Krise im Flugverkehr Lufthansa droht nach neuem Milliardenminus mit Entlassungen

Die staatlich gestützte Lufthansa hat im ersten Halbjahr Verluste von 3,6 Milliarden Euro eingeflogen. Auch die Aussichten sind trübe. Weil die Sparverhandlungen mit den Gewerkschaften stocken, droht das Unternehmen nun mit betriebsbedingten Entlassungen.

Ein Airbus A321-200 der Fluggesellschaft Lufthansa hebt vom Flughafen ab.
Die Lufthansa ist im Sinkflug und setzt den Rotstift an. Bildrechte: dpa

Nach einem weiteren Milliardenverlust im zweiten Quartal verschärft die Lufthansa ihre Sparmaßnahmen. Der Vorstand stimmte die Mitarbeiter am Donnerstag auf betriebsbedingte Kündigungen ein. Bislang sollte das in Verhandlungen mit den Gewerkschaften durch andere Sparbeiträge vermieden werden. Das sei nun auch für Deutschland nicht mehr realistisch, sagte Vorstandschef Carsten Spohr.

Wir erleben eine Zäsur des globalen Luftverkehrs. Vor 2024 rechnen wir nicht mehr mit einer anhaltenden Rückkehr der Nachfrage auf das Vorkrisenniveau.

Lufthansa-Vorstandschef Carsten Spohr

Erneut Milliarden-Minus

Die Corona-Krise  hat dem inzwischen vom Staat gestützten Lufthansa-Konzern im zweiten Quartal einen weiteren Milliardenverlust eingebrockt. Unter dem Strich stand ein Minus von rund 1,5 Milliarden Euro nach einem Gewinn von 226 Millionen ein Jahr zuvor. Die Frachttochter Lufthansa Cargo konnte mit Zugewinnen nur einen kleinen Teil der Verluste im Passagierverkehr ausgleichen.

Zur Jahreshälfte 2020 summierte sich das Minus damit auf 3,62 Milliarden Euro, nach 116 Millionen Euro Gewinn im Vorjahreszeitraum. Auch im Juli musste der Konzern bereits wieder fast eine Milliarde Euro an Kunden zurückzahlen, deren Flüge wegen der Pandemie ausgefallen sind. Obwohl der Flugverkehr inzwischen wieder anzieht, erwartet Spohr auch in der zweiten Jahreshälfte tiefrote Zahlen.

Massive Einschnitte

Der Konzern will deshalb seine Kosten bis zum Jahr 2023 um 15 Prozent senken, die Flotte um mindestens 100 Flugzeuge verkleinern und 22.000 Vollzeitstellen abbauen. Bis Ende Juni hat die Lufthansa die Zahl ihrer Beschäftigten im Vergleich zum Vorjahr bereits um knapp 8.300 auf 129.400 verringert, allerdings fast ausschließlich im Ausland. Nun kommen auch in Deutschland Einschnitte. Doch die Verhandlungen mit den Gewerkschaften Verdi, Vereinigung Cockpit und Ufo über Sparmaßnahmen stockten zuletzt.

Bereits bekannt sind die Schließungspläne für Germanwings und die Tochter des Joint Ventures mit Turkish Airlines, SunExpress. Bei den Flugzeugtypen stehen besonders die Großflugzeuge Airbus A380, A340 sowie die Boeing 747 auf dem Prüfstand.

 

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 06. August 2020 | 09:00 Uhr

4 Kommentare

Guter Schwabe vor 7 Wochen

Tja, wer bei einer 9 Milliarden Staatshilfe die Arbeitsplatzgarantie vergisst, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen.
Nach Wirecard und jetzt Lufthansa sollten endlich der Wirtschaft und der Finanzminister ihren Hut nehmen und zurücktreten. Es reicht, der angerichtete Schaden ist zu groß.

Erichs Rache vor 7 Wochen

@Thomas h

Natürlich hat der Altmeier die 9 Milliarden nicht aus seiner eigenen Tasche bezahlt. Das haben die Beschäftigten (auch der Lufthansa) mit Ihrer Einkommenssteuer bezahlt, nur damit sie danach entlassen werden können. :-)

THOMAS H vor 7 Wochen

Erichs Rache: "Wieviele MILLIARDEN Euro hat der Spohr nochmal vom Altmeier bekommen?"
Irgendwie müssen ja die Vorstandsgehälter bezahlt werden, wobei sich die Frage stellt: Hat Herr Altmeier ("... vom Altmeier ...") das Geld aus seiner eigenen Tasche bezahlt?