsanalyse betreiben?

Dazu gehört es sich die Situation von Unternehmern anzuhören. Wenn vom High-Tech Konzern bis zur letzten Dorfkneipe fast unisono berichtet wird, dass man sich immer mehr Kompromisse bei Bewerbern eingehen und Stellen oft gar nicht mehr besetzen kann, dann deutet dies auf einen Mangel hin.

Wenn trotz vorhandener Geldmittel Bauvorhaben wegen mangelnder Planungs- und Ausführungskapazität nicht durchgeführt werden können, dann deutet dies auf einen Mangel hin.

Wenn Preise für Baudienstleistungen durch die Decke gehen, dann deutet auch das auf zu geringe Kapazitäten und somit auf einen Mangel hin.

Das sind handfeste Fakten, die man auch durch Spiegelfechterei nicht aus der Welt schafft.

18.04.2019 09:04 Gaihadres 56

Faszinieren - ich bin ehrlich erstaunt, wie viele sächsische Bürger so völlig am Leben vorbei laufen. Die Kommentare von Nr.43 bis 46 zeigen in aller Deutlichkeit, dass Sie das Thema entweder nicht verstehen wollen oder tatsächlich keine Ahnung haben. Da werden vermeintliche und sehr krude Zusammenhänge benannt, irgendwelche ideologisch begründete Pauschalierungen in den Ring geworfen oder einfach der persönliche Lebensfrust abgeladen. Herrschaften, ich habe ja nun täglich etliche Berührungspunkte mit dem Thema und kann das wohl sehr gut wissenschaftlich aber auch lebenspraktisch bewerten. Bei Ihnen hab ich da nicht den Eindruck. In einem Punkt gebe ich Nr.43 aber gerne recht: Viele junge Menschen müssen noch geformt werden - aber das mussten Sie und ich auch. Der Fokus lag da nur etwas anders. @All: Wenn Sie schon keinen Mangel in der Vergangenheit sehen wollen, dann schauen Sie in die Zukunft. In 10 Jahren werden Sie sich wünschen, den Mangel doch als solchen erkannt zu haben.

18.04.2019 07:58 Querdenker 55

Es gibt sogar Firmen, die Schein-Stellenausschreibungen machen, um Mitarbeiter unter Druck zu setzen.

siehe „focus Bewerbung nicht beantwortet: Warum Firmen Stellen zum Schein ausschreiben“

Zitat: „Außerdem inserieren Unternehmen, um ihrer eigenen Mannschaft das Gefühl zu geben: Unser Unternehmen sortiert sich und wer hier nicht zu den Spitzenleistern gehört, der wird womöglich durch eine neue, unverbrauchte Arbeitskraft ersetzt"

Zitat: „Auch in Konzernen ist eine Ausschreibung formal erforderlich, unter der Hand sind aber mindestens 50 Prozent der Jobs schon einem Insider versprochen,“

Zitat: „Unternehmen schreiben aus, um dem Markt das Signal zu senden: Wir wachsen und expandieren."

"Fake-Suche" nach Arbeitskräften, die nie eine Chance haben einen Arbeitsplatz zu bekommen. Von der völlig verzerrten Statistik und Wahrnehmung ganz zu schweigen.

18.04.2019 07:40 Ekkehard Kohfeld 54

@ Peter 49 Sehr geehrter Herr Kohfeld, Sie scheinen nur die Überschrift gelesen zu haben.##

Nein Lieber Peter ich arbeite in einer Brange da erzählt man das mit dem Fachkräftemangel schon seit über 40 Jahren
da wurden sogar mal Inder geholt die man aber nicht gebrauchen konnte,denn da kommen nur die die man in Indien auch nicht gebrauchen konnte den die Guten gehören in ihrer Heimat zu den Eliten warum sollten die nach Deutschland zum buckeln kommen,und meine Firma lebt trotz angeblichen Fachkräftemangel immer noch und nicht schlecht.Nein lieber Peter im Gegensatz zu ihnen bin ich kein Lemming und nicht so naiv wie ein 8 Jähriger.Und wo sollen die Fachkräfte her kommen viel europäische Länder haben das selbe Problem.Und Fachkräfte aus Afrika für unsere hochwertige Arbeitsplätze bestimmt nicht.Wie gesagt gute Fachkräfte sind in ihrer Heimat die Elite,die kommen nicht und werden da auch gebraucht und wir Deutschen wollen die noch klauen?Mit welchem Recht?

18.04.2019 07:12 Querdenker 53

Schon alleine wegen der Arbeitnehmerfreizügigkeit in der EU gibt es nur wenig Mangel an Fach- und Arbeitskräften. Es gibt Konzerne die Lohndumping betreiben, die als indirekte Erfüllungsgehilfen Politiker haben, welche die Politik der Masseneinwanderung betreiben. Selbst EU-Ausländer wollen scheinbar eher nicht im Billiglohnland arbeiten.

siehe „zeit Lohndumping: EU will Ausbeutung ausländischer Billiglöhner stoppen“
Zitat: „Viele ausländische Arbeitskräfte wurden bislang schlechter bezahlt als ihre heimischen Kollegen.“

siehe „rp-online Knapp jeder Vierte arbeitet für Niedriglohn“
Zitat: „Der Anteil der Arbeitnehmer, die in Deutschland einen Niedriglohn beziehen, ist im europäischen Vergleich hoch. So verdienen 22,5 Prozent der Beschäftigten ...“

siehe aktuell „handelsblatt Fachkräftemangel: Vorrangprüfung für Asylbewerber wird abgeschafft“

Hinzu kommt, dass Behinderte nicht eingestellt werden siehe „mdr 450 Millionen Euro Ausgleichszahlungen statt Job-Angebote“