Pandemie Reinigungskräfte in Corona-Zeiten: Anerkennung ja, mehr Lohn nein

Nie war uns Hygiene so wichtig wie in Zeiten von Corona. In vielen Geschäften und Einrichtungen arbeiten sogar Extra-Reinigungskräfte. Die wischen lieber einmal mehr als sonst über Oberflächen und Griffe und desinfizieren, wann es geht. Klingt so, als würde bei all dem wirtschaftlichen Schaden der Corona-Krise zumindest die Reinigungsbranche wieder Aufwind bekommen. Doch ist das so?

Eine Gebäudereinigerin wischt einen Flur
Reinigungskräfte bekommen in der Corona-Krise mehr Anerkennung, ihre wirtschaftliche Situation verbessert sich aber nicht. Bildrechte: dpa

Die Reinigungskräfte können zu den Gewinnern der vergangenen Wochen gezählt werden – meint zumindest Ulrike Laux von der IG Bau, der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt. Denn:

Es gibt einen gewissen Respekt und eine hohe Anerkennung für die Reinigungstätigkeit.

Ulrike Laux IG Bau - Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt

"Wir haben das in den letzten Wochen festgestellt bei der Reinigung der Kliniken, dort wurde erstmals wertschätzend festgestellt, wie wichtig eine gute Reinigung ist", sagt Ulrike Laux.

Viele Aufträge weggefallen

Dieser eher ideelle Gewinn spiegelt sich der Gewerkschaftlerin zufolge aber nicht in der wirtschaftlichen Situation der Reinigungsbranche wieder. Klar gebe es Bereiche mit viel Arbeit und damit auch einem guten Geschäft. In anderen Bereichen seien aber Aufträge weggefallen, sagt Johannes Bungart, Geschäftsführer des Bundesinnungsverbands des Gebäudereiniger-Handwerks. Nach seinen Worten war es in vielen Bereichen der Branche richtig schwierig, zum Beispiel bei der Hotelreinigung und der Industriereinigung. Und in Kliniken seien natürlich auch intensivere Reinigungsintervalle gefahren worden.

Gebäudereinigung sei ein industrienahes Handwerk, sagt Johannes Bungart. Und folgert:

Wo gearbeitet wird, wird auch gereinigt.

Johannes Bungart Geschäftsführer Bundesinnungsverband des Gebäudereiniger-Handwerks

Gesamtlage beeinflusst Auftragslage

Ob die Branche nach dem Lockdown viele Aufträge erhalten werde, hänge auch davon ab, wie sich der Rest der Wirtschaft erhole, meint Johannes Bungart. Und Gewinn und Verlust liegen nicht nur bei den Unternehmen nahe beieinander. Laut Johannes Bungart gibt es sogar zwischen den einzelnen Mitarbeitern massive Unterschiede. Während Reinigungskräfte in Intensivstationen beispielsweise Zuschläge erhielten, seien andere in Kurzarbeit.

Das bedrückt besonders Ulrike Laux von der IG Bau: "Die Kurzarbeit in der Gebäudereinigung macht uns ganz große Sorgen. Denn wir wissen, dass 60 Prozent des letzten Nettos oder 67 Prozent auf keinen Fall ausreichen können. Das heißt, die Kolleginnen und Kollegen müssen zu den Ämtern gehen und eine Aufstockung ersuchen."

Einige größere Firmen konnte die IG Bau dazu bewegen, das Kurzarbeitergeld aufzustocken. In anderen müssen die Mitarbeiter mit knapp 1.000 Euro auskommen.

Coronabedingter Einbruch in Privathaushalten

Doch auch Reinigungsdienste für Privathaushalte mussten teilweise auf Kurzarbeitergeld zurückgreifen. Haushaltshilfen zählen im Gegensatz zu den Gebäudereinigern nicht zu den Handwerkern. Sie gehören ursprünglich in den Agrarbereich.

Ute Steglich ist die geschäftsführende Gesellschafterin der ASL in Leipzig. Das Unternehmen vermittelt unter anderem Haushaltshilfen an Haushalte. Für ihr Unternehmen war der Lockdown eine Katastrophe. Die Telefone hätten sich heiß geklingelt und ganz viele ihrer Kunden panisch reagiert, erzählt sie. Weil sie entweder zur Risikogruppe gehörten oder jetzt im Homeoffice seien und nicht mehr ins Büro dürften. Deshalb sollten die Hauswirtschaftshilfen erst einmal nicht kommen.

Mittlerweile ist Ute Steglich wieder guten Mutes, der reguläre Betrieb wird wieder aufgenommen. Doch egal, ob Haushaltshilfe oder Gebäudereiniger – beide Berufsgruppen müssen derzeit mehr und härter arbeiten. Denn die Corona-Hygienemaßnahmen lassen sich nur mit einem erhöhten Zeit- und Reinigungsaufwand umsetzen. Und dafür ernten die Haushaltshilfen und Reinigungskräfte zumindest bei Unternehmerin Ute Steglich und der IG Bau hohe Anerkennung.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 25. Mai 2020 | 06:56 Uhr

22 Kommentare

CrizzleMyNizzle vor 6 Wochen

"Die "Helden" der Krise: Schwester, Reinigungskräfte, Altenpfleger, Kassiererinnen......"
Ich weiß es wird viel auf diese Berufsgruppen aufmerksam gemacht. Es gibt aber noch viele andere (eigentlich so gut wie alle, denn nur die Gemeinschaft von allen macht erst unser Leben möglich):

Polizei, Feuerwehr, Busfahrer, Müllmänner, Justizangestellte (bei Gericht), der einfache Bandarbeiter, Lehrer, Erzieher, ja sogar der ITler ... um nur ein paar zu nennen.

Alle haben/mussten auch arbeiten in dieser Zeit... und alle brauchen wir mal mehr oder weniger.

Am Ende sind wir alle "nützliche Idioten" :D

kleinerfrontkaempfer vor 6 Wochen

Die "Helden" der Krise: Schwester, Reinigungskräfte, Altenpfleger, Kassiererinnen......
hochgelobt, mit vielen Versprechungen bedacht. Alles nix geworden.
Also bleibt es bei den nützlichen Idioten, drastisch aber marktkonform.

CrizzleMyNizzle vor 6 Wochen

"Dekadent, oder? "
Wenn man das so sehen WILL, dann vielleicht.
Aber wenn man mal schaut was das eigentlich ist stellt man schnell fest dass es sich um ein privates Restaurant handelt, welches diesen Spruch für sich verinnerlicht.... (passt ja auch zu Lage des Restaurants)
Und nicht wie Sie suggerieren der sächs. LT...